IG BAU in Sorge um Arbeitsschutz Gewerkschaft: Bauboom und Zeitdruck schuld an Unfällen

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Zu den schwersten Baustellenunfällen der letzten Jahre in der Region zählt der Einsturz einer Betonwand samt Baugerüst im Jahr 2015 in Delmenhorst. Kurz vor Weihnachten waren dabei vier Bauarbeiter verletzt worden, zwei schwebten in Lebensgefahr.Archivfoto: Andreas NistlerZu den schwersten Baustellenunfällen der letzten Jahre in der Region zählt der Einsturz einer Betonwand samt Baugerüst im Jahr 2015 in Delmenhorst. Kurz vor Weihnachten waren dabei vier Bauarbeiter verletzt worden, zwei schwebten in Lebensgefahr.Archivfoto: Andreas Nistler

Landkreis Oldenburg. Bei Stress auf dem Bau kommt der Arbeitsschutz zu kurz, befürchtet die IG Bau und drängt auf mehr Kontrollen. Bei einem der schwersten Unfälle stürzte eine Betonwand in Delmenhorst auf vier Arbeiter.

Im anhaltenden Bauboom wirft die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) den Behörden mangelnde Aufsicht beim Arbeitsschutz vor: Im Landkreis Oldenburg würden die Verantwortlichen nur selten kontrollieren, ob Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. „Firmen müssen praktisch nur alle paar Jahre mit einer Kontrolle rechnen – wenn überhaupt“, beklagt die IG BAU-Bezirksvorsitzende Gabriele Knue.

Aufgrund der guten Baukonjunktur könne das Unfallrisiko sogar steigen, warnt die IG BAU Nordwest-Niedersachsen: „Volle Auftragsbücher und das Arbeiten unter Zeitdruck führen allzu oft dazu, dass auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird“, ist Knue überzeugt. Denn immer wieder beobachte sie, wie Bauarbeiter ungesichert auf Gerüsten balancierten. Und fehlender Sicherheitsabstand zu Baggern und Kränen erhöhe ebenfalls die Unfallgefahr.

Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufstocken

Die Gewerkschafterin fordert jetzt, das Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufzustocken. Denn, so die Sorge, viele Baufirmen hielten sich nur dann an das Gesetz, wenn sie mit Konsequenzen rechnen müssten, lautet der Vorwurf der Arbeitnehmervertreter. „Schließlich müssen die Beschäftigten in den Betrieben und auf den Baustellen im Landkreis Oldenburg das Gefühl haben, dass der Arbeitsschutz auch wirklich unter die Lupe genommen wird“, begründet die Gewerkschafterin ihre Forderung nach mehr Kontrollen.

Staatliche Gewerbeaufsicht kontert Vorwürfe

Den pauschalen Vorwurf von zu geringem Kontrolldruck will Uwe Rottmann, Leiter des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Oldenburg, nicht auf seiner Behörde sitzen lassen. Allerdings – veröffentlichungsfähige Statistiken über Kontrollen auf Landkreisebene gibt es nicht.

Allgemein gelte aber: „Die Häufigkeit unserer Besichtigungen ergibt sich unter anderem aus einer Kategorisierung des Betriebes, Schwerpunktaktionen und aktuellen Anlässen, zum Beispiel Arbeitsunfälle“, sagte er unserer Zeitung auf Nachfrage.

In Niedersachsen ist das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt neben dem Arbeitsschutz auch für Aufgaben des Umwelt- und Verbraucherschutzes in Betrieben zuständig. Landesweit verzeichneten die Inspekteure 2017 laut ihrem Jahresbericht auf Baustellen 3696 Beanstandungen. Was die reine Überwachung des Arbeitsschutzes betrifft, so wurden 34 Anzeigen gestellt und in 3493 Fällen wurde ein Bußgeld erhoben.

Landesweit 12900 Unfälle im letzten Jahr

Wie die Gesetzliche Unfallversicherung mitteilt, kam es 2017 auf niedersächsischen Baustellen zu rund 12.900 Arbeitsunfällen – fünf von ihnen endeten tödlich. Genauere Zahlen für den Landkreis Oldenburg liegen aber nicht vor.

Auch die Berufsgenossenschaften, die ebenfalls die Arbeitssicherheit kontrollieren, erheben nach Auskunft ihres Sprechers Thomas Lucks keine Unfallzahlen nach Städten oder Postleitzahlen.

Immerhin, so die IG BAU, habe die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in den letzten Jahren deutlich mehr Stellen für den Arbeitsschutz geschaffen.

Zu den schwersten Baustelleunfällen der letzten Jahre in der Region gehört zweifellos der Einsturz einer ganzen Betonwand samt Baugerüst 2015. Kurz vor Weihnachten waren damals auf einer Baustelle an der Oldenburger Straße in Delmenhorst vier Bauarbeiter verletzt worden, zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Die Verschalung hatte nach Angaben eines Gutachters nachgegeben und das Gerüst, auf dem die Arbeiter standen, mit sich gerissen.

Volle

Auftragsbücher und das Arbeiten unter Zeitdruck führen allzu oft dazu, dass auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird.

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