Interview mit Ganter-Markt-Chef Schandfleck schlecht für Ganderkesees Ortskern

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Schandfleck am Eingang zur Rathausstraße: Die Immobilie, ein ehemaliger Kiosk und Imbiss, verkommt zusehens.  Archivfoto: Thorsten KonkelSchandfleck am Eingang zur Rathausstraße: Die Immobilie, ein ehemaliger Kiosk und Imbiss, verkommt zusehens. Archivfoto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Mehr Action und weniger herummeckern. Welche Tipps Unternehmer Timo Vetter den Ganderkeseer Kaufleuten noch gibt, hat unsere Zeitung im Interview mit dem Chef des Ganderkeseer Kaufleutebündnisses Ganter-Markt erfragt.

Herr Vetter, aus Sicht der Kaufleute muss das doch ein tolles Jahr 2018 gewesen sein? Das Langzeitprojekt Marktplatzumbau ist vollendet, viele Leerstände im Ort wurden durch neue Läden mit neuem Leben gefüllt. Gibt es da überhaupt noch Wünsche und Forderungen?

Wir sind wunschlos glücklich. Eigentlich kann der Verein Ganter-Markt jetzt aufgelöst werden (Vetter schmunzelt). Nein, natürlich gibt es immer irgendwas. Es ist zwar viel Bewegung – und die ist besser als Stillstand. Eine Geschäftsaufgabe ist bedauerlich, aber statt eines Leerstandes begrüßen wir es natürlich, wenn dann etwas Neues in Ganderkesee eröffnet. Vielleicht eine Gastronomie am Marktplatz. Gerne könnte auch der Schandfleck, der ehemalige Kiosk, weg. Aber das Thema ist wohl etwas verzwickt.

Ende 2017 haben Sie den Kauf des LzO-Gebäudes durch die Gemeinde positiv bewertet. Eine für den Ortskern wichtige Immobilie sei gesichert worden. Doch auch rund ein Jahr danach gibt es noch immer keine Nachnutzung. Was ist zu tun? Was wäre wünschenswert?

Es ist wichtig, dass das Gebäude erst mal „safe“ ist. Eine Nachnutzung soll im Sinne der Gemeinde und des Ortskerns sein. Diese zeitnah zu finden, wäre wünschenswert.

Wo gerade der Kundenlauf in der Rathausstraße wieder Fahrt aufnimm, droht ein Stück weiter, hinter dem Rathaus, an der Bergedorfer Straße eine neue Brache, nachdem Takko auszog und auch die große Ladenfläche daneben nach Jahren immer noch nicht vermietet ist? Was kann Ihrer Meinung nach getan werden?

Ursprünglich hörte ich, dass der Takko-Leerstand zusammen mit dem Leerstand daneben sofort geschlossen werden sollte. Dem ist jetzt scheinbar nicht so. Aber wen man auch fragt, man bekommt andere Antworten. Also, ich habe keine Ahnung, was da gerade läuft. Ein Leerstand ist immer schlecht. Dieser war, so glaube, ich vermeidbar.

Wie sind sie generell mit dem Leerstandsmanagement der Gemeindeverwaltung bezüglich Gewerbeimmobilien zufrieden?

Mich fragte kürzlich jemand, ob für das alte LzO-Gebäude schon ein Nachmieter feststünde. Nicht, dass ich wüsste. Weil kein „Zu vermieten“ im Schaufenster hing. Im Grunde kann ich wie jedes Jahr nicht beurteilen, wie gut das Leerstandsmanagement der Verwaltung ist. Es liefen schon Gespräche, und mittlerweile ist wohl auch ein Makler dran. Wenn es meine Immobilie wäre, dann hätte ich einen Aushang im Schaufenster gemacht – direkt an Tag eins. Andere Leerstände konnten auch schon mit einem simplen Aushang geschlossen werden. Auch in Zeiten von Internet hilft manchmal Papier. Bei größeren Ausdrucken bis DIN A0 bin ich aber auch gerne behilflich. Das soll aber keine Schleichwerbung sein.

Zu den Kaufleuten: Gibt es einen Grund zur Selbstkritik?

Gefühlt stand es um den Ortskern vor zwei bis drei Jahren schlechter. Daher gibt es keinen Grund, miesepetrig zu sein. Es sollte gar nicht erst die Frage aufkommen, ob man sich mit seinem Geschäft einem verkaufsoffenen Sonntag, einem Sommerabend oder einem verlängerten Adventssamstag anschließt. Es bringt auch nichts, sich über das geänderte Kaufverhalten dank Internet und so weiter zu beschweren. Wir können es nicht ändern. Meckern ist unsexy. Ich kaufe ungern bei jemandem ein, der immer klagt und anderen die Schuld gibt. Diese Kandidaten gibt es. Und das höre ich ungefragt auch von anderen. Service und Kundenfreundlichkeit muss maximal groß geschrieben werden. Jeder weiß, dass sich schlechte Erfahrungen viel besser verbreiten als gute. Und auch der Ganter-Markt-Vorstand saugt seine Motivation nicht aus einem Füllhorn. Zum Glück sehe ich das vor diesem Hintergrund entspannt: Wer sich selbst nicht einbringt, hat auch kein Recht zu meckern. Das waren jetzt auch nur die negativen Beispiel. Es gibt viele Kaufleute, die sich sehr wohl engagiert einbringen. Diese hätten damit auch ein Recht zu meckern. Aber sie tun es nicht. Weil sie durch ihre Bemühungen wissen, dass es eben „alles“ nicht so einfach ist.

Welche Aktionen planen Sie für 2019?

Wir starten am Freitag, 4. Januar, mit einem Highlight: dem Sendestart von „Radio 90.vier“. Um Punkt 12 Uhr geht der Sender am Ganderkeseer Airfield „on Air“. Bei diesem Regionalsender ist Ganter-Markt Gründungsmitglied. Selbstverständlich wird es viel Unterhaltsames und Informatives aus der Region geben. Weiter geht’s am 6. Januar mit dem ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres, dem „Knutschen“ das als „Schredderfest“, zum vierten Mal stattfindet. Es folgen die offenen Sonntag im Frühling, im Herbst, der Ganter-Tach und die GGV plant, den Weihnachtsmarkt 2019 sogar bereits am Freitag zu öffnen. Ich bin zwar kein Freund des verkaufslangen (Donnerstag-) Sommerabends, aber die Vereinskollegen sind da anderer Meinung. Den gibt es vermutlich auch wieder.

Wird es im neuen Jahr wieder eine Aktion an der Westtangente geben?

Der erste Familientag vor zwei Jahren war sehr erfolgreich. Dies ließ 2018 mangels Beteiligung nicht wiederholen. Am 25. und 26. Mai ist nun die „Gewerbeschau 2.0“ geplant. Mit dem Versionssprung wollen wir an der Konzeptschraube drehen: mehr Eventcharakter, mehr Action für insbesondere Kinder. Und wir würden uns auch freuen, wenn wir Aussteller aus dem Ortskern am Flugplatz begrüßen dürfen.


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