Vom Acker zum Flugfeld Seit 50 Jahren Starts und Landungen in Ganderkesee

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Ganderkesee. 2019 wird der Flugplatz Ganderkesee 50 Jahre alt. 200 Personen arbeiten heute auf dem Gelände mit eigenem Hotel und Restaurant. Doch das Airfield war nicht immer so groß aufgestellt.

Ganderkesee „Schon erstaunlich, wie groß das alles geworden ist“, sagt Ralf Sauer und sieht sich um. Die Flugzeughallen erstrecken sich hunderte Meter weit, eigentlich würde Sauer gern noch neue Hallen bauen, aber der Platz wird knapp. Auf dem Flugfeld ist es momentan ruhig, in den Wintermonaten starten und landen in Ganderkesee nur wenige Maschinen am Tag. Im Restaurant herrscht zum Jahreswechsel dagegen Hochbetrieb – Weihnachtsfeiern, Silvester-Gala, gut besuchte Brunch-Termine. Insgesamt arbeiten auf dem Gelände des Flugplatzes rund 200 Leute. Ralf Sauer ist Geschäftsführer des Unternehmens, sein Vater Jochen Weyhausen-Sauer hat die Atlas Airfield GmbH vor 50 Jahren gegründet.

Anstoß auch von einem Schweizer

Dass es den Ganderkeseer Flugplatz gibt, ist eigentlich einem Schweizer zu verdanken. Jochen Weyhausen-Sauer erinnert sich noch an einen Herrn Flori, mit dem der heute 83-Jährige geschäftliche Beziehungen hatte: „Der war Gletscherpilot und in der Bergrettung aktiv, das hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich auch einen Flugschein gemacht habe.“ Nicht nur er war von der Fliegerei begeistert, sondern offenbar auch Ganderkesees Gemeindedirektor Heinz Huhs und Bürgermeister Johann von Seggern. „Die fanden, dass die Gemeinde auch einen Flugplatz braucht, schließlich war in Hatten gerade einer gebaut worden.“ Offenbar wollte die Gemeinde Ganderkesee da nicht zurückstehen.

Sonderflugplatz Ende 1969 genehmigt

Ein passendes Grundstück war im Jahr 1968 schnell ausgemacht. Im November 1969 erhielt der Flugplatz eine Genehmigung als Sonderflugplatz. „Da am Anfang sowieso nur drei Flieger pro Tag nach Ganderkesee wollten, reichte das völlig aus“, so Weyhausen-Sauer. Ein Jahr später sollte die Anlage aber doch eine reguläre Genehmigung als Verkehrsflugplatz erhalten – dafür musste eine vernünftige Piste her.

Allerdings bestand das Gelände aus drei verschiedenen Parzellen unterschiedlicher Höhe – für eine Start-Lande-Bahn ausgesprochen ungünstig. Da Jochen Weyhausen-Sauer damals bei der Firma Atlas Weyhausen arbeitete, wurden kurzerhand einige Bagger des Unternehmens organisiert, um eine einigermaßen plane Fläche zu schaffen. „Darauf haben wir dann Rasen angesät“, erinnert sich der Senior. Und sein Sohn ergänzt: „Ich weiß noch, dass wir uns dann mit Papas Mercedes auf der Bahn festgefahren haben, weil der Boden so weich war.“

Kleine Schäden am Anfang vertuscht

Ein Landwirt aus der Nachbarschaft konnte mit seinem Trecker helfen, das Herzstück des neuen Flughafens hatte allerdings ziemliche Löcher davongetragen. Da die Abnahme der 835 Meter langen Flugbahn aber im Schneesturm stattfand, ließen sich die Schäden leicht vertuschen – der Kontrolleur wollte gern wieder ins Warme.

Schnell machte sich der Ganderkeseer Flughafen einen Namen, denn das Atlas Airfield wurde 1971 als Zielflughafen des Deutschlandflugs auserkoren. „Wir versuchen, den Deutschlandflug auch im Jahr 2020 wieder nach Ganderkesee zu holen“, so Ralf Sauer. Heute stehen in den Hallen hauptsächlich Privatflugzeuge, aber auch fünf Maschinen der Atlas Airfield GmbH. Mit denen üben die rund 30 Schüler der Flugschule: „Wir haben auch ein Ultraleichtflugzeug, diese Maschinen sind gerade sehr beliebt, weil sie wenig Sprit verbrauchen und sich gut fliegen lassen“, erklärt Ralf Sauer. Auch die Segelflieger des LSV Hude und ein Anbieter von Heißluftballon-Fahrten sind auf dem Atlas Airfield zu Hause.

Chef und leidenschaftlicher Flieger

Der heutige Geschäftsführer des Flugplatzes ist selbst leidenschaftlicher Flieger. „Ich habe zwischen meinem neunten und meinem 19. Geburtstag jede freie Minute hier auf dem Flugplatz verbracht“, sagt Ralf Sauer, und sein Vater ergänzt: „Wir Eltern waren oft in großer Sorge, weil der Junge zu jedem ins Flugzeug stieg, um mitzufliegen!“ Heute freuen sich die Eltern, wenn der Sohn von seiner Wahlheimat Nürnberg aus im Schnitt einmal pro Woche nach Ganderkesee fliegt – um sich hier um die Geschäfte zu kümmern und um seine Eltern zu besuchen. Neben dem Flugplatz entstanden im Jahr 1974 das Restaurant und das Hotel auf dem Airfield-Gelände. Vor allem Geschäftsreisende steigen hier ab, nur selten übernachten Piloten in einem der 24 Zimmer.

Gewinnorientierung als Maxime

„Von Beginn an war unser Anspruch, das Unternehmen gewinnorientiert zu führen“, sagt Jochen Weyhausen-Sauer. Im Großen und Ganzen habe sich der Betrieb immer getragen, und die berühmte „schwarze Null“ sei nach wie vor das Ziel eines jeden Geschäftsjahres.

Ich habe zwischen meinem neunten und meinem 19. Geburtstag jede freie Minute hier auf dem Flugplatz verbracht.

Sein Sohn ergänzt: „Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht würde mandas nicht machen – der Flugplatz hat für mich einen großen Hobby-Anteil, und es steckt Herzblut darin!“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN