Hofgemeinschaft Grummersort Mehr Vielfalt beim Gemüse

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Gärtnerin Stefanie Gerbracht und Landwirt Eike Frahm konzentrieren sich auf die Wintersaison. Mit der Universität Oldenburg wird gerade der Anbau verschiedener Gemüsesorten erprobt. Foto: Bettina Dogs-PrößlerGärtnerin Stefanie Gerbracht und Landwirt Eike Frahm konzentrieren sich auf die Wintersaison. Mit der Universität Oldenburg wird gerade der Anbau verschiedener Gemüsesorten erprobt. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Wüsting-Grummersort Der Biohof aus Wüsting hat die lange Trockenperiode im Sommer gut weggesteckt. Jetzt konzentrieren sich die Öko-Landwirte auf ein besonderes Anbauprojekt.

Es war ein gutes Jahr für die Hofgemeinschaft Grummersort. Während andernorts Landwirte diesen Sommer unter einer anhaltenden Trockenheit zu leiden hatten, steht der Ökohof in Wüsting vergleichsweise gut da. Der Demeter-Hof, der seit Mai 2017 auch solidarische Landwirtschaft betreibt, hat die Dürreperiode diesen Sommer unbeschadet überstanden.

Gemeinsam mit der Universität Oldenburg wird auf dem Solawi-Hof derzeit der Anbau verschiedener sogenannter samenfester Gemüsesorten erforscht. Im Gegensatz zu Hybridsaatgut, das auf wenige, bestimmte Eigenschaften gezüchtet wurde und jedes Jahr von den Landwirten neu angeschafft werden muss, können sich samenfeste Sorten auf natürliche Weise „wie früher“ und aus sich selbst heraus vermehren. Oft handelt es sich dabei auch um alte, ursprüngliche Sorten.

Geschmack vor Optik

„Wir bauen bereits bei mehreren Gemüsearten wie Porree, Fenchel, Zucchini oder Pastinake alte Sorten an und fahren bislang ganz gut damit“, so Eike Frahm. Er ist neben Christoph Zimmermann und Sebastian Mall Hofbetreiber.

Die alten Sorten seien nicht nur weniger anfällig für Schädlinge oder starke klimatische Schwankungen, „sie sind statt auf einheitliche Optik ausschließlich auf Geschmack gezüchtet“.

Vielfalt als Risikominimierung – für die Hofgemeinschaft hat sie sich in diesem Jahr bezahlt gemacht. „Ein Vorteil war dabei auch unser Standort. In vielen Bereichen war der moorige Boden zum Teil durch den verregneten Herbst 2017 noch so feucht, dass Getreide, Gemüse und Co. gut wachsen konnten“ schildert Frahm. Gut gerüstet kann sich der Gemüseanbauer nun voll auf die Wintersaison konzentrieren.

Lebensmittel direkt vom Hof

Seit die drei Hofbetreiber Eike Frahm, Christoph Zimmermann und Sebastian Mall im Mai 2017 einen Teil ihres Betriebes in solidarische Landwirtschaft umgewandelt haben, wächst die Zahl der Verbraucher, die das Konzept unterstützen, stetig. „Vor allem, seit wir vor drei Monaten den Probemonat eingeführt haben. Mit ihm kann die ,Solawi‘ jetzt einen Monat lang getestet werden kann“, sagt Frahm.

Aktuell vergibt die Hofgemeinschaft 85 Anteile direkt an Verbraucher, die sich durch einen monatlichen Betrag die wöchentliche Ausgabe von Lebensmitteln sichern. Dafür erhalten sie Gemüse, Brot, Eier, Milch, Käse, Joghurt, Quark, Fleisch und Obst direkt vom Hof und sorgen damit wiederum bei den Landwirten für ein konstantes Einkommen unabhängig von Weltmarktpreisen und Milchabsatz. „Vielen unserer Mitglieder ist es wichtig, dass die Produkte von unserem eigenen Hof kommen“, schildert Frahm. Wenn den Anteilsnehmern etwas fehlt, passt Frahm das Angebot aus seinem Gewächshaus an die Kundenwünsche an. „Weil es sich mehrere Mitglieder gewünscht hatten, haben wir die Auswahl an Kräutern erweitert und bauen jetzt unter anderem auch Wirsing an.“ Zudem könne durch eine größere Sortenvielfalt gleichzeitig auch das unternehmerische Risiko verringert werden. Über das System der solidarischen Landwirtschaft könne er dieses Wissen auch direkt an den Verbraucher weitergeben. „Im Supermarkt oder auf dem Markt bin ich darauf angewiesen, dass die Ware einheitlich aussieht und durch das gewohnte Bild zum Kauf anregt.“ In der solidarischen Landwirtschaft jedoch könne er als Landwirt erklären, warum das Aussehen von Tomate, Zucchini und Co. von der Norm abweiche. Und eine krumme Gurke vielleicht doch die bessere Gurke ist.


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