Nach bundesweitem Datenklau Ganderkeseer FDP fordert Digitalministerium

Niklas Golitschek

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Diskutierten übder Digitalisierung: v.l.: Christian Dürr (MdB), Silke Müller, (Rektorin Waldschule Hatten), Marion Vosteen (Vorsitzende FDP Gan), Dr. Til Assmann (Honorarkonsul der Republik Estland in Bremen und Niedersachsen) und Alexander Malchus (EWE). Foto: Niklas GolitschekDiskutierten übder Digitalisierung: v.l.: Christian Dürr (MdB), Silke Müller, (Rektorin Waldschule Hatten), Marion Vosteen (Vorsitzende FDP Gan), Dr. Til Assmann (Honorarkonsul der Republik Estland in Bremen und Niedersachsen) und Alexander Malchus (EWE). Foto: Niklas Golitschek

Bookholzberg. Der Ganderkeseer FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr fordert nach dem umfangreichen Diebstahl von Daten von Politikern und Prominenten Konsequenzen.

Christian Dürr (FDP) hatte Glück im Unglück. Auch der Bundestagsabgeordnete aus Ganderkesee war vom Datendiebstahl betroffen, der in den vergangenen Tagen viel beachtet wurde. Allerdings: „Ich wurde nicht gehackt. Nur meine Handynummer wurde veröffentlicht“, schilderte er am Dienstagabend beim Dreikönigstreffen der FDP Ganderkesee im Schwarzen Ross in Bookholzberg, zu dem der FDP-Gemeindeverband geladen hatte.

Wie seine Daten dann trotzdem öffentlich wurden? „Die Mutmaßung ist, dass ein gehackter Fraktionskollege meine Nummer hatte“, führte Dürr weiter aus. So kam sein Kontakt dann auch in die Hände des 20-jährigen aus Hessen, der den Diebstahl inzwischen gestanden hat. Und dennoch: der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Liberalen hält an der Digitalisierung fest. Das bekräftigte er.

Um zu sehen, wie eine digitalisierte und dennoch sichere Gesellschaft gelingen kann, holten sich die Liberalen Unterstützung von Til Assmann, Honorarkonsul der Republik Estland für Bremen und Niedersachsen. Das kleine Baltikum-Land mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern gilt als Vorreiter in puncto Digitalisierung. „Estland hat schon 1993 auf Mobilfunk gesetzt und ist aktiv nach vorne geprescht“, umriss er die Entwicklung des einst stark landwirtschaftlich geprägten Landes. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 setzte die Regierung jedoch auf zwei neue Faktoren: Tourismus und Informationstechnologie. Mittlerweile verfüge Estland über eine flächendeckende Breitbandversorgung – auch in den ländlichen Regionen – 1100 freie Wlan-Zugänge und habe den Datenschutz sowie das Recht auf Internet gesetzlich verankert. „Der Staat garantiert die Sicherheit, so etwas wie hier passiert dort nicht“, meinte er mit Blick auf den jüngsten Datendiebstahl. Auch der elektronische Personalausweis funktioniere dort einwandfrei – und sicher.

Keine zentrale Datenbank

Es gebe keine zentrale Datenbank, stattdessen verfüge jede Behörde und Institution über einen eigenen Server mit vorangeschaltetem Sicherheitsserver. „Die Entwicklung des Systems hat 600.000 Euro gekostet!“, rechnete er vor und weckte damit sichtbar Begehrlichkeiten unter den liberalen Gästen.

Die Podiumsrunde komplettierten Silke Müller, Rektorin der Waldschule in Hatten und Alexander Malchus vom Energieversorger EWE; Heiko Ackermann als Vertreter der Krankenhausgesellschaft Bremen fiel grippebedingt aus. Müller führte aus, wie sich ihre Schule seit 2008 zu einer bundesweiten Vorbildeinrichtung entwickelte und was Digitalisierung für die Bildung der Jugend bedeutet. „Wir können das ablehnen, aber nicht verändern“, warb sie um mehr Aufgeschlossenheit. Die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler müsse in den Unterricht mit einbezogen werden. Es gehe nicht darum, dass die Kinder und Jugendlichen während der Schulzeit am Smartphone rumspielen: „Wir müssen sie befähigen, mit der Technologie umzugehen.“

Ausgangspunkt für Erfolg ist die Infrastruktur

Den unternehmerischen Aspekt griff Alexander Malchus auf. Der Ausgangspunkt für Erfolg sei die Infrastruktur, bekräftigte er. Gerade im ländlichen Raum mangelt es hier jedoch noch häufig – und als Internetdienstleister ist da unter anderem die EWE gefragt. „Im eigenwirtschaftlichen Bereich machen wir den Breitbandausbau selber“, erläuterte er. In eben diesen dünn besiedelten Regionen sei das allerdings nicht wirtschaftlich. „Über die Fördergebiete entscheidet auch nicht EWE sondern der Landkreis“, gab er die Verantwortung weiter.

Passwort regelmäßig wechseln

Was die Förderungen betrifft, plädierte der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr für eine einheitliche Vorgehensweise. Zu viel sei abhängig von verschiedenen Programmen auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene. „Wir brauchen ein Digitalministerium!“, forderte er. Dem müsse auch die digitale Sicherheit zugeordnet werden. Beim jüngsten Datendiebstahl sei klar geworden, dass hier die Zuständigkeiten unklar seien. Seine Lehren hat Dürr aus dem Vorfall gezogen, unter andrem: „Regelmäßig das Passwort wechseln.“ Damit die eigenen Daten auch weiter sicher sind. Abschalten sei dagegen keine Option.


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