Baumschutz in Ganderkesee Markante Bäume in Ganderkesee von Säge bedroht

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Ganderkesee. Was wird aus der prachtvollen Linde am Habbrügger Weg, und muss die Trauerweide vor der katholischen Kirche fallen? Das Thema Baumschutz wird in Ganderkesee wieder aktuell.

Ein Bauprojekt am Habbrügger Weg gibt den Debatten über Regeln für den Baumschutz in der Gemeinde Ganderkesee neue Nahrung. Die ehemalige Gaststätte Rhodos wird offenkundig zum Fall für den Abrissbagger. Im Kreishaus in Wildeshausen wird zurzeit eine Bauvoranfrage bearbeitet, die das Bauinteresse auf dem Eckgrundstück zwischen dem Habbrügger Weg und der Straße Alte Siedlung bekundet. Peter Nieslony, der Leiter des Bauordnungsamts, bestätigt den Eingang der Voranfrage. „Über die Erfolgsaussicht kann ich zurzeit nichts sagen“, ergänzt er. Augenscheinlich passt auf das Grundstück ein Mehrfamilienhaus, denn neben dem Gaststättenbau gibt es eine geschotterte Fläche, die ehedem von Kunden als Parkplatz genutzt wurde.

Äste überragen Dach

In Ganderkesee ist allerdings zu vernehmen, dass sich wieder einmal ein Konflikt zwischen Bauen und Umweltschutz anbahnt. Vor dem ehemaligen Rhodos steht eine Linde. Die prachtvoll ausgebildete Krone streckt Äste über den eingeschossigen Flachdachbau. Das nährt die Befürchtung, dass der Baum dem Neubau im Wege steht und gefällt wird.

Gemeindegremien entscheiden

Carsten Wünker, Naturschutzfachkraft der Gemeindeverwaltung, stellt klar, dass in diesem Falle nichts schnell und nichts ohne Beteiligung der Gemeinde geht. „Es ist eindeutig, dass der Baum auf Grund der Gemeinde steht“, so Wünker. Die Entscheidung über die Zukunft des Baumes obliegt ihm zufolge den Gremien der Gemeinde.

Politik streitet über Baumschutz

Für Christel Zießler, SPD-Ratsfrau und stellvertretende Bürgermeisterin, ist es überhaupt nicht beruhigend, dass Gemeindegremien über das Wohl und Wehe der Linde entscheiden. Mehrheitsentscheidungen der Ratsgremien hätten in jüngster Vergangenheit dazu geführt, dass die Eigentümer freie Hand haben, wie sie mit Bäumen auf ihren Grundstücken umgehen. „Ich fahre fast täglich an diesem Baum vorbei“, sagt die Falkenburgerin, „er ist wirklich wunderschön.“ Sie hätte sich gerne weiter an die langjährige Praxis gehalten, dass die Gemeinde markante Bäume befristet unter Schutz stellt, wenn ruchbar wird, dass sie von der Säge bedroht sind. Die Ratsgremien hatten dann ein Jahr Zeit für die Entscheidung, die Bäume auf Dauer zu schützen oder auch nicht. Die Gemeinde hat die Praxis aufgegeben, weil Bürgermeisterin Alice Gerken eine verfestigte Mehrheit gegen den behördlichen Baumschutz erkannt hat.

Unklare Lage

„Es geht nicht um das Fällen dieses Baumes“, sagt Zießler. Es sei festzustellen, dass immer mehr prägende Bäume aus dem Ortsbild verschwinden. „Wir müssen Klarheit gewinnen, wie wir damit umgehen wollen“, so Zießler.

Arten verlieren Lebensraum

Dr. Volker Schulz-Berendt, Fraktionssprecher der Grünen, betont, dass Baupläne grundsätzlich natürlichen Gegebenheiten angepasst werden müssten. Auch innerhalb der Ortschaften werde viel zu viel versiegelt. Für den Erhalt der Artenvielfalt gebe es kaum noch Lebensräume.

Arbeitskreis überfällig

Zießler und auch die Umweltschützer Hans Fingerhut (Nabu) und Michael Müller (Fuhrenkamp Schutzverein) erinnern daran, dass ein Arbeitskreis Baumschutz gegründet werden soll, im dem Vertreter des Gemeinderats, der Verwaltung und der Umweltverbände das weitere Vorgehen beraten. „Der Beschluss ist mehrere Monate alt. Aus dem Rathaus haben wir nie wieder 'was aus dem Rathaus gehört“, beklagt sich Fingerhut.

Ausladendes Grün

Die Linde vor dem Rhodos ist nicht der einzige Baum, der am Habbrügger Weg aus dem Ortsbild verschwinden könnte. Fünf Grundstücke weiter, vor der Sankt-Hedwig-Kirche, steht eine Trauerweide, deren Grün nicht nur den Fuß- und Radweg, sondern auch noch die Fahrbahn stadtauswärts überspannt. Pfarrer Norbert Lach hat jüngst berichtet, dass der Baum wegen der Verkehrssicherungspflicht entfernt werden muss.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN