Bis zum Skelett abgemagert Kater in Ganderkesee wie Müll am Straßenrand entsorgt

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Im Tierheim Bergedorf befreit Annemarie Stiewe den ausgemergelten Kater von Schmutz und Flöhen. Fotos: Bettina-Dogs-PrößlerIm Tierheim Bergedorf befreit Annemarie Stiewe den ausgemergelten Kater von Schmutz und Flöhen. Fotos: Bettina-Dogs-Prößler

Ganderkesee-Neuenlande. Wie illegaler Abfall wurde Kater „Loki“ in die Natur geschmissen. Eine Chance zum Überleben hatte er dabei nicht: Von seinen Besitzern wurde er in einen Transportkorb eingesperrt.

Entsorgt wie einen alten Autoreifen: Doch was eine aufmerksame Autofahrerin da am Montagnachmittag an der Sannauer Hellmer zufällig findet, ist kein Müll, der illegal in die Natur geschmissen wurde. Es ist ein Lebewesen. Ein Tier, das keine Chance gehabt hätte, wäre es nicht rechtzeitig gefunden worden. Eine bis aufs Skelett abgemagerte Katze, gefangen in ihrem eigenen Transportkorb.

Es ist kurz vor halb vier, als die Mutter aus Lemwerder den Katzenkorb am Straßenrand der Sannauer Hellmer durchs Schilf schimmern sieht. „Ich dachte zuerst, das ist wieder mal illegal entsorgter Müll, den hier jemand abgeladen hat.“ Dann schießt ihr ein Gedanke durch den Kopf, den sie eigentlich nicht für möglich gehalten hätte, und dreht um. „Eigentlich wollte ich mich nur davon überzeugen, wie absurd dieser Gedanke ist. Aber stattdessen saß in der Box tatsächlich noch eine Katze.“

Aus Todesfalle gerettet

Eine halbe Stunde später holen Annemarie Stiewe und Janika Gausmann im Tierheim Bergedorf einen völlig verängstigten Kater aus dem Käfig, der um ein Haar zu dessen Todesfalle geworden wäre. Bis auf die Knochen ist das Tier ausgezehrt, die Box mit Exkrementen übersät, das Fell triefend nass durch Urin und Kot. „Dass wir eine Katze erst einmal säubern müssen, kommt nur selten vor. In der Regel schaffen das die Tiere noch selbst“, sagt Janika Gausmann.

Eingesperrt in diesem Katzentransportkorb hatte der Kater eigentlich keine Chance, entdeckt zu werden oder zu überleben. Fotos: Bettina-Dogs-Prößler

Tier war tagelang eingesperrt

Offenbar war der Kater bereits über mehrere Tage in der Box seinem Schicksal überlassen worden. „Davon ist nach dem Zustand des Käfigs und der Katze auszugehen“, sagt Annemarie Stiewe. „Das allein wird aber nicht der Grund sein, dass sie so extrem abgemagert ist. Sie muss sich schon vorher in einem schlechten Ernährungszustand befunden haben“, schätzt Janika Gausmann. An Menschen ist der kleine Kater offenbar gewöhnt: Während Gausmann und Stiewe ihm den Schmutz vom ausgemergelten Körper waschen, hält er still und wehrt er sich nicht. Dass Tiere in Transportkäfigen oder auch anderen Behältnissen ausgesetzt werden, ist für die Mitarbeiterinnen des Tierheims Bergedorf nichts Ungewöhnliches. „Aber in der Regel dann an Orten, an denen sie schnell gefunden werden“, schildert Nadine Sprathoff. Vor dem Tierheim selbst oder einer Tierarztpraxis.

Tier nur zufällig entdeckt

„Aber noch nie so, dass sie nur per Zufall gefunden werden.“ Für die erfahrene Tierpflegerin ein sehr grausamer Akt menschlicher Verantwortungslosigkeit. „Wäre die Katze nicht entdeckt worden, sie hätte keine Chance gehabt.“

Denn auch bei Katzen führten bereits wenige Tage ohne Wasser zum Tod. Dazu würden häufig Tiere ausgesetzt, die durch Krankheiten bereits geschwächt seien und einer nasskalten Witterung nichts entgegenzusetzen hätten. Sprathoff: „Bevor sie verdursten, sterben sie schon an Lungenentzündung.“

Im Tierheim wird Loki aufgepäppelt

Für Kater „Loki“, wie die Fundkatze noch am Abend getauft wird, kommt die Hilfe offenbar rechtzeitig. Eine Lungenentzündung wird beim tierärztlichen Check nicht diagnostiziert, auch sonst scheint er keine gängigen Katzenkrankheiten zu haben. „Offenbar hat er nur schon eine ganze Weile zu wenig zu fressen bekommen und ist dementsprechend sehr schwach“, schildert Nadine Sprathoff. Die nächsten Wochen müsse „Loki“ nun erst mal wieder Muskulatur aufbauen. Und fressen. „Mehrere kleinere Portionen täglich. Um seinen Magen wieder an normale Mengen zu gewöhnen.“


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