Der Hund als Lebensretter Hündin aus Ganderkesee sucht verloren gegangene Menschen

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Ganderkesee. Kinder, die sich verlaufen haben, Demenzkranke, die den Weg nicht mehr zurückfinden: Ein Ganderkeseer Rettungshund hilft dabei, verloren gegangen Menschen wiederzufinden.

Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland steigt. Zunehmend häufiger muss die Polizei nach vermissten dementen Menschen suchen, die den Weg nicht mehr nach Hause finden. Verstärkt wird sie dabei von Rettungshundestaffeln unterstützt, deren Hunde genau für solche Fälle ausgebildet sind.

Suche nach vermissten Menschen trainiert

Emma ist ein Rettungshund. Die fünfjährige Golden-Retriever-Hündin aus Ganderkesee ist zusammen mit Sebastian Schreinecke auf die Suche nach vermissten Menschen trainiert. Und von denen gibt es mit steigender Zahl an Demenzerkrankten immer mehr. Seit Emma vor zwei Jahren zum ersten Mal den Test des Deutschen Feuerwehrverbandes für Rettungshunde bestanden hat, hat sie schon mehrfach nach verschwundenen Menschen gesucht. In den meisten Fällen waren es verwirrte Ältere, die sich verlaufen hatten.

„Es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis Emma soweit war, dass sie in den Einsatz gehen konnte“, sagt Sebastian Schreinecke. So lange braucht es im Schnitt, bis aus einem normalen Hund ein Rettungshund wird. Um diesen Stand zu halten, muss der 42-Jährige mehrmals die Woche trainieren, spätestens alle zwei Jahre wird der große Einsatztest wiederholt. Ausgebildet ist Emma als Flächen- und Trümmerhund, in der Facheinheit Rettungshunde/Ortungstechnik der Freiwilligen Feuerwehr Lemwerder. „Flächenhunde sind in der Lage, in relativ kurzer Zeit große Gebiete abzusuchen, erklärt Schreinecke, der im Zuge der Ausbildung von Emma auch die Ausbildung zum Feuerwehrmann machen musste. „Dagegen suchen Trümmerhunde zum Beispiel eingestürzte Gebäude nach verschütteten Überlebenden ab.“ Vor zwei Jahren hat Emma in beiden Kategorien zum ersten Mal ihre Einsatzprüfung erfolgreich abgelegt, Anfang des Jahres erfolgte dann die erste Re-Klassifizierung.

Etwas Sinnvolles mit dem Hund tun

„Ich wollte damals etwas Sinnvolles mit meinem Hund tun“, schildert der 42-jährige Schreinecke. „So bin ich auf Rettungshundearbeit gekommen.“ Weil er schon zu Jugendzeiten in einer Feuerwehr war, kam er auf die Facheinheit in Lemwerder. Seit acht Jahren werden hier Hunde unterschiedlicher Rassen zu Rettungshunden ausgebildet, neben Sebastian Schreinecke sind hier 16 weitere Männer und Frauen aktiv.

Als erste Feuerwehr in Niedersachsen hat die Lemwerderaner Wehr damals Suchhunde eingeführt, inzwischen sind weitere Feuerwehren auf den Hund gekommen.

Doch um überhaupt in den Einsatz gehen zu können, musste nicht nur Emma lernen, auch Schreinecke hatte viele Stunden Weiterbildung vor sich. „Eine Grundvoraussetzung ist die Ausbildung zum Feuerwehrmann. Ohne die geht es nicht in den Einsatz.“ Der Ganderkeseer lernte außerdem, was das Wetter mit menschlichen Gerüchen macht, was zusammengestürzte Häusern so gefährlich macht und – dass die Ausbildung zu Rettungshund eigentlich nie zu Ende ist.

Die Familie muss mitmachen

„Man muss viel dafür tun, um den Hund auf einem hohen Level zu halten“, schildert der 42-Jährige. Und auch ganz viel Zeit mitbringen. „Es ist wahnsinnig zeitintensiv, das alles mit dem Hund zu erreichen. Da kann nur gehen, wenn auch die Familie mitmacht“, schildert er. Der Hund muss nicht nur zuverlässig suchen und anzeigen lernen, er muss auch konditionell fit gehalten und entsprechend ernährt werden. Dazu muss auch der Mensch bereit sein, sich immer wieder weiterzuentwickeln. „Im Einsatzfall soll der Hund Leben retten, dadurch lastet eine hohe Verantwortung auf dir und deinem Hund und zwingt dich auch zu einem besonders gründlichen Arbeiten“, so Schreinecke. Den Helden zu spielen, sei da fehl am Platz. „Es gibt Tage, da läuft es einfach nicht. Vielleicht ist der Hund krank oder man selbst ist nicht gut drauf. Da muss man dann ehrlich sein und offen sagen: Wir sind heute keine zuverlässige Hilfe.“

Man muss viel dafür tun, um den Hund auf einem hohen Level zu halten.

Damit Schreinecke auch künftig eine zuverlässige Hilfe sein kann, hat Hündin Emma jetzt Verstärkung bekommen. Vergangene Woche ist „Lucy“ eingezogen, ein zwölf Wochen altes Golden-Retriever-Mädchen mit den selben Eltern wie Emma. „Da Emma echt toll ist, haben wir uns dazu entschieden, noch einen Hund aus dieser Verpaarung zu nehmen“, schildert Schreinecke. Wohin die Reise geht, ist klar: Auch aus Lucy soll einmal ein pflichtbewusster Rettungshund werden. Zwei Jahre hat sie jetzt Zeit, inin diese Aufgabe hineinzuwachsen.


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