Biologe gibt Tipps in Hude Gefüllte Blüten sind ein Bienenschreck

Die Katzenminze ist eine Lieblingspflanze des Biologen Jann Wübbenhorst, denn sie bietet Wildbienen und anderen Insekten viel Nahrung. Foto: Birgit StamerjohannsDie Katzenminze ist eine Lieblingspflanze des Biologen Jann Wübbenhorst, denn sie bietet Wildbienen und anderen Insekten viel Nahrung. Foto: Birgit Stamerjohanns

Hude. Viele Insektenarten sind vom Aussterben bedroht. Biologe Jann Wübbenhorst gibt in Hude Tipps, wie sich Insekten in den eigenen Garten locken lassen

Ihnen ist eine eigene Facebook-Seite gewidmet, und sie tragen ihren Titel zu Recht. Darin sind sich zumindest die rund 100 Besucher im Huder Rathaus einig: die „Gärten des Grauens“. Referent Jann Wübbenhorst hat ein paar besonders beeindruckende Bilder zusammengetragen: Eine Kieselsteinwüste mit Yuccapalme im Vorgarten, Betontöpfe mit Buchs auf Pflastersteinen, abgestorbene Rasenflächen hinter Betonmauern. Biologe Wübbenhorst findet solche Gartengestaltungen nicht nur „ästhetisch fragwürdig“. Er sieht auch die Insekten zunehmend in Gefahr, denn sie benötigen Blütenpollen und Nektar zum Überleben. Im Huder Rathaus hat Jann Wübbenhorst am Dienstag über Insektenarten und ihren Schutz referiert. Veranstaltet wurde der Abend vom Naturbündnis Hasbruch, einem Zusammenschluss der Nabu-Ortsverbände aus Ganderkesee und Hude sowie der Gesellschaft der Freunde des Hasbruch.

Plädoyer für artenreichen Garten

„Sicher macht ein naturnaher, artenreicher Garten ein bisschen Arbeit“, gibt Jann Wübbenhorst zu, der rund um sein Haus auf gut 600 Quadratmetern Hunderte verschiedene Pflanzen hegt und pflegt, „aber es lohnt sich!“ Unzählige Wildbienenarten haben sich in seinem Garten angesiedelt. Rund 350 verschiedene Arten leben in Niedersachsen, zwei Drittel davon sind allerdings stark gefährdet oder bereits komplett verschwunden. Ein Drama für die Natur, denn die Wildbienen sind besonders wichtig für die Bestäubung von Pflanzen und damit für deren Fortbestand. „Eine Mauerbiene beispielsweise bestäubt in einer Obstplantage so viele Pflanzen wie 100 Honigbienen“, verdeutlicht Biologe Wübbenhorst.

Frühblüher pflanzen

Gartenbesitzer können einiges dafür tun, dass Bienen und andere Insekten genügend Nahrung finden. Besonders wichtig sind für Bienen dabei die Frühblüher im Garten, also zum Beispiel Krokusse, Winterlinge und Taubnesseln. Von ihnen ernährt sich die Bienenkönigin, die als einzige den Winter überlebt und im Frühjahr ein neues Volk heranzieht. „Das ist eine harte Zeit für die Bienenköniginnen und viele sterben, weil sie nach dem Winterschlaf nicht genügend Nahrung finden“, sagt Jann Wübbenhorst. Er rät, Krokus-Wildarten und andere Frühblüher zu pflanzen: „Sie sehen toll aus, vermehren sich häufig von allein und sind eine gute Nahrungsquelle für viele Insekten.“ Wichtig bei allen Blüten: Sie müssen ungefüllt sein, damit sich die Bienen mit Pollen und Nektar versorgen können. Viele Blumen werden als gefüllte Sorten gezüchtet, weil sie voller und prächtiger erscheinen. „Aber nicht jede Augenweide ist auch eine Bienenweide“, so Jann Wübbenhorst. Sträucher wie die Blutjohannisbeere, Obstgehölze und auch Kräuter wie Katzenminze sind ebenfalls Pflanzen, auf die Bienen und andere Insekten buchstäblich fliegen. Weil Wildbienen häufig im Boden nisten, sollten Pestizide im Hausgarten generell tabu sein.


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