Backwaren-Überproduktion Ganderkeseer Bäcker werfen wenig weg

Von Biljana Neloska

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Die Ganderkeseer Bäcker sind sich einig: Sie werfen im Verhältnis zu vielen anderen wenig weg. Symbolfoto: dpa/Karl-Josef HildenbrandDie Ganderkeseer Bäcker sind sich einig: Sie werfen im Verhältnis zu vielen anderen wenig weg. Symbolfoto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Ganderkesee. Die Umweltstiftung WWF wirft Backwarenfirmen massive Warenüberproduktion und Lebensmittelverschwendung vor. Auch bei Ganderkesee kommt es zum Brötchen-Überschuss, aber in geringem Maß.

Die Umweltstiftung WWF kritisiert in einer aktuellen bundesweiten Studie die massive Überproduktion von Backwaren, die im Müll landen. Bäcker in Ganderkesee produzieren ebenfalls über, schmeißen aber wenig weg. „Jeder versucht, den Überschuss so klein wie möglich zu halten. Aber zu 100 Prozent wird das nicht funktionieren“, sagt Wilhelm Haferkamp, Geschäftsführer von Bäckermeister Haferkamp.

Das habe verschiedene Gründe. Die Kunden hätten zum einen eine gewisse Erwartungshaltung. „Die meisten möchten auch abends um 18 Uhr noch eine gewisse Auswahl haben. Wenn wir dann gar nichts anbieten könnten, wäre das auch nicht gut“, so Haferkamp. Zum anderen sei der Kundenzufluss einfach auch nicht zu 100 Prozent planbar, denn der sei wiederum von vielen verschiedenen Faktoren abhängig: Wetter, Verkehr, Feiertage. „Aber bei uns wird kein Stück weggeschmissen. Ein Teil geht an die Tafel. Der Rest wird zu Tierfutter verarbeitet“, berichtet Haferkamp.

„Wir müssen diese Ware da haben“

Eine Ausnahme gebe es allerdings. Die Waren, die tierische Produkte wie Wurstauflage enthalten. Diese müssten wegen des Tierkörperentsorgungsgesetzes gesondert entsorgt werden.

„Es gibt keine Überproduktion, es bleibt nur etwas über“, sagt Gerold Tönjes, Seniorchef der Landbäckerei Tönjes, und erläutert: „Und wir müssen diese Ware da haben. Wenn die Kunden abends vorbeikommen und es ist nichts da, kommen die am nächsten Tag nicht wieder.“ Das, was überbleibt, gehe bei Tönjes ebenfalls an die Tafel oder in die Tierfutterverwertung.

Auch bei Meyer Mönchhof halte sich die Überschuss-Ware in Grenzen, berichtet Thomas Stockinger, Geschäftsleitung bei Meyer Mönchhof. Zirka 50 bis 100 Stück pro Tag. „Das ist unsere Reaktionsmenge. Wenn etwas falsch verteilt wird, eine Filiale arg falsch bestellt hat, wenn im Betrieb falsch verteilt wurde, wenn es nachträglichen Bedarf in einer Filiale gibt, dann können wir hiermit noch etwas gerade ziehen“, so Stockinger.

Überschuss geht an die Tafel oder ins Tierfutter

Der Rest werde zum Teil in einem Gutes-von-gestern-Verkauf untergebracht. „Darüber hinaus unterstützen wir seit zirka vier Jahren die Delmenhorster Tafel mit überschüssigen Backwaren und auch andere gemeinnützige Organisationen. Weiterhin werden einige Brote als sogenanntes Altbrot im Rahmen der Leitlinien für Backwaren auch Neuteigen zugesetzt. Das wirkt sich positiv auf die Teigeigenschaften und die Fertigbackware aus“, erklärt Stockinger. Alles, was dabei keine Verwendung findet, komme in die Tierfutterverwertung. „Dieser Überschuss wird von einem hierfür speziell zugelassenen Unternehmen abgeholt und verwertet. Hierbei gibt es zwei Prinzipien: es aufbereiten und pumpfähig machen oder es hocherhitzen und granulieren“, so Stockinger.

Auch bei der Tierfutterverwertung hagelte es Kritik von WFF. Laut Studie werden die Backwaren samt Verpackungen maschinell zerkleinert. Dabei sei davon auszugehen, dass Plastikteilchen nicht zuverlässig entfernt würden. Aber auch das treffe nicht auf Ganderkesee zu. Entweder seien die Backwaren sowieso nicht in Plastik verpackt oder nur in geringer Menge. Und diese Verpackungen würden vor er Verarbeitung von den Waren getrennt, so die Geschäftsleiter. „Ich glaube, die Bäcker in Ganderkesee werfen wenig weg – im Verhältnis zu vielen anderen“, betont Tönjes.

Dennoch: „Jeder versucht, das noch zu optimieren und die Überschüsse möglichst klein zu halten“, sagt Haferkamp. Bei ihm komme deswegen beispielsweise ab dem kommenden Jahr ein Computerprogramm zum Einsatz, das dabei helfen soll, die Bestellungen optimierter zu berechnen.


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