Gericht: Verhalten ist verwerflich Polizist in Neerstedt bei Randale im Zellentrakt verletzt

Von Ole Rosenbohm

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Warum geriet ein Neerstedter derart außer Kontrolle, dass er zwei Beamte verletzt hat? Die Antwort darauf hat das Amtsgericht Wildeshausen gesucht. Symbolfoto: Uli Deck/dpaWarum geriet ein Neerstedter derart außer Kontrolle, dass er zwei Beamte verletzt hat? Die Antwort darauf hat das Amtsgericht Wildeshausen gesucht. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Wildeshausen/Neerstedt. Warum geriet ein Neerstedter derart außer Kontrolle, dass er zwei Beamte angegriffen hat?

Die Antwort darauf hat das Amtsgericht Wildeshausen beschäftig – auch bei der Bemessung des Urteils.

Mit Randale im Zellentrakt hatten die Polizeibeamten eigentlich nicht mehr gerechnet. Denn der Mann aus Neerstedt hatte sich in der Ausnüchterungszelle doch erst kooperativ verhalten.

Häftling nimmt Kampfposition ein

Aber dann knallte es: Nach einem Toilettengang verlangte der kurzzeitig Inhaftierte plötzlich seine Freilassung, stellte sich in Kampfposition, schlug mit Fäusten auf die beiden ihn begleitenden Polizisten ein und trat um sich.

Ein Beamter erlitt in dieser vergangenen Juni-Nacht Schürfwunden, einem anderen wurde das Hemd zerrissen. Am Ende mussten sie zu viert den außer Kontrolle geratenen 31-Jährigen auf den Boden drücken, setzten Faustschläge und einen „Nasenhebelgriff“ ein. „Schmerzreize setzen“ heißt das im Polizeijargon. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurde der Mann jetzt vom Amtsgericht Wildeshausen zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Verwerflich fand die Richterin besonders, dass der Angeklagte selbst die Polizei nach Neerstedt gerufen hatte, sich absprachegemäß in die Ausnüchterungszelle nach Wildeshausen bringen ließ, dort aber dann die Randale begonnen hatte.

Mit 1,89 Promille Alkohol im Blut

Ursprünglich hatte sich der in der Nacht mit 1,89 Promille Alkohol im Blut stark betrunkene aber noch klar wirkende Mann in die Klinik einweisen lassen wollen. Wegen Suizidgefahr: Er könne sich selbst oder anderen etwas antun, hatte er per über die 110 der Leitstelle berichtet.

Auch dem Angeklagten scheint mittlerweile sein Alkoholproblem bewusst zu sein. Vier Vorverurteilungen sammelte er bereits wegen Körperverletzungen oder Widerstand – alle Taten begangen als Betrunkener. Und nur zwei Wochen nach dem Vorfall verbrachte er erneut eine Nacht in der Zelle. Er strebe jetzt eine stationäre Alkohol-Entzugstherapie an, berichtete der Angeklagte: „Ich will mein Leben wieder in den Griff bekommen, selbstbewusster durchs Leben gehen.“

Die Richterin griff das in ihrem Urteil auf und legte dem Angeklagten neben der Bewährungsstrafe Auflagen auf, die ihn bei diesem Weg unterstützen könnten.

Fünf Gesprächstermine bei der Diakonie zu seinem Suchtverhalten muss er wahrnehmen, bekommt zudem einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt und muss die Therapie unbedingt durchziehen.

Schafft er das nicht, droht ihm Knast. „Anders kommen wir bei Ihnen nicht mehr weiter“, sagte die Richterin. Bei den Polizisten entschuldigte sich der Mann.


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