Harpstedter und Wildeshauser Opfer von Serieneinbrechern noch immer traumatisiert

Von Ole Rosenbohm

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16 Opfer der Serieneinbrecher berichteten, was kaputt gegangen ist, was geklaut wurde und wie sie das Geschehene verkraftet haben. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa16 Opfer der Serieneinbrecher berichteten, was kaputt gegangen ist, was geklaut wurde und wie sie das Geschehene verkraftet haben. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Wildeshausen/Harpstedt/Oldenburg. Fortsetzung im Prozess um 62 Einbrüche vor dem Landgericht Oldenburg: 16 Opfer der Serieneinbrecher berichteten, was kaputt gegangen ist, was geklaut wurde und wie sie das Geschehene verkraftet haben.

Manche weinen beim Erzählen, eine Frau sagt, sie träume immer noch vom Einbruch. „Dass Fremde in meinen Sachen gewühlt haben, kann ich einfach nicht ertragen“, sagt nicht nur sie. Eine andere kann nicht mehr alleine im Haus sein: „Wenn mein Mann weg ist, gehe ich spazieren.“ Die Angeklagten, zwei 46 und 49 Jahre alte Serben, sagen nichts.

Einfache Einbruchsmasche

Die Masche der mutmaßlichen Einbrecher war so einfach wie professionell: Mit Schraubendreher Fenster oder Terrassentür aufgehebelt, alles aus den Schubladen reißen, Regalbretter leer wischen, Geld und teuren Schmuck einstecken. Vor allem in Schlaf- und Arbeitszimmern suchten sie. Immer fix, fast immer gründlich. Und dann raus, ab ins Auto. Oder zum nächsten Haus.

Einbrüche von Schleswig-Holstein bis Hessen

Unterwegs sollen die beiden Angeklagten plus zwei weitere Komplizen laut Staatsanwaltschaft im gesamten norddeutschen Raum gewesen sein: von Schleswig-Holstein bis Hessen. Am 24. November 2017 sollen sie zudem in Wildeshausen und Harpstedt vorbeigeschaut haben. Die Einbrecher waren wohl keine Viertelstunde in den Häusern, doch die reichte, um Zimmer und oft das Leben der Opfer auf links zu drehen. Etwa das einer Frau aus Wildeshausen. Wie viel der Schmuck wert war, der ihr genommen wurde, kann sie gar nicht sagen, vielleicht ein paar Tausend Euro.

Erbstücke sind für immer verloren

Aber unbezahlbar für sie ist der ideelle Wert: der Ehering ihres verstorbenen Mannes, die ersten Geschenke zwischen den Eheleuten, viele wertvolle Erbstücke.

Ein Ring ist darunter, berichtet die Frau, vom Onkel im Zweiten Weltkrieg als Geschenk an die Tante aus einem Groschen gebogen. Und mehr als einen Groschen sei er auch nicht wert, aber als Familienerinnerung unbezahlbar. „Ich hätte ihn meinen Enkeln geschenkt“, sagt die Zeugin. Die Versicherung hat noch nicht gezahlt. Aber selbst wenn: „Selbst wenn ich das eine oder andere wieder kaufen könnte – es ist nicht dasselbe.“

Der Beutezug fand noch am selben Tag zwei weitere Opfer in Wildeshausen und mindestens zwei in Harpstedt. Dort aber erleben die sonst übervorsichtigen Einbrecher etwas Seltenes: Sie wurden fast erwischt.

Der 44-Jährige, der am Abend des 24. November 2017 hinter dem Haus auf seiner Terrasse mit seinem Grill zugange war, schilderte ebenfalls am Dienstag, was sich zugetragen hatte. Offenbar hatten sich die Einbrecher von der komplett abgedunkelten Vorderfront des Hauses zum nächsten Bruch verleiten lassen, schlichen also ums Gebäude Richtung Terrasse – und standen plötzlich Auge in Auge mit Besitzer und seinem Hund. „Ich war sofort auf hundert“, berichtet der Zeuge. Er habe mit der Faust ausgeholt, wohl auch einen getroffen, denn später blutete seine Hand. Dazu hätte der die Erregung des Herrchens wahrnehmende Hund einen der beiden angesprungen.

Die beiden Gestalten in dunklen Kapuzenpullovern – die Staatsanwaltschaft nimmt an, einer sei einer der Angeklagten – verschwanden sofort. Gesprochen hätten sie kein Wort.


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