Ganderkeseer Sportschütze Ruhige Hand und guter Gehörschutz

Von Birgit Stamerjohanns

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Lars Sündermann in Aktion: Der 48-Jährige schießt am liebsten mit Sportpistolen. Zum Schießsport ist er durch seinen Vater gekommen. Foto: Birgit StamerjohannsLars Sündermann in Aktion: Der 48-Jährige schießt am liebsten mit Sportpistolen. Zum Schießsport ist er durch seinen Vater gekommen. Foto: Birgit Stamerjohanns

Delmenhorst/Ganderkesee. Sportschützen müssen in der Lage sein, sich auf den Punkt zu konzentrieren. Wer eigene Waffen hat, braucht nicht nur eine Waffenbesitzkarte, sondern auch ein polizeiliches Führungszeugnis.

Es ist das erste Mal für mich, und ich kann nicht sagen, dass es ein gutes Gefühl ist. Eher beängstigend. Ich lade einen 357 Magnum Revolver mit fünf Patronen. Die Waffe gehört Lars Sündermann; hat mir eingebläut, sie immer ausschließlich nach vorn zu halten. „Sonst werden die Schützen rechts und links nervös!“ Dann wird es ernst. Ich soll nicht direkt auf die schwarze Scheibe in 25 Metern Entfernung zielen, sondern knapp darunter. Ich versuche, die Waffe stillzuhalten, Kimme und Korn zu fixieren, und dann drücke ich ab. Der Knall ist ohrenbetäubend, trotz der dicken Gehörschützer, die ich trage. Der Rückschlag fährt mir in die Arme und durch den Körper. Ob ich auch nur annähernd getroffen habe, kann ich auf die Entfernung nicht sehen. Nach fünf Schüssen macht mir Lars Sündermann eine Art Kompliment: „Keine Querschläger, nicht in die Decke geschossen, nicht schlecht!“

Schießen ist Ausgleich für Alltagsstress

Der 48-jährige Ganderkeseer hat mit dem Schießen angefangen, als er 10 Jahre alt war. „Mein Vater war im Schützenverein, da lag das nah!“ Heute dürfen Jugendliche ab 12 mit einem Luftgewehr schießen, jüngere Kinder können mit sogenannten Lichtpunktgewehren ohne Munition üben. Lars Sündermann vergleicht seinen Sport mit Schach: „Man muss die Ruhe bewahren und sich auf den Punkt konzentrieren können“, sagt er. Wer in der Lage ist, sich ausschließlich auf eine Sache zu fixieren, hat beim Schießen gute Karten. Der Servicetechniker für Sicherheitstechnik sieht in seinem Sport einen Ausgleich zum Beruf: Stress im Job ist im Schießstand schnell vergessen.

Sündermann hat zwei Waffen

Mittlerweile besitzt Lars Sündermann zwei Waffen: die Magnum und eine Sportpistole, Kaliber 22. Sie sind auf seiner Waffenbesitzkarte eingetragen. Für eine solche Karte brauchen Schützen ein polizeiliches Führungszeugnis. Außerdem müssen sie nachweisen, dass sie länger als ein Jahr in einem Schützenverein trainiert haben, und dass sie mit der entsprechenden Waffe vor dem Kauf bereits mehrfach geschossen haben. Eine Prüfung ist ebenfalls nötig, um eine Waffenbesitzkarte zu bekommen. „Die Waffenbesitzkarte wird oft mit dem Waffenschein verwechselt“, erklärt Lars Sündermann. Tatsächlich haben in Deutschland aber nur wenige Personen einen Waffenschein, Polizisten zum Beispiel. Sie dürfen eine Waffe während ihrer Dienstzeit bei sich tragen. Lars Sündermann muss seine Sportgeräte auf dem direkten Wege zur Schießhalle transportieren und nach dem Training wieder zurück nach Hause, ansonsten darf er die Waffen nicht bei sich haben.

Selbst gebaute Munition

Lars Sündermann baut seine Munition selbst zusammen, füllt leere Hülsen mit Pulver und Zündtütchen und setzt ein Geschoss ein. Mit einer speziellen Presse wird die Munition zusammengedrückt. Für den Umgang mit Schießpulver braucht Sportschütze Sündermann eine behördliche Genehmigung und außerdem ein großes polizeiliches Führungszeugnis. Der Vorteil an der Munition Marke Eigenbau: Der Schuss ist weicher.

Wöchentliches Training

Einmal die Woche schießt der Ganderkeseer beim Delmenhorster Schützenverein an der Tiergartenstraße. Außerdem hat er eine Trainerlizenz für Kurzwaffen und bringt anderen das Schießen bei. Der Sport, sagt Lars Sündermann, soll sich bei Kindern und Jugendlichen angeblich positiv auf die schulischen Leistungen auswirken, weil Schützen lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Er selbst allerdings sei für diese Theorie kein gutes Beispiel gewesen.


Ohne Schein geht es in vielen Bereichen nicht. Das dk stellte in dieser Serie, für welche Freizeitaktivitäten eine Prüfung abgelegt werden muss. Mit diesem Artikel endet die Serie.

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