Untersuchung zum Tierwohl in Stenum Sind Kühe auf der Weide automatisch glücklicher?

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Sind Kühe, die auf die Weide dürfen, tatsächlich besser dran? Forscher der Universität Göttingen haben das jetzt untersucht. Foto: Holger Hollemann/dpaSind Kühe, die auf die Weide dürfen, tatsächlich besser dran? Forscher der Universität Göttingen haben das jetzt untersucht. Foto: Holger Hollemann/dpa

Stenum. Sind Kühe, die auf die Weide dürfen, tatsächlich besser dran? Nicht unbedingt, wie ein Pilotprojekt des Grünlandzentrums Niedersachsen-Bremen und der Universität Göttingen ergeben hat. Die Ergebnisse wurden jetzt in Stenum vorgestellt.

Wenn Kühe selbst entscheiden könnten: Sie würden die meiste Zeit ihres Tages auf der Weide verbringen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sie sich im Stall unwohler fühlen. „Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass es immer eine Frage der individuellen Haltungsbedingungen ist“, schilderte Dr. Linda Armbrecht Georg-August-Universität Göttingen im Stenumer Gasthaus Backenköhler.

Hierhin hatte das Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen eingeladen, um den Abschluss eines bislang einmaligen Projektes vorzustellen: Unter dem Titel „Systemanalyse Milch“ hatten zum ersten Mal Wissenschaft und Landwirtschaft miteinander zusammengearbeitet, um auf breiter Ebene die Auswirkungen verschiedener Halteformen von Milchkühen unter die Lupe zu nehmen.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (rechts) stößt in Stenum mit einem Glas Milch auf die Forschungsergebnisse an. Foto: Bettina Dogs-Prößler

„Ein Fazit ist, dass jedes Haltesystem seine Stärken und Schwächen hat“, resümierte Projektkoordinator Jendrik Holthusen vom Grünlandzentrum. Fünf Jahre lang hatten Wissenschaftler der Universität Göttingen anhand von 60 landwirtschaftlichen Betrieben unter anderem untersucht, wie sich Weide- und Stallhaltung auf Wohlbefinden, Milchleistung und Krankheiten auswirken.

Auf der Weide gibt esweniger Verletzungen

„Weidehaltung ist die bei der Gesellschaft beliebteste Haltungsform in Deutschland“, erklärte Dr. Karsten Padeken, Vorstandsvorsitzender des Grünlandzentrums. Eine mit hinlänglichen Vorzügen. „Im Bereich Verletzungen macht es die Weidehaltung deutlich einfacher, das Tierwohl zu erzeugen“, zeigte Wissenschaftlerin Armbrecht auf. Kühe, die den Großteil des Tages auf der Weide verbrächten, hätten weniger Abschürfungen, Lahmheiten und Schwellungen, zudem hätten sie auch weniger mit Klauenerkrankungen zu kämpfen. Allerdings sei die Milchleistung von Kühen, die täglich mehr als sechs Stunden auf der Weide stünden, um einiges geringer als von Kühen, die ausschließlich im Stall gehalten würden. Analysiert wurden in dem Projekt niedersächsische Höfe mit ganztägiger Weidehaltung, Weidehaltung mit sechs bis zehn Stunden Weidegang täglich, mit maximal sechs Stunden Weidegang täglich und reiner Stallhaltung.

Mensch-Tier-Beziehung bei Stallhaltung besser

„Sowohl im Bereich der Krankheiten, im Sozialverhalten untereinander und dem emotionalen Zustand der Kuh gibt es keinen Unterschied von Weide- zu Stallhaltung“, referierte Armbrecht. In der Kategorie „Mensch-Tier-Beziehung“ hätten die Kühe, die ausschließlich im Stall untergebracht sind, hingegen besser abgeschnitten. „Dazu sind sie im Stall kontinuierlicher mit Futter versorgt und müssen keine Hunger- oder Durstphasen überbrücken.“

Insgesamt kam die Wissenschaftlerin zu dem Ergebnis: „Weidehaltung ist nicht ausschlaggebend für das Tierwohl. Wichtiger ist die Ausstattung der Ställe hinsichtlich Platz und Liegekomfort sowie das Management mit den Bedingungen.“

Finanziell unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. „Dieses Projekt hat belegt, dass Grünland einen Wert hat, nicht nur als Kulturlandschaft, sondern auch als Grundlage in der Bewirtschaftung“, meinte Wissenschaftsminister Björn Thümler. Darüber hinaus habe es dazu beigetragen, dass Wissenschaft und Landwirtschaft jetzt direkt miteinander kommunizieren könnten. „Ohne, dass dazwischen jemand stört.“


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