Ehrenamtliche Arbeit Bürgerstiftung Ganderkesee stellt Forderungen an die Politik

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Ihre Wünsche an die Politik äußerten Mitglieder der Bürgerstiftung Ganderkesee. Foto: Vincent BußIhre Wünsche an die Politik äußerten Mitglieder der Bürgerstiftung Ganderkesee. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. In der ehrenamtlichen Arbeit gibt es nicht nur personelle Probleme. Diese Erfahrung macht auch die Bürgerstiftung Ganderkesee.

Ehrenamtliche Arbeit befindet sich im Wandel. „Bei Jung und Alt mangelt es an der Bereitschaft für langfristiges Engagement“, beobachtet Klaus Fuchs, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung. Deshalb konzentriert sich die Bürgerstiftung auf kürzere Projekte. „Anders als Vereine haben wir keine festen Mitglieder“, erklärt Fuchs.

Dass mangelnde Zeit Menschen von unbezahlter Tätigkeit abhalten kann, zeigt ein Blick auf die aktiven Ehrenamtlichen der Bürgerstiftung. „Die meisten sind gerade vom Beruf in die Rente gegangen“, berichtet Mitglied Astrid Fuchs. Daneben machen ihr zufolge Alleinstehende einen größeren Teil der Ehrenamtlichen aus. „Gerade für Familien mit Kindern ist es schwierig, ehrenamtlich aktiv zu sein“, vermutet Fuchs. Und noch etwas fällt ihr auf: „Für die Arbeit im Vorstand und im Stiftungsrat finden sich weniger Freiwillige.“ Viele schrecke die größere Verantwortung ab, die mit diesen Aufgaben verbunden sei.

Umgang mit Flüchtlingsthematik sorgte für Streit

Angesichts der Vielzahl möglicher Projekte, hat sich die Bürgerstiftung laut Klaus Fuchs auf bestimmte Bereiche konzentriert: ländliche Strukturen, Familienfreundlichkeit und Bildung. Seit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen im Jahr 2015 geht es im letzten Bereich auch um Flüchtlinge. „Das wirbelte die Bürgerstiftung durcheinander“, erinnert sich Fuchs. „Manche wollten danach nicht mehr mitmachen.“

Um ehrenamtliche Arbeit überhaupt erst einmal zu organisieren, gibt es laut Vorstandsmitglied Hans Calame große Hürden: Es sei schlichtweg zu kompliziert. „Leute können alleine keine Stiftungen gründen oder organisieren.“ Etwa wegen datenschutzrechtlicher Vorlagen. Deswegen müssten sich Stiftungen oft professionelle Hilfe einkaufen.

Grotelüschen macht Vorschläge

Bundestagsmitglied Astrid Grotelüschen, die sich am internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember mit Mitgliedern der Bürgerstiftung trifft, stimmt zu. Für Berater müsse Geld investiert werden, dass eigentlich in die Projekte selbst fließen sollte. Die CDU-Politikern ist der Ansicht, dass die Digitalisierung die Organisation vereinfachen könnte. Sie spricht sich noch für weitere Änderungen aus. „Anerkennung und Wertschätzung sind als Lohn nicht finanziell zu bemessen“, erklärt sie. Trotzdem müsse aber auch über andere Anreize nachgedacht werden: zum Beispiel Rabatte oder Nachweise. Letztere insbesondere für ehrenamtlich tätige Jugendliche, die diese für Bewerbungen nutzen könnten.

Denn gerade der Nachwuchs sei wichtig. Grotelüschen zufolge sind in Deutschland 27.000 Menschen in Stiftungen aktiv, 5000 davon in leitenden Positionen. „Der Staat wird das Ehrenamt nie finanziell oder organisatorisch ersetzen können“, glaubt die Bundestagsabgeordnete. Auch der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Hans-Georg Zechel, betont, dass Bürger durch die ehrenamtliche Arbeit in Stiftungen ihr Leben selbst organisierten. „Bürgersinn“ nennt er das.


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