Bewährungsstrafe Therapie rettet Ganderkeseer vor Gefängnis

Von Ole Rosenbohm

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Das Amtsgericht Delmenhorst hat einen Ganderkeseer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Symbolfoto: dpaDas Amtsgericht Delmenhorst hat einen Ganderkeseer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Symbolfoto: dpa

Ganderkesee/Delmenhorst. Wegen Handels mit Betäubungsmitteln hat ein Schöffengericht des Amtsgerichts Delmenhorst einen 36-Jährigen aus Ganderkesee zu einem Jahr und elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ins Urteil floss eine Haftstrafe aus 2017 von 15 Monaten ohne Bewährung ein.

Dass der am Mittwoch vom Amtsgericht Delmenhorst wegen Handels mit Betäubungsmitteln verurteilte Mann nicht ins Gefängnis muss, verdankt er einer stationären Entzugstherapie, die er schon vor dem Prozess 2017 begann. Nach erfolgreichem Abschluss wurde die Haft- in eine Bewährungsstrafe umgewandelt – ein üblicher Vorgang. Noch heute arbeitet der Mann in einer Nachsorge an sich. „Ich bin von den Drogen weg“, sagt er.

Drogenhandel in nicht geringer Menge

Grundlage für die Urteile waren drei Wohnungsdurchsuchungen bei ihm und bei seiner Lebensgefährtin in 2015 sowie zuletzt bei ihm im März 2017. Bei diesem letzten Einsatz fand die Polizei rund 130 Gramm Haschisch und Marihuana, 26 Gramm Speed, zudem einen verbotenen Elektroschocker. Bei den Durchsuchungen, die zur ersten Verurteilung führten, waren die Mengen leicht höher, dazu kamen knapp 60 Gramm Kokain, LSD-Trips und Ecstasy-Pillen.

Für eine Verurteilung wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge reichten die zuletzt gefundenen Mengen nicht aus, zumal das Gericht dem Angeklagten Glauben schenkte, die Drogen hauptsächlich für sich verwendet und nur gelegentlich an Freunde verkauft zu haben.

Entscheidend für die Bewährung ist aber die Entwicklung des 36-Jährigen. Mit 14 habe er seinen ersten Joint geraucht, gab er an, bald täglich konsumiert. Zunächst war es wohl gut: Durch Drogen, sagte er, habe er Freunde gefunden und ein neues Leben geführt, nachdem Mitschüler ihn nur gehänselt oder geschnitten hätten. Später nahm er dann täglich Koks, dann das Amphetamin Speed. Ohne ging nichts.

20-jährige Drogenkarriere

Bis zur sechsmonatigen Therapie – also bis er seine Abhängigkeit erstmals ernsthaft bekämpfte, brachte er nicht nur eine über 20-jährige Drogenkarriere hinter sich, sondern stand auch fast ständig in Kontakt mit Polizei und Justiz – fast immer wegen Besitzes, Erwerbs oder Handels mit Betäubungsmitteln. Immer ließen ihn die Gerichte in Freiheit.

Lediglich dreimal wurde er zu Bewährungsstrafen verurteilt, sonst zu Geldstrafen. Erst der 14. Prozess – der erste, der ihn ins Gefängnis geführt hätte – brachte den Mann zum Umdenken. Richterin und Staatsanwalt bescheinigten ihm am Mittwoch, „jetzt in der Spur“ zu sein.


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