Prozess um Körperverletzung in Groß Ippener Behindertem Desinfektionsmittel zu trinken gegeben

Von Ole Rosenbohm

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Vor dem Landgericht Oldenburg ist ein Angeklagter zwar für schuldunfähig erklärt worden. Er bleibt aber in der geschlossenen Psychiatrie. Symbolfoto: Thomas DeekenVor dem Landgericht Oldenburg ist ein Angeklagter zwar für schuldunfähig erklärt worden. Er bleibt aber in der geschlossenen Psychiatrie. Symbolfoto: Thomas Deeken

Gross Ippener/Oldenburg. Ein 49-Jähriger hat einem behinderten Mann in Groß Ippener Desinfektionsmittel zu trinken gegeben. Der Angeklagte wurde wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Weil er aber als Gefahr für andere gilt, entschied das Landgericht Oldenburg, ihn in der geschlossenen Psychiatrie unterzubringen.

Der 49-Jährige war zunächst wegen versuchten Totschlags angeklagt worden. Durch die Beweisaufnahme wurde daraus eine gefährliche Körperverletzung. Das Ergebnis aber ist dasselbe: Weil der aus Barßel stammende Beschuldigte an einer krankhaften seelischen Störung leidet, zudem in seiner Intelligenz gemindert ist, gilt er als nicht schuldfähig, hieß es am Freitag vor dem Landgericht Oldenburg. Damit bleibt er Insasse in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses, in der er sich bereits seit der Tat vor einem halben Jahr befindet.

Als Saft ausgegeben

Der Vorfall spielte sich am 28. März in einer Einrichtung für geistig Behinderte in Groß Ippener ab, in der Täter wie Opfer zu Hause waren. Laut den Ermittlungen schraubte der 49-Jährige einen Desinfektionsmittel-Spender von der Halterung, goss den Inhalt aus der Flasche in ein Glas und gab es dem Opfer: „Hier, trink“, soll er gesagt haben: „Das ist Saft.“

Zunge und andere Organe angeschwollen

Die Störung, an der das Opfer leidet, soll unter anderem dazu führen, dass er alles, was er vorgesetzt bekommt, isst oder trinkt, hieß es vor Gericht. Und so führte der Mann auch dieses Mal das Glas an die Lippen. Das war lebensgefährlich. Denn nach dem Trinken des Desinfektionsmittels schwollen Zunge und andere Organe so stark an, dass das Opfer kaum fähig war zu atmen und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Tat nur ein Test?

Offenbar, so wurde im Prozess deutlich, hatte sich der Beschuldigte am Experimentieren versucht, wollte die Wirkung des Mittels testen – und zwar an einem anderen, nicht an sich selbst. Auch gab sich der Mann stark religiös orientiert, sagte, er glaube an die Wiedergeburt. Für den 49-Jährigen hatte zunächst sein Rechtsanwalt eine Erklärung abgegeben.

Gericht: Gefahr für Allgemeinheit

Im Prozess, einem sogenannten Sicherungsverfahren, waren Staatsanwaltschaft und Gericht spätestens nach der Aussage einer medizinischen Gutachterin sicher, was schon vorher deutlich schien: Der Beschuldigte ist eine Gefahr für die Allgemeinheit, und diese muss vor ihm geschützt werden.

Abhängig von Heilungsverlauf

Wie lange der 49-Jährige in der Psychiatrie bleibt, hängt von seinem Heilungsverlauf ab. Eine Unterbringung in der geschlossenen Abteilung verlangt eine jährliche Überprüfung durch die mit drei Berufsrichtern besetzte Strafvollstreckungskammer des Landgerichts, erklärte Landgerichtssprecherin Melanie Bitter. Diese Anhörungen finden meist vor Ort in den Psychiatrien statt.


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