Schulanfänger gut geschützt Impfmoral steigt im Kreis Oldenburg leicht an

Von Birgit Stamerjohanns

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Größere Unternehmen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bieten vor der Grippesaison kostenlose Grippeschutzimpfungen über den Betriebsarzt an. Foto: Birgit StamerjohannsGrößere Unternehmen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bieten vor der Grippesaison kostenlose Grippeschutzimpfungen über den Betriebsarzt an. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Eltern müssen schriftlich nachweisen, dass sie übers Impfen beraten wurden, wenn sie ihr Kind in der Kita anmelden. Im Kreis Oldenburg sind mehr Kinder geimpft als im Landesdurchschnitt.

Der Herbst naht, die Erkältungszeit beginnt – und mit ihr die Grippesaison. „Im Herbst informieren wir unsere Bewohner, dass es die Möglichkeit einer Impfung gibt“, sagt Andreas Gröger, Pflegeleiter im Wichernstift. Auch der Betriebsarzt der Einrichtung informiert Mitarbeiter und Senioren, dass die Impfung eine gute Maßnahme ist, um sich gegen die Grippe zu schützen. Aber nur zwischen zehn und 30 Prozent der Bewohner, schätzt Pflegedienstchef Gröger, entscheiden sich für eine Impfung: „Die Zahl variiert von Jahr zu Jahr sehr stark.“

Gegen Lungenentzündung impfen

Auch eine Impfung gegen Lungenentzündung hält Andreas Gröger in der Altenpflege für sinnvoll – seit dem vergangenen Jahr klärt er die Senioren über diese Möglichkeit auf.

Wer im Wichernstift oder einem anderen Ganderkeseer Pflegeheim arbeitet, muss alle gängigen Impfungen nachweisen, also etwa gegen Hepatitis oder Tetanus geimpft sein. Auch andere Unternehmen bieten über die Betriebsärzte etwa Grippeschutzimpfungen an. Andreas Gröger ist Befürworter dieser Gesundheitsvorsorge, auch wenn er selbst mit der Grippeschutzimpfung schlechte Erfahrungen gemacht hat: „Ich reagiere offenbar auf den Impfstoff und war drei Wochen lang außer Gefecht gesetzt!“

Nebenwirkungen sind möglich

In seltenen Fällen können Impfungen Nebenwirkungen haben – aber es kursieren auch viele Gerüchte, die einfach nicht stimmen.

Das erlebt Kinderärztin Kirsten Göddertz immer wieder. In ihrer Gemeinschaftspraxis am Immerweg gibt es „seit vielen Jahren eine gleichbleibende eher kleine Zahl von Familien, die trotz eingehender Beratung nicht impfen lassen wollen“, so die Medizinerin.

Die Gründe dafür seien in der Regel Ängste vor Nebenwirkungen, aber auch vor Stabilisatoren oder Zusatzstoffen in den Impfseren. „Wir klären die Eltern über die Gefahren des Nichtimpfens auf und lassen sie unterschreiben, dass sie die Verantwortung für die Folgen tragen“, so Kirsten Göddertz.

Impfberatung in Kitas nachweisen

„Wer Eltern ihr Kind in einer Kita der Gemeinde Ganderkesee anmelden möchten, müssen sie einen schriftlichen Nachweis vorlegen, dass sie zum Thema Impfen beraten wurden“, erklärt Hauke Gruhn, Sprecher der Gemeinde.

Ein vollständiger, altersgemäßer Impfschutz nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sei allerdings nicht erforderlich, damit Kinder in eine Kita gehen dürfen. „Wenn allerdings der Nachweis über die Beratung fehlt, dann sind die Einrichtungen angewiesen, das zuständige Gesundheitsamt zu informieren“, so Hauke Gruhn.

Bei Dr. Mireille Gerecitano-Schmidek, zuständig für den Infektionsschutz beim Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg, kommen solche Rückmeldungen allerdings nicht an.

2015 gab es Todesfälle nach Masernerkrankungen

„Diese Regel gibt es seit dem Sommer 2015, wo es Masernfälle mit Todesfolge gegeben hat“, erklärt die Ärztin. Sie geht davon aus, dass sich Eltern zumindest zum Thema Infektionsschutz beraten lassen – unabhängig davon, ob sie sich dann für das Impfen entscheiden.

Bei den Schulanfängern im Landkreis Oldenburg liegt die so genannte Durchimpfungsrate für Masern, Röteln und Mumps bei 93,1 Prozent. Das sind rund zwei Prozent mehr als durchschnittlich im Land Niedersachsen. Generell beobachtet Dr. Mireille Gerecitano-Schmidek aber einen rückläufigen Trend beim Impfen: „Die Menschen haben keinen Kontakt mehr zu schweren Infektionskrankheiten und ihnen ist nicht klar, dass beispielsweise Masern zum Tod führen können.“ Man müsse davon ausgehen, dass bestimmte Krankheiten auch wiederkommen könnten, beispielsweise Polio.

Ihr Appell: Mit dem Impfen schützt man nicht nur vor sich selbst vor schweren Krankheiten und ihren Folgen, sondern auch die Gesellschaft.


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