Zu wenige Helfer in Ganderkesee Engpass beim Ehrenamt gefährdet Hilfe für Bedürftige

Von Birgit Stamerjohanns

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Ganderkesee. In der Gemeinde sind freiwillige Helfer in allen Bereichen heiß begehrt – und werden immer knapper. Wer ein Ehrenamt übernimmt, hat oft viel Arbeit, kann aber auch eine Menge bewirken.

Werner Einemann verstaut im Regal, was nicht weggegangen ist. Tomaten, Chips, Konserven. Der Ganderkeseer ist seit rund zwei Jahren bei der Tafel aktiv, verteilt Lebensmittel an Bedürftige. 36 Kunden haben Einemann und seine Kolleginnen an diesem Tag bedient. Die Arbeit macht ihm Spaß: „Ich bin Rentner, die Leute sind sehr dankbar und freuen sich, wenn man hilft!“ Doch Helfer wie Werner Einemann gibt es zu wenig. „Viel zu wenige“, beklagt Walburga Bähre, Vorsitzende der Tafel Delmenhorst, die auch die Gemeinden Ganderkesee und Hude mitversorgt.

Am Ring in Ganderkesee arbeiten momentan fünf Ehrenamtliche, es fehlt an helfenden Händen bei der Essensverteilung, an Vertretungen, an Fahrern. Ein Wunder sei es, so die Vorsitzende, dass man die Versorgung der hilfebedürftigen Menschen noch zuverlässig gewährleisten könne.

Älteste Mitarbeiterin der Tafel ist 88 Jahre alt

Das Problem: Es kommen kaum neue Ehrenamtliche ins Tafel-Team. „Unsere älteste Mitarbeiterin ist 88 Jahre alt“, so Bähre. Jüngere Unterstützer können eine ehrenamtliche Tätigkeit oft nicht mit Arbeit und Familie vereinbaren. Eine Aufwandsentschädigung ist für die Helfer bei der Tafel auch nicht drin, da sich das Projekt ausschließlich durch Spenden finanziert.

Auch die Gemeinde Ganderkesee sucht immer nach Ehrenamtlichen. Momentan arbeiten im Freiwilligenforum unter anderem 23 Seniorenbegleiter, die Älteren bei Erledigungen helfen. „Da könnten gut noch einige dazukommen“, sagt Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Rund 50 Bürger engagieren sich laut Gemeinde in der Flüchtlingshilfe. In der Freiwilligen Feuerwehr sind 352 Mitglieder aktiv. „Generell sind jüngere Menschen eher für kürzere, projektbezogene Ämter zu gewinnen“, stellt Gruhn fest, „die älteren lassen sich leichter auch auf langfristige Ehrenämter ein.“

Überall ist die Personaldecke dünn

Zum Beispiel in den Sportvereinen der Gemeinde. Beim TSV Ganderkesee treiben rund 2000 Mitglieder Sport, und sie alle brauchen Trainer, Gruppenleiter oder Betreuer. Ob Fußball oder Kinderturnen – überall ist die Personaldecke dünn. „Im Fußball müsste man in den unteren Mannschaften eigentlich die Gruppen aufteilen, weil dort zu viele Kinder spielen“, so Birgit Dietrich von der Geschäftsstelle. Aber dafür fehlen die Trainer. Denn für sie bedeutet die Übernahme einer Mannschaft: ein- bis zweimal Training in der Woche, dazu kommen Turniere und Spiele an den Wochenenden. Das alles für eine geringe Aufwandsentschädigung. Oft stellen sich Eltern als Übungsleiter zur Verfügung, wenn der eigene Nachwuchs Handball oder Fußball spielt. „Eine Übungsleiterlizenz ist keine Voraussetzung, um eine Gruppe zu übernehmen“, so Birgit Dietrich. Viele Übungsleiter steigen erst einmal als Helfer ein. Wer mehr will, dem bezahlt der Verein die Übungsleiterausbildung. Dafür verpflichten sich die ehrenamtlichen Trainer, mindestens drei Jahre lang im Verein tätig zu sein.

Fast jeden Abend fürs Ehrenamt aktiv

Für Rainer Sievert aus Heide ist das Ehrenamt so eine Art Berufung. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises am Gymnasium Ganderkesee, Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Heide, stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Hoykenkamp und Pistolenwart im Schützenverein Schönemoor. Im Schnitt ist er jeden zweiten Abend in der Woche mit einem seiner Ehrenämter beschäftigt, oft bis tief in die Nacht. „Ich bin immer gefragt worden, ob ich noch ein Amt übernehmen könnte“, so der 56-Jährige, der auch einen Vollzeitjob hat. Nun setzt er sich dafür ein, dass Projekte an den Schulen angeschoben werden, sorgte beispielsweise für einen Naschgarten an der Grundschule und für neue Instrumente am Gymnasium. Rainer Sievert möchte sein ehrenamtliches Engagement trotz der vielen Arbeit nicht missen, denn: „Das Tolle daran ist, dass man Dinge vorantreiben und etwas bewirken kann“, so der Heider, „und wenn sich keiner engagiert, würde es viele schöne Sachen in Schulen und Vereinen nicht geben.“


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