Inklusionspreis vergeben Belohnung für mehr Miteinander

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Sieger des Abends: Drei inklusive Projekte gewannen den Inklusionspreis 2018 – links oben die Kreis-Behindertenbeauftragte Rita Rockel. Foto: Ole RosenbohmDie Sieger des Abends: Drei inklusive Projekte gewannen den Inklusionspreis 2018 – links oben die Kreis-Behindertenbeauftragte Rita Rockel. Foto: Ole Rosenbohm

Wildeshausen Ein Sportverein, ein Betrieb und ein Garten-Projekt sind mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet worden. Die Zahl der Bewerbungen ist in diesem Jahr allerdings deutlich zurückgegangen.

Das Miteinanderleben von Behinderten und Nichtbehinderten fördern, will der Landkreis Oldenburg mit dem Inklusionspreis. Donnerstagabend wurde er zum zweiten Mal verliehen. 333 Euro, Urkunde und Skulptur gab es für die TSG Hatten-Sandkrug, für den Huder Lohnbetrieb Holger Blankemeyer und für die Wildeshauser Freiwilligenagentur „mischMIT“.

Bei der Feier im Kreishaus in Wildeshausen wiesen mehrere Redner darauf hin, dass es normal sein müsste, wenn Behinderte und Nichtbehinderte ihre Zeit miteinander verbringen. Immerhin haben die Vereinten Nationen (UN) die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben – kurz Inklusion – in ihrer auch von Deutschland unterzeichneten Behindertenrechtskonvention als Menschenrecht deklariert. Aber: Menschen mit Behinderungen sind noch lange nicht bei einer gleichberechtigten Teilhabe angekommen, was die Kreistagsabgeordnete Hannelore Hunter-Roßmann (SPD) anhand der aktuellen Arbeitslosenstatistik nachwies: Im Bund steht die Quote bei 4,8 Prozent, bei Menschen mit Behinderungen sind es 12,4.

Rollstuhlhandball-Schnuppertraining

Der Lohnbetrieb Holger Blankemeyer stellt bewusst auch Beeinträchtigte ein. Mit einem Arbeitnehmer mit nur einem Bein begann es 2012, jetzt ist ein Hörgeschädigter dazugekommen. „Der Erfolg gibt Ihnen Recht“, sagte die Laudatorin. Beim gemeinsamen Essen müsse nun halt lauter geredet werden.

Miteinander läuft auch viel bei der TSG Hatten-Sandkrug: Für Sonntag, 16. Dezember, 10 bis 12 Uhr, lädt der Verein zum Rollstuhlhandball-Schnuppertraining ein – für Kinder und Erwachsene, ob Läufer oder Fahrer. Auch im Programm: gemeinsames Krafttraining, Taekwondo, Schwimmen, Fußball, Ballspiele. Ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion: Nicht der Einzelne muss sich anpassen, der Verein sorgt dafür, dass alle am Angebot teilnehmen können. Auch bei Fortbildungen zum Thema ist der Klub aktiv.

Bei „Natürlich gemeinsam“ bringt sich auch jeder ein, wie er kann. Vom geernteten Gemüse profitiert die Diakonie Himmelsthür. Das Projekt sei ein Symbol der Vielfältigkeit, hieß es bei der Feier.

Singen, Kelgeln, Kochen

Die wurde begleitet vom inklusiven, 15-köpfigen Chor „Töne soanders“ der Lebenshilfe Delmenhorst – auch so ein Projekt, das Menschen und Aktivitäten verbindet: neben Singen auch mal Kegeln, ein Ausflug oder Kochen. Am Ende sang der ganze Saal. Alle zwei Wochen montagabends um 18 Uhr trifft sich der Chor im Hotel Zur Wasserburg oder in der Begegnungsstätte Harpstedt. Der Chor kann auch zu Feiern eingeladen werden.

Das alles seien „bemerkenswerte inklusive Ansätze“, fand Landrat Carsten Harings, lobte – wie andere – auch die übrigen Bewerbungen. Dazu gehört ein gemeinsamer Unterricht der Grundschule Dürerstraße mit der Förderschule Kathenkamp (Ganderkesee).

Offen blieb die Frage nach der Zukunft des Preises. Nur zehn Projekte gaben Bewerbungen ab, neun weniger als beim ersten Mal vergangenes Jahr. Akut gefährdet ist der Preis erstmal nur, wenn gar keine Bewerbungen mehr eingehen, sagte die Behindertenbeauftragte Rita Rockel und wies auf einen Kreistagsbeschluss zur jährlichen Vergabe hin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN