Hilfe in Stenumer Fachklinik Ärzte operieren Emsländerin zerbröselte Plastikteile aus Wirbelsäule

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Aus der Wirbelsäule von Melanie Schmitz wurden – wie sie auf dem Foto zeigt – mehrere zerbröselte Plastikteile entfernt. Insgesamt kamen 70 Patienten aus Leer in die Stenumer Fachklinik von Dr. Jan Spiller (links) und Dr. Karsten Ritter-Lang, um sich nachoperieren zu lassen. Foto: Thomas DeekenAus der Wirbelsäule von Melanie Schmitz wurden – wie sie auf dem Foto zeigt – mehrere zerbröselte Plastikteile entfernt. Insgesamt kamen 70 Patienten aus Leer in die Stenumer Fachklinik von Dr. Jan Spiller (links) und Dr. Karsten Ritter-Lang, um sich nachoperieren zu lassen. Foto: Thomas Deeken

Stenum. Jahrelang hat Melanie Schmitz aus der Nähe von Papenburg nach Operationen über starke Rückenschmerzen geklagt. Hilfe gab es für sie in der Fachklinik in Stenum.

„Mir geht es wesentlich besser als nach den drei Operationen im Klinikum Leer. Und ich bin froh, dass ich nicht mehr die starken Schmerzen habe.“ Das hat Melanie Schmitz aus Neurhede in der Nähe von Papenburg am Mittwoch in der Fachklinik für Orthopädie in Stenum betont. Die 33-Jährige gehört zu insgesamt 114 Patienten, denen vor vielen Jahren im Leeraner Krankenhaus ein Implantat in der Wirbelsäule eingesetzt wurde, das sich als fehlerhaft erwiesen hat und im Körper nach und nach zerbröselte. Jetzt gab es für die Emsländerin und bislang 69 anderen Patienten in Stenum eine erfolgreiche Nachoperation.

Vertrauen, um Körper wieder aufzubauen

„Ich glaube, dass eine vollständige Erholung möglich ist“, sagte Klinikleiter Dr. Jan Spiller. Das könne aber durchaus noch längere Zeit dauern. Und Dr. Karsten Ritter-Lang, ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses, ergänzte, dass Patienten ihr extrem vorsichtiges und teilweise ängstliches Verhalten, das sich in den vielen Jahren verfestigt habe, mit einer Operation nicht gleich ablegten. Man brauche das Vertrauen, um den Körper wieder aufzubauen.

Drei Operationen in Leer

Melanie Schmitz, inzwischen auch junge Mutter, hatte eigenen Angaben zufolge 2010 über starke Rückenschmerzen geklagt und sich untersuchen lassen. Nach ersten erfolglosen Behandlungen entschieden sich die Ärzte zur Kernspinntomografie. Das Ergebnis: Bandscheibenvorfall. Der sollte zunächst zwar noch ohne OP behandelt werden. Weil die Schmerzen aber nicht nachließen, sollte sie 2013 dann doch operiert werden. Es folgten eine OP und dann noch eine, weil es nicht besser wurde. Und danach sogar noch eine Versteifung der Wirbelsäule. Die Schmerzen aber blieben. Weitere Hilfe gab es nicht.

Implantat aus Kunststoff 2009 zugelassen

Wie vielen anderen Rückenpatienten im Klinikum Leer wurde der 33-Jährigen ein Implantat eines englischen Start-up-Unternehmens eingesetzt, das nach Angaben Ritter-Langs komplett aus Kunststoff war und 2009 zugelassen wurde. Die Firma habe auch mit ihm über diese Prothesen gesprochen, informierte der ärztliche Direktor. „Ich war aber von Anfang an skeptisch wegen der ungewöhnlichen Oberfläche. Ich hätte das Implantat nie bei meinen Patienten eingesetzt.“ Der Grund: Kunststoff könne nicht am Knochen anwachsen. In Stenum werde dagegen Titan bevorzugt. Das hätten sie sich von den Zahnärzten abgeschaut, die ebenfalls Titan im Kieferbereich einsetzen. In Leer aber hatte ein Arzt keine Bedenken, die Implantate zu verwenden.

2014 wegen hoher Versagerquote vom Markt genommen

2014 war die Prothese nach Angaben des ärztlichen Direktors in Stenum dann wegen einer hohen Versagerquote vom Markt genommen worden. „Ein Jahr später eskalierte die Situation in Leer“, so Ritter-Lang. Es folgte ein Hilferuf seitens der Leitung. Und so startete im Herbst 2015 eine Welle von sogenannten Revisions-Operationen in Stenum – vor allem deshalb, weil Patienten von anderen Krankenhäusern in Oldenburg und Bremen abgewiesen worden seien, erläuterte Spiller. Es sei nicht so gewesen, dass man sich um die Patienten gerissen habe. Es habe allerdings aufgrund der großen Erfahrung in Stenum gepasst, so der Klinikleiter, der darauf hinwies, dass es in allen Fällen nicht um die medizinischen Verfahren, sondern ausschließlich um die Materialien gegangen sei.

Patientin will ebenfalls Leeraner Arzt verklagen

Wenn ich noch einmal operiert werden sollte, dann nur noch hier.

Am Donnerstag wird Melanie Schmitz, der die zerbröselten Plastikteile am 4. Oktober entfernt wurden und die ein neues, erfolgreich getestetes Implantat erhielt, aus dem Krankenhaus entlassen, um anschließend in eine mehrwöchige Reha zu gehen. Kommentar der 33-Jährigen, die zu den zahlreichen Patienten gehört, die den damaligen Arzt verklagen wollen: „Wenn ich noch einmal operiert werden sollte, dann nur noch hier.“


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