Einbruchsserie in Wildeshausen Einsatzkommando ist Angeklagten ganz nah

Von Ole Rosenbohm

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Jeden Tag Einbrüche, nur sonntags nahmen sich die Einbrecher frei. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaJeden Tag Einbrüche, nur sonntags nahmen sich die Einbrecher frei. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Wildeshausen/Harpstedt/ Oldenburg. Jeden Tag Einbrüche, nur sonntags nahmen sich die Einbrecher frei: Das erfuhren die Zuhörer im Oldenburger Landgericht am zweiten Tag des Prozesses gegen einen 42-Jährigen und einen 46-Jährigen vom leitenden Ermittler der polizeilichen Einsatzgruppe (EG) „Türkette“.

Allein für den November 2017 machte der Beamte 50 Fälle aus. Insgesamt sind 62 Einbrüche angeklagt, davon vier in Wildeshausen, drei in Harpstedt.

Die Polizei hat keinen Zweifel, dass die Angeklagten an mehr Taten beteiligt sind. Jetzt kamen 17 dazu, fertig ermittelt und neu zur Anklage gebracht. Einer aus der Bande hatte schon ums Jahr 2000 mit Einbrüchen in Deutschland zu tun. 2014 war sein Blut an einer kaputten Tatort-Fensterscheibe gefunden worden, bei einem der aktuellen Einbrüche fanden sich erneut seine Spuren.

Festnahme in Sofia

Dieser Mann ist vergangenen Samstag auf dem Flughafen in Sofia verhaftet worden. Jetzt fehlt den Ermittlern noch einer. Der Prozess startete am zweiten Tag mit Erklärungen der Angeklagten zu tags zuvor geführten Verständigungsgesprächen zwischen Verteidigung, Berufsrichtern und Staatsanwalt. Geführt, um sich auf ein Strafmaß im Falle von Geständnissen zu einigen. Der 42-Jährige, dem nur neun Taten vorgeworfen werden, stimmte seiner Urteils-Obergrenze von zwei Jahren und sieben Monaten Haft zu, der Mitangeklagte, angeklagt für alle 62 Einbrüche, nicht. Sechs Jahre und vier Monate waren ihm zu viel: „Ich gebe nichts zu, was ich nicht getan habe.“

Lange Prozessdauer ist wahrscheinlich

So steht ein langer Prozess bevor. Das Verhandlungsende ist für Mitte November nach zwölf Prozesstagen anberaumt.

Als erster Zeuge berichtete der Ermittlungsführer, wie die EG „Türkette“ den mutmaßlichen Tätern näher kamen – über Handy-Ortungen, später auch über Überwachungen. Eine fand in Wildeshausen statt, wo mutmaßlich der 46-Jährige, der jetzt Festgenommene und der noch Flüchtige, am 24. November 2017 von einem Oldenburger Mobilen Einsatzkommando (MEK) so genau wie möglich beobachtet wurden. „Hätten sie einen Hauch von Polizei bemerkt, sie hätten sich sofort ins Ausland verzogen“, sagte der Ermittler.

Das Ziel, einen Sender an den SUVs der Überwachten anzubringen und damit die Strukturen innerhalb der Bande näher auszuloten, verfehlte das MEK aber. Der Fahrer, der 46-Jährige, stieg kein einziges Mal aus, die mutmaßlichen Mittäter versuchten währenddessen, Beute zu machen. Im Dezember dann wollte die Polizei zugreifen, doch Tage zuvor hatten sich zwei Verdächtige nach Serbien abgesetzt. Eine erste Verhaftung der beiden Angeklagten erfolgte am 16. Dezember in Wolfsburg – aus Zufall durch örtliche Polizisten. Der in Deutschland lebende 46-Jährige kam noch einmal frei und wurde weiter beobachtet. Ende Januar präsentierten die Ermittler ihm dann den Haftbefehl.


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