Delmenhorster Kramermarkt Alte Familien mit neuen Geschäften

Von Marie Busse, 11.09.2018, 15:25 Uhr
Die Freundinnen Bärbel Krüger und Elke Dahl nutzen die Tour für „Schlittenfahrt“. Foto: Marie Busse

Delmenhorst. Knapp 20 dk-Leser und Freunde haben am Montag einen Blick hinter die Kulissen des Kramermarkts geworfen. Sie hatten bei einer Verlosungsaktion gewonnen und konnten das Leben der Schausteller aus erster Hand erfahren.

Sie lassen die Fassaden funkeln, locken Junge wie Alte sich für vier Euro Nervenkitzel zu kaufen und beleben damit den berühmten Zauber des Volksfestes; die Schausteller auf dem Delmenhorster Kramermarkt. Am Montagabend hat Symon Veldkamp knapp 20 dk-Leser hinter die Kulissen des Rummels geführt.

„Wer als Kind den ganzen Tag auf dem Markt gespielt hat und dann bei Papa auf dem Schoß im Lastwagen weggefahren ist, der will nichts anderes machen“, sagte Albert Coldewey, als er der Gruppe den Wohnwagen seiner Angestellten zeigte. dk-Gewinner Henrik Wiegand aus Delmenhorst war überrascht von der Offenheit der Schausteller: „Sie sind sehr aufgeschlossen und es war keine Frage zu viel.“

Lange Familientradition

Fast alle Marktbeschicker auf den Graftwiesen blicken auf eine lange Familiengeschichte in der Branche zurück. Der 24-jährige Philip Thelen ist Schausteller in sechster Generation. Er gastiert mit dem Karussell „Schlittenfahrt“ auf dem Kramermarkt. Die dk-Leser führte er unter das Fahrgeschäft, erklärte Hydraulik und Motoren. „Mit dem Karussell ist es wie mit einem neuen Auto, man muss es pflegen“, sagte er. Unerlässlich sei technisches Verständnis und handwerkliches Geschick, um das Fahrgeschäft am Laufen zu halten.

Geisterbahnbetreiber Harry Hansler ist Schausteller in fünfter Generation. Er ist mit seiner Geisterbahn in Märkten in Deutschland, Holland und Dänemark auf Tour. Acht Stunden Aufbau, vier Stunden Abbau. Hansler erklärt: „An Weihnachten habe ich fünf Tage frei und dann gehen die Reparaturen los.“

Auch Anja Manke ist als Schaustellerin international unterwegs. In Deutschland verkauft sie während der Saison Eis wie Sahne, bevor es im Dezember nach Manchester geht. „Dort haben wir einen deutschen Weihnachtsmarkt mit allem, was dazu gehört.“

Gewappnet für die Zukunft

Michael Hempen präsentiert historische Wohnwagen aus den 1950er Jahren. Und er kennt sich aus in Delmenhorst. „Ich bin hier zweimal im Jahr zur Schule gegangen“, sagt der Schausteller schmunzelnd. Insgesamt habe er mehr als 30 Schulen besucht. „Da war das mit dem Abschluss schwierig“, sagt Hempen.

Fließendes oder gar warmes Wasser gab es in den Wagen nicht, dafür aber viel Schausteller-Romantik: „Wer sonst hat einen Beruf, in dem man jeden Tag lachende Kinder sieht“, schwärmt Hempen. Doch er ist auch kritisch, will für die Zukunft gerüstet sein. Seinen Enkel bringt er jeden morgen nach Oldenburg zur Schule. Hempen betont: „Er soll die gleichen Chancen haben.“

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