Vortrag über Grundwasserbelastung Nitrat-Grenzwerte im Kreis Oldenburg um das Sechsfache gesprengt

Von Ole Rosenbohm

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Die Untere Naturschutzbehörde sieht die Landwirtschaft als Hauptverursacher für die hohen Nitratwerte im Grundwasser. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpaDie Untere Naturschutzbehörde sieht die Landwirtschaft als Hauptverursacher für die hohen Nitratwerte im Grundwasser. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Grüppenbühren. Die Untere Wasserbehörde schlägt Alarm: Sie verwies bei einer Vortragsveranstaltung in Grüppenbühren auf zu hohe Nitratwerte im Grundwasser. Die beiden Referenten stellten die Ergebnisse nach den jüngsten Brunnenuntersuchungen vor.

Hauptverursacher für das mit krebserregendem Nitrat verunreinigte Grundwasser ist die Landwirtschaft. Das haben Jutta Benken und Gerrit Finke von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Oldenburg bei einer Vortragsveranstaltung des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Delmenhorst betont. Sie referierten im Gasthaus Zur Linde in Grüppenbühren über Brunnenproblematik und Grundwasserbelastungen. Dabei verwiesen sie auf erneut hohe Werte.

Neue Untersuchungsergebnisse

Benken und Finke präsentierten die neuesten Werte aus den seit 2013 vorgenommenen Untersuchungen. Nicht mehr aus sechs Brunnen wie 2009 – damals hätten Skeptiker noch Einzelfälle angenommen – , sondern aus 56 Brunnen im gesamten Landkreis habe die Behörde Proben genommen – immer von der Oberfläche des Grundwasserspiegels, immer im Frühjahr, immer unter Laborbedingungen. Ergebnis im Mittel: Die meisten Messungen liegen nach Angaben der Referenten meist weit oberhalb des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter. 2017 und 2018 seien es jeweils 30 von 56. Mancher Brunnen habe einen Wert von unter eins, ein anderer sprenge den Grenzwert um das Sechsfache. Allerdings würden die Werte stark schwanken. Wer es genauer wissen möchte: Die Zahlen befinden sich auch auf der Internetseite des Landkreises unter www.oldenburg-kreis.de (dann über Umwelt/Abfall navigieren).

Es drohen Strafzahlungen

Den beiden Landkreismitarbeitern ging es zunächst darum, eine solide Diskussionsgrundlage zu präsentieren. „Wir sind die Boten“, sagte Finke. Er weiß aber: „Wenn die Werte nicht weiter runtergehen, drohen Strafzahlungen.“ Denn die EU verlange eine „Trendumkehr“, und die sei nicht in Sicht.

Verschärfung der Düngeverordnung

Der Landwirtschaft drohe eine erneute Verschärfung der Düngeverordnung. Und das, obwohl sich die Bauern in der großen Mehrzahl ans Düngerecht halten würden, erklärten die Experten und verwiesen auf Untersuchungen. Modellrechnungen aber zeigten, dass das nicht reiche für eine Trendumkehr, mahnte Benke eine Änderung im Düngeplan an. Gülle komme im Landkreis von 77.000 Rindern, 460.000 Schweinen und neun Millionen Geflügelplätzen. Viel davon lande auf den zahlreichen düngerintensiven Maisfeldern.

Kreis geht jetzt auf Ursachenforschung

Der Landkreis geht nach Angaben der Referenten nun auf Ursachenforschung, untersucht Böden und Wasser von ausgewählten Brunnen genauer. Anfang 2019 sollen Zahlen dazu im Umweltausschuss präsentiert werden. Schon jetzt sei deutlich: Mit so viel Gülle auf den Feldern gehe es nicht weiter. Kommentar eines Ehemaligen bei der Vortragsveranstaltung: „Aber ohne Nährstoffe kann sich keine Pflanze entwickeln.“

Mehr zum Thema Nitratbelastung des Grundwassers im Landkreis Oldenburg lesen Sie hier.


Extrem hoher Wert in Ganderkeseer Brunnen

Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat auch der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die bei einer Infoveranstaltung am 25. September in Ganderkesee abgegeben wurden. In jeder vierten untersuchten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen. Das hat Harald Gülzow, Projektleiter aus dem Raum Ganderkesee-Delmenhorst, mitgeteilt, der eigenen Angaben zufolge insgesamt 40 Wasserproben für die Untersuchung angenommen hatte.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen 251 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Ganderkesee. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer in Bergedorf mit 58 Milligramm pro Liter (mg/l), in Immer mit 65 mg/l und in Groß Ippener mit 79 mg/l fest. Das Wasser ist laut Gülzow wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet.

Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft, erklärte Gülzow weiter. Diese habe sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausgebreitet. Gleichzeitig habe die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum wachsen können. Hier müssten vor allem die Verpächter handeln. Der VSR-Gewässerschutz rät Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. ken

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