Fortbildung für Arbeitslose Ganderkeseer Schulungszentrum droht virtuelle Konkurrenz

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Einen Teelichthalter in Sternschnuppenform ist eines der Übungsstücke, die Stanislaw Gaier während seiner Schulung gefertigt hat. Foto: Vincent BußEinen Teelichthalter in Sternschnuppenform ist eines der Übungsstücke, die Stanislaw Gaier während seiner Schulung gefertigt hat. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. Arbeitslose zurück in das Berufsleben bringen will das CNC-Fit-Schulungszentrum in Ganderkesee. Doch es droht virtuelle Konkurrenz.

Mit der großen Maschine kann Stanislaw Gaier bereits akkurate Feinarbeit durchführen. Zum Beispiel einen Teelichthalter in Sternschnuppenform fertigen. Seit Juni lässt er sich am CNC-Fit-Schulungszentrum in Ganderkesee zum CNC-Fachkraftspezialisten weiterbilden. Also zu jemandem, der Werkzeugmaschinen programmieren und bedienen kann. „Mir fehlten diese Kenntnisse“, erklärt der 34-Jährige. Nun holt er sie nach.

Die meisten, die sich am Schulungszentrum weiterbilden lassen, waren laut Kursleiter Andreas van Lent vorher arbeitslos. In der Regel kommen sie aus handwerklichen Berufen. Durch die Fortbildung sollen sie wieder fit für den Arbeitsmarkt werden. CNC, also die elektronische Steuerung von Maschinen, werde immer wichtiger und moderner in den Firmen, erklärt van Lent.

Was die Teilnehmer lernen

Acht bis zehn Monate dauert die Schulung in Vollzeit. Dazu gehört Theorie, vor allem das Programmieren in vier Programmiersprachen. „Das sind Unterschiede wie zwischen Chinesisch und Englisch“, erklärt Rudolf Redenius, Inhaber des Schulungszentrums. Insgesamt rund 2000 Seiten Lernstoff gibt es ihm zufolge.

An Computern probieren sich die Teilnehmer an der Maschinensteuerung aus, bevor es an die echten Geräte geht, die in einer Halle direkt neben dem Schulungsraum stehen. Die praktische Arbeit an den Maschinen ist laut Redenius besonders wichtig.

So bedroht das Internet das Schulungszentrum

Trotz des Angebots werden momentan nur sechs Menschen geschult. Redenius erklärt das mit der Konkurrenz aus dem Internet. Jobcenter und Arbeitsamt würden virtuelle Kurse empfehlen, vor allem weil diese kürzer seien. Außerdem fielen die Kosten für Fahrtwege weg. „Manche dürfen nicht zu uns kommen, weil sie zu weit entfernt wohnen“, berichtet Redenius. Doch die Kurse im Web können ihm zufolge eben nicht das Maß an Praxiserfahrung bringen wie seine Schulungen.

Redenius wünscht sich ein Umdenken in Jobcentern und Arbeitsagenturen. Das hat auch finanzielle Gründe. „Wir brauchen mehr Teilnehmer, um die neuen Maschinen abzubezahlen.“ Eine davon könne so viel kosten wie ein Eigenheim.

Bundestagsabgeordneter äußert sich

Der Bundestagsabgeordnete Christian Dürr zeigt Verständnis, als er am Donnerstag, 6. Dezember, zusammen mit der FDP-Gemeinderatsfraktion das Schulungszentrum besucht. „Die Wirtschaft sucht solche Fachkräfte händeringend.“ Sein Vorschlag: „Die, die eine sehr gute Vermittlungsquote haben, müssen bevorzugt werden.“

Und laut van Lent finden 95 Prozent der Absolventen des Schulungszentrums einen Job. Außerdem hätten bisher alle Teilnehmer bestanden. Auch Gaier ist optimistisch: „Nach der Schulung bin ich einsetzbar.“


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