Kleine und günstige Wohnungen Bei sozialem Wohnungsbau in Ganderkesee immer noch am Anfang

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Auf der Köhlerwiese in Ganderkesee wird derzeit ein Part des Wohnraumversorgungskonzepts umgesetzt. Dort entstehen rund 100 Mietwohnungen. Foto: Thorsten KonkelAuf der Köhlerwiese in Ganderkesee wird derzeit ein Part des Wohnraumversorgungskonzepts umgesetzt. Dort entstehen rund 100 Mietwohnungen. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Der soziale Wohnbau in der Gemeinde Ganderkesee kommt noch nicht so recht in Fahrt. Bis 2020 gibt es dem Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises zufolge einen Bedarf von 83 sozial geförderten Wohnungen mit Mietobergrenze.

Bei kleineren Mietwohnungen wie zum Beispiel auf der Köhlerwiese im Ort Ganderkesee sei schon einiges erreicht worden. „Dagegen stehen wir bei sozial geförderten Wohnungen noch am Anfang“, sagt Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung, zur derzeitigen Wohnraumsituation in der Gemeinde Ganderkesee. Die Lage sei nicht ganz einfach. „Wir sind aber ganz zuversichtlich“, so Meyer, der sich mit dieser optimistischen Haltung auf das Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises Oldenburg bezieht. Danach gibt es in der Gemeinde bis 2020 einen Wohnraumbedarf von 430 Wohnungen, davon 83 Sozialwohnungen – Wohnungen im sozial geförderten Wohnungsbau mit Mietobergrenze.

Deutlich unter dem Marktpreis?

Die Gemeinde habe in mehreren Neubaugebieten vertraglich Vereinbarungen getroffen, Grundstücke für den sozial geförderten Wohnungsbau freizuhalten und Investoren für günstige Mietwohnungen zu gewinnen. Das ist laut Meyer in den Baugebieten südlich Oldenburger Straße und westlich Brüninger Weg so geplant und auch in Altengraben, Schierbrok und Heide so vorgesehen. Das Problem dabei: Die Grundstückspreise müssten deutlich unter dem Marktpreis liegen, damit sich wirtschaftlich rechnende Investoren mit dem Gedanken anfreunden können, auch sozial geförderte Wohnungen bauen zu wollen. Das wird aber knifflig, wenn der Marktpreis – wie im Gebiet südlich der Oldenburger Straße – bei über 200 Euro liegt. Dort sei der Grundstückspreis für Flächen, die für den sozialen Wohnungsbau gedacht sind, zwar auch deutlich unter dem Marktpreis, so Meyer, ohne genaue Zahlen zu nennen. Trotzdem sind die Grundstücke auf dem Vermarktungsplan der Firma Schüttke-Haus-Bau nach wie vor weiß und damit frei.

Brakmann: Gemeinde muss selbst Verantwortung übernehmen“

Werner Brakmann, Vorsitzender der SPD-Fraktion, sieht Probleme bei der Realisierung von Wohnungen für Menschen mit kleinem Geldbeutel und Berechtigungsschein. Bei Grundstückspreisen von über 100 Euro pro Quadratmeter sei sozialer Wohnungsbau nicht mehr möglich, zitiert er die Bau- und Wohngesellschaft GSG Oldenburg, die laut Fachbereichsleiter Meyer auch Interesse hat, in der Gemeinde zu bauen. Und sollte nach zwei Jahren kein Investor gefunden werden, dürfen die Flächen wieder auf dem freien Markt angeboten werden, so Brakmann. Sein Vorschlag: Die Gemeinde müsse selbst Verantwortung übernehmen und selbst vermarkten. Nur dadurch sei gewährleistet, dass die Preise niedrig gehalten werden, um später günstige Wohnungen anbieten zu können. Im Übrigen erwarte er von Meyer noch aktuelle Informationen zu diesem Thema.

Infos im Ausschuss für Gemeindeentwicklung

Die will der Fachbereichsleiter am Donnerstag, 22. November, im Ausschuss für Gemeindeentwicklung geben. Dabei wird er sicher auch über den geplanten Kauf eines Grundstücks in Heide informieren.

Wessel: Auf eigenen Flächen selbst bauen

Ähnlich wie Brakmann sieht es Ralf Wessel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU. Die Gemeinde verfüge über eigene Flächen. „Dort würden wir gerne sehen, dass die Gemeinde in eigener Regie baut. Dazu werden wir auch Anträge stellen“, so Wessel. Im Übrigen werde in der Gemeinde bereits sehr viel getan. Er könne zwar die Situation bei den sozial geförderten Wohnungen noch nicht genau einschätzen. Insgesamt sei man aber, was den Bau von kleineren und bezahlbaren Wohnungen betrifft, auf einem guten Weg. Dabei müsse die Gemeinde stets eine behutsame Weiterentwicklung und die Infrastruktur mit Straßen, Kita und Schulen im Blick behalten.

Was ist bezahlbarer Wohnraum?

Nach wie vor wird allerdings noch darüber diskutiert, was genau unter bezahlbarem Wohnraum zu verstehen ist. Bei älteren Wohnungen liegt die Miete laut Wessel bei sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter. Beim neuen Mehrfamilienhaus des Bauvereins Delmenhors t auf der Köhlerwiese werde der Quadratmeterpreis dagegen „im Mittel bei 8,50 Euro liegen“, informierte Bauvereins-Vorstand Reiner Fulst beim Richtfest.

Grüne für Gemeinde-Aktivität

Für Dr. Volker Schulz-Berendt, Fraktionschef der Grünen, fallen acht bis neun Euro allerdings nicht in die Rubrik „bezahlbar“. Es gebe schließlich auch Menschen, die keinen Berechtigungsschein haben und derartige Preise nicht zahlen können. Einzige Möglichkeit für ihn: Die Kommune müsse es selbst machen, um niedrige Mieten zu garantieren. „Das kann die Gemeinde auch. Sie gibt ja schließlich auch viel Geld für andere Projekte wie Freibad und Kita aus. Dann müsste es für Wohnungen auch gehen“, so Schulz-Berendt.

Bund und Land sollen Anreize für Investoren schaffen

Für Marion Daniel, Fraktionsvorsitzende der FDP, sind Bund und Land gefragt, für Investoren beispielsweise Steueranreize zu schaffen, um günstige Wohnungen bauen zu können. Ein Part des Wohnraumkonzepts mit rund 100 Mietwohnungen auf der Köhlerwiese sei bereits auf den Weg gebracht. Es gebe inzwischen auch Baugebiete mit kleineren Grundstücken für kleinere Häuser. Man dürfe allerdings nicht außer acht lassen, auch nach wie vor größere Flächen für größere Wohnungen bereit zu halten. Ganz wichtig aus Sicht der FDP: „Sozialer Wohnungsbau sollte unserer Meinung nach wegen der vorhandenen Infrastruktur in den zentralen Orten geschaffen werden und bitte nicht in jedem Baugebiet auf dem Lande.“


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