Ohne Computer geht nichts mehr Digitalisierung bietet Ganderkesees Landwirten neue Chancen

Von Birgit Stamerjohanns

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Auch das Traktorenführerhaus ist längst zum computerisierten Leitstand geworden: Ronald Bredendiek sieht in der Digitalisierung der Landwirtschaft Vorteile – auch für die Umwelt. Foto: Birgit StamerjohannsAuch das Traktorenführerhaus ist längst zum computerisierten Leitstand geworden: Ronald Bredendiek sieht in der Digitalisierung der Landwirtschaft Vorteile – auch für die Umwelt. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee. Die Digitalisierung ist auch auf den Ganderkeseer Höfen angekommen. Vor allem bei der Dokumentation bietet die moderne Technik inzwischen eine große Hilfe.

Wenn Cord Wübbenhorst aufs Feld fährt, ist sein Laptop immer dabei. Gleich vor Ort gibt er die Daten in seinen Computer ein: Welche Flächen hat er bestellt, wie viel Dünger bringt er aus – ohne Dokumentation geht nichts mehr in der Landwirtschaft.

Ohne Computer daher auch nicht: „Wir haben die Pflicht, zum Beispiel Düngemengen und Erträge genau zu dokumentieren, das wird auch überprüft“ so der Landwirt. Eine riesige Zeitersparnis sei es, die Eingaben gleich vor Ort auf dem Feld machen zu können.

Daten in der Cloud gespeichert

Die Daten sind in einer Cloud gespeichert, Wübbenhorst hat jederzeit Zugriff darauf. So wie er arbeiten fast alle Betriebe in Ganderkesee. „Wer jung ist, muss sich mit digitaler Technik auskennen“, sagt Cord Wübbenhorst, „die Älteren kaufen sich diese Dienstleistungen dazu.“

Auch Ronald Bredendiek kann weite Teile seines Betriebes mit dem Smartphone überwachen. 40.000 Hühner stehen in seinen Ställen, dazu rund 1000 Schweine und 40 Rinder. „Wir sind auf die EDV angewiesen, zum Beispiel läuft die Fütterung der Tiere über den Computer“, erklärt der Landwirt. Die Hühner bekommen bestimmte Futtermengen in genau vorgegebenen Zusammensetzungen.

Alarm aufs Handy

„Sobald die Anlage nicht vorschriftsmäßig funktioniert, bekomme ich einen Alarm aufs Handy“, erklärt Ronald Bredendiek. Auch die Temperatur im Stall wird digital gesteuert. Der Landwirt zieht Elterntiere auf, die ab einem bestimmten Alter und Gewicht Eier legen.

Damit das optimal funktioniert, wird der Stall zunächst abgedunkelt und nach einiger Zeit beleuchtet. „Die Hühner denken dann gewissermaßen, es sei Frühling, und sie fangen an zu legen“, sagt der Ganderkeseer.

Diese Technik funktioniert digital – und ausgesprochen zuverlässig, so Bredendiek. Auf seinem Laptop hat der Landwirt Gewichtskurven und Legemengen gespeichert, er kann die Daten auswerten und mit den Vorjahren vergleichen.

Cord Schütte aus Hollen sieht in der Digitalisierung der Landwirtschaft eine große Chance: „Das ist ein Thema, das mir keine Angst macht, es gibt noch viele Ressourcen, die wir ausschöpfen können, um den Ertrag zu optimieren“, findet er.

Für jüngeren Landwirte längst Alltag

Die jüngeren Landwirte seien mit der Technik groß geworden, für sie werde die Entwicklung immer mehr zur Selbstverständlichkeit. In Schüttes Stall ist das digitale Zeitalter bereits angekommen: Seine Kühe tragen Sender um den Hals, die unter anderem die Futteraufnahme und das Wiederkäuverhalten aufzeichnen.

Wenn eine Kuh nicht richtig frisst, bekommt Cord Schütte das sofort mit: Sein Handy alarmiert ihn. „So kann ich praktisch vorab erkennen, ob eine Kuh krank wird“, sagt der Landwirt.

Vor allem auf dem Feld ist die digitale Technik kaum noch wegzudenken. Viele Landmaschinen sind heutzutage bereits mit GPS ausgestattet. Der Vorteil: Dünger beispielsweise lässt sich exakt ausbringen.

„Ich selbst kann gar nicht erkennen, ob ich beim Düngen noch auf meiner Fläche bin oder vielleicht schon über dem Graben beim Nachbarn“, sagt Ronald Bredendiek.

Dank GPS wissen die Maschinen aber gewissermaßen selbst, wo die zu düngende Fläche endet. Sowohl Bredendiek als auch sein Kollege Renke Dählmann sehen durch die digitale Technik Vorteile für die Umwelt: „Wir können viel exakter düngen und nur so viele Nährstoffe ausbringen, wie auf der jeweiligen Fläche benötigt werden“, erklärt Renke Dählmann, der auch als Lohnunternehmer für andere Landwirte arbeitet.

Technik hat auch Schattenseiten

Er ist großer Fan der modernen Technik, sieht aber auch Schattenseiten: „Man muss die Daten sehr gut pflegen, sonst gibt es ein heilloses Durcheinander“, so der Huder Landwirt. „Wir sind bei mehr als 100 Kunden für Düngung und Pflanzenschutz zuständig – da müssen wir immer den Überblick behalten.“


Ein Wirtschaftstag zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft ist für Montag, 8. Oktober in Eggermühlen im Landkreis Osnabrück geplant. Vertreten ist dabei auch der Kreislandvolkverband Oldenburg. Beginn im Gasthof Böhmann, Eggermühlen, ist um 9 Uhr. Jobst Rottmann, Verkaufsleiter vom Landmaschinenhersteller John Deere, spricht zum Thema „Digitalisierung der Agarwirtschaft“. Auch eine Podiumsdiskussion ist vorgesehen. Näheres hier.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN