Arend Braye (1890-1960) Ein unbeugsamer Nazigegner aus Ganderkesee

Von Werner Garbas

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Ganderkesee. In Ganderkesee geboren, brachte es der Gewerkschafter Arend Braye zum Oberbürgermeister von Lörrach. In der Nazizeit bewies der unbeugsame Sozialdemokrat viel Mut.

Obwohl Arend Braye das Licht der Welt in der Bauerschaft Grüppenbühren erblickte, haben sich in Ganderkesee kaum Spuren von ihm erhalten. Was aber nicht wundernimmt, denn die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er im äußersten Südwesten Deutschlands. Im Folgenden sollen Stationen seines Lebensweges nachgezeichnet werden.

Geboren wurde Arend Braye am 3. November 1890, schon mit drei Jahren wurde er Vollwaise. Nach seiner Schulzeit absolvierte er eine Schlosserlehre bei der Reichsbahn in Karlsruhe und leistete von 1910 bis 1912 seinen Wehrdienst ab. In den folgenden beiden Jahren arbeitete er als Lokomotivheizer in Haltingen, einem Ortsteil von Weil am Rhein.

Bald wieder in den Schoß der SPD zurückgekehrt

Nach 1900 hatte sich das Gebiet zwischen Haltingen und dem Badischen Bahnhof in Basel zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt mit mehr als 4000 Beschäftigten entwickelt. Hinzu kamen viele Fabrikarbeiter aus dem Raum Weil, die in den dortigen Textilfabriken tätig waren. Sie alle hatten vor Ort zu einem Erstarken der Sozialdemokratie beigetragen. Arend Braye schloss sich schon vor dem Ersten Weltkrieg mit Begeisterung den Genossen an und wurde in der Gewerkschaft der Eisenbahner aktiv. Bei Kriegsbeginn wurde er eingezogen und kehrte erst 1919 nach russischer Gefangenschaft schwer verwundet nach Haltingen zurück.

Er heiratete und fand ein neues Betätigungsfeld als hauptamtlicher Sekretär der Ortsgruppe Lörrach-Basel der Gewerkschaft der Eisenbahner. Gleichzeitig war er von 1919 bis 1925 und von 1927 bis 1933 Bürgermeister von Haltingen. Als einziger prominenter Sozialdemokrat im Dreiländereck war Braye zeitweise zur KPD gewechselt, hatte aber während der Inflationsunruhen 1923 im Raum Lörrach maßgeblich zu einer Deeskalation beigetragen. Braye kehrte in den Schoß der SPD zurück, er konnte sich längerfristig nicht mit der dogmatisch-autoritären Programmatik der Kommunistischen Partei identifizieren.

Am 2. Mai 1933 führten die Nationalsozialisten reichsweit ihre organisierte Zerschlagung der demokratischen Gewerkschaften durch. In Haltingen besetzten sie das Büro der Eisenbahner-Gewerkschaft und nahmen Arend Braye fest. Zwar wurde er schon bald wieder aus der „Schutzhaft“ entlassen, war nun aber arbeitslos und musste während der zwölf Herrschaftsjahre des braunen Regimes mit gelegentlichen Jobs über die Runden kommen.

Gesundheit nachKZ-Haft angegriffen

Immer wieder aber solidarisierte er sich mit Widerständlern und wurde deshalb noch einige Male in Haft genommen, zuletzt im Rahmen der sogenannten Aktion Gewitter. Zusammen mit anderen badischen Linksoppositionellen wurde er in das elsässische Konzentrationslager Natzweiler-Strutthof verbracht und später ins KZ Dachau verlegt. Mit stark angegriffener Gesundheit kehrte er nach Kriegsende nach Haltingen zurück.

Die französischen Besatzungsbehörden belohnten den Nazigegner nun mit seiner Wiedereinsetzung als Bürgermeister von Haltingen. Braye hatte maßgeblichen Anteil an der Wiedergründung der SPD und verhalf seiner Partei bei der ersten Gemeinderatswahl in Haltingen im Jahr 1946 zu einem Stimmenanteil von fast 70 Prozent. 1947 war er Spitzenkandidat der Kreisliste und schaffte den Einzug in den ersten badischen Landtag, später war er Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg.

Es kam deshalb nicht überraschend, dass die Lörracher Sozialdemokraten Braye als Kandidaten für das Bürgermeisteramt in ihrer Stadt vorschlugen. Seine Wahl erfolgte am 5. Dezember 1948, am 1. Dezember 1957 wurde er für weitere zwölf Jahre als Oberbürgermeister in seinem Amt bestätigt. Er erlebte aber nur das erste Viertel seiner neuen Wahlperiode, am 23. August 1960 starb Arend Braye im Alter von 69 Jahren überraschend an den Folgen eines Herzinfarktes.

Die Sozialdemokratie in Lörrach beklagte mit seinem Tod den herben Verlust einer Leitfigur, die auch als Vorreiter der übernationalen Verständigung im Dreiländereck eine wichtige Rolle eingenommen hatte.


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