Taten auch im Landkreis Oldenburg Manchmal bis zu vier Einbrüche täglich an einem Ort

Von Ole Rosenbohm

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Vor dem Landgericht Oldenburg wird derzeit über eine lange Einbruchserie mit Taten im Landkreis Oldenburg verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaVor dem Landgericht Oldenburg wird derzeit über eine lange Einbruchserie mit Taten im Landkreis Oldenburg verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Landkreis Oldenburg/Oldenburg. Ein aufsehenerregender Prozess über eine Einbruchserie mit 62 angeklagten Taten unter anderem im Landkreis Oldenburg geht dem Ende entgegen. Den beiden Angeklagten drohen lange Haftstrafen.

Seit Mitte Juli sitzen die angeklagten 47 und 49 Jahre alten Serben vor dem Oldenburger Landgericht, doch jetzt scheint der anfangs nicht enden wollende Prozess um eine spektakuläre Einbruchserie im norddeutschen Raum tatsächlich einem Urteil entgegenzusteuern. Denn die Aussagen der geladenen Geschädigten – einige kommen aus Wildeshausen und Harpstedt – sind nach vielen Sitzungsstunden durch. Stand jetzt soll nur noch der Hauptermittler aussagen.

Auf dem Zeugenstuhl zusammengebrochen

Vor ihm schilderten dem Gericht 50 Einbruchsopfer, was in ihrem Haus kaputt ging (meist die Terrassentür oder ein Fenster), was wegkam (meist Schmuck und Bargeld) und wie sie sich heute fühlen: in fast allen Fällen schlecht. Manchen kamen die Tränen während ihrer Aussage, manche berichteten, dass sie oder ihr Partner nicht mehr alleine zu Haus sein können. Die Mehrzahl der Opfer ist älter, längst in Rente, verwurzelt in Gegend und Haus. Doch einige überlegen ernsthaft, umzuziehen. Eine Frau brach auf dem Zeugenstuhl zusammen.

Hauptangeklagter wirkt fast gelangweilt

Die mutmaßlichen Einbrecher sagen dazu nichts. Lediglich der 49-Jährige hatte zu Prozessbeginn drei von neun angeklagten Taten zugegeben. Vom laut Anklage an jedem Einbruch beteiligten Haupttäter aber war nur zu hören, dass er nicht zugeben kann, was er nicht gemacht habe. Ein sogenannter Deal, der den Prozess erheblich verkürzt hätte und seine Strafe auf unter sechs Jahren Gefängnis festgelegt hätte, kam nach dieser Aussage auch nicht zustande. Jetzt drohen ihm deutlich mehr als sechs Jahre. Dennoch schweigt er, wirkt fast gelangweilt.

Auf dem Flur fällt das Wort „Berufsverbrecher“

Die Beweislast immerhin scheint deutlich. Die Auswertungen von Handydaten und Navigationsgerät malen für die Ermittler ein klares Bild: Der 47-Jährige fuhr das Auto, seine Komplizen stiegen in die Häuser ein, manchmal in bis zu vier täglich an einem Ort. Die Polizei hörte wochenlang Telefone ab, observierte auch direkt. Allein im November 2017 soll es zu 67 Einbrüchen gekommen sein, die der Gruppe oder Bande zugeschrieben werden – nicht alle kamen zur Anklage. Ohnehin gehen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass beide und zwei weitere Komplizen – beide 45, beide ebenfalls Serben, einer flüchtig, einer in Sofia verhaftet – seit Jahren in Einfamilienhäuser einsteigen. Auf dem Flur fällt das Wort „Berufsverbrecher“.


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