Tauschring wird 20 Jahre alt Warum manche Ganderkeseer in Gantertalern bezahlen

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Blumengießen, Gassigehen, Basteln - mit Ganter-Talern kann beim Tauschring um Elke Stadler (unten links) vieles bezahlt werden. Foto: Vincent BußBlumengießen, Gassigehen, Basteln - mit Ganter-Talern kann beim Tauschring um Elke Stadler (unten links) vieles bezahlt werden. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. Der Ganderkeseer Tauschring wird demnächst 20 Jahre alt. Was hat sich seitdem getan und wie funktioniert er überhaupt?

Gantertaler sind viel Wert – Zeit nämlich. Sie sind die Währung des Ganderkeseer Tauschrings, in der man vor allem Dienste bezahlen kann. Ein Beispiel: Wer den Hund eines anderen Mitglieds eine Viertelstunde lang ausführt, bekommt vom Herrchen einen Gantertaler. Mit diesem können wiederum andere Dienste bezahlt werden. Idealerweise macht der Hundebesitzer selbst etwas, um sich Gantertaler zu verdienen. Jedes Mitglied des Tauschrings hat ein Konto, auf dem die Gantertaler verbucht werden. „Die Währung ist fiktiv“, sagt Elke Stadler, Leiterin des Tauschrings. Münzen gibt es nicht. Ein Gantertaler ist 15 Minuten Zeit wert.

„Viele Mitglieder backen Kuchen, nähen, oder arbeiten im Garten“, berichtet die Rentnerin. „Momentan wird auch viel Obst und Gemüse angeboten.“ Bei Letzterem wird der Zeitaufwand für die Ernte berechnet. Wer einen Kuchen kauft, bezahlt nicht nur die Zubereitungszeit, sondern auch die Zutaten – diese aber in Euro. „Wir haben auch ein paar Handwerker dabei“, sagt Stadler. Diese verrichteten aber nur kleine Arbeiten, sodass sie keine Konkurrenz zu Betrieben darstellten, betont die 80-jährige. Mittlerweile werden laut Stadler auch ab und zu Gegenstände wie etwa kleine Möbel getauscht. „Die Bezahlung machen Käufer und Verkäufer unter sich aus.“

Ursprünge in Vereinten Nationen

Gegründet wurde der Ganderkeseer Tauschring im Jahr 1999 im Rahmen des Programms „Lokale Agenda 21“, das auf kommunaler Ebene mehr Nachhaltigkeit schaffen sollte. Vorbild war die „Agenda 21“ der Vereinten Nationen. „Erweiterte Nachbarschaftshilfe“ nennt Stadler den Tauschring, was den solidarischen Charakter betont.

Tauschringe gibt es bundesweit. In Ganderkesee hat die Gruppe laut Stadler meist zwischen 30 und 50 Mitglieder. „Wir wollten nicht zu groß werden“, erklärt sie. Vertrautheit sei nämlich wichtig: „Wir tauschen nur, wenn man sich kennt. Fremde lassen wir zum Beispiel nicht zum Fensterputzen ins Haus.“ Unter den Teilnehmern sind laut der 80-jährigen Stadler vor allem ältere Menschen. Ihre Erklärung: „Die haben mehr Bewusstsein für den Wert von Dingen.“ Auch wegen ihrer Erlebnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit. „Sie werfen weniger Sachen weg.“ Die Ganderkeseerin vermutet zudem, dass Jüngere oft weniger Zeit hätten.

Darum gibt es nun eine Kaution

Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben, dafür eine Kaution von zehn Euro. „Die wurde erst eingeführt, als Leute mit einem Minus an Gantertalern aus dem Tauschring austraten.“ Die Kaution gibt es nur zurück, wenn der Kontostand nicht negativ ist. „Wir fragen die Person dann aber auch schon einmal, ob sie nicht einen Kuchen backen kann.“ Was Stadler, die fast von Beginn an dabei ist, rückblickend auffällt: „Früher wurde mehr getauscht.“ Mittlerweile handle es sich eher um einen Gesprächskreis, in dem man sich auch Tipps gebe. „Und es haben sich Freundschaften gebildet.“


Der Tauschring trifft sich einmal pro Monat im Alten Rathaus in Ganderkesee. Die Termine variieren, können aber bei Elke Stadler nachgefragt werden unter (04222) 79399.

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