Zweifel an Zeugenaussagen Freispruch für ehemaligen Geschäftsführer aus Wardenburg

Von Ole Rosenbohm

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Symbolfoto: Daniel Reinhardt/SymbolSymbolfoto: Daniel Reinhardt/Symbol

Wardenburg/Oldenburg. In zweiter Instanz und sechs Jahre nach den angeklagten Fällen hat ein 51-Jähriger in einer Berufungsverhandlung vor dem Oldenburger Landgericht einen Freispruch bekommen.

Der Mann war angeklagt, als Geschäftsführer einer Firma aus Wardenburg von 2010 bis 2012 in 25 Fällen Bareinnahmen in die eigene Tasche gesteckt zu haben und zudem ohne die Zustimmung der Gesellschafter ein Auto für sich angeschafft zu haben.

Haftstraße und Vermögensabschöpfung in erstem Urteil

In erster Instanz war der Mann vom Amtsgericht zu einem Jahr Haft auf Bewährung und zur Einziehung von 45.800 Euro verurteilt worden – so viel Geld hätte der Angeklagte durch die Untreuefälle für sich gewonnen, hieß es.

Der Angeklagte und seine beiden Verteidiger hatten alle Vorwürfe bestritten. Das Geld aus den Bareinnahmen hätten eine Reihe von Leuten aus der Firma entwenden können, argumentierten sie, eine Zuordnung sei daher weder beweisbar noch nachvollziehbar. Und das Auto sei mit Zustimmung angeschafft worden. Kein Fehlverhalten also, und mehr noch: Er solle gezielt zerstört werden, sagte der Angeklagte: Und zwar durch seinen ehemaligen Geschäftspartner, dem einstigen Prokuristen der Firma, für die Verteidigung die „Schlüsselfigur“ des Prozesses und der „Lenker“ der Firma.

Zweifel an den Zeugenaussagen

Die Aussagen dieses Zeugen hinterließen selbst bei der Staatsanwaltschaft Zweifel. Diese wollte zwar weiter an der Schuld des Angeklagten glauben und damit an der Strafe des Amtsgerichtes festhalten, kritisierte aber auch das Verhalten des Ex-Prokuristen.

Er hatte Mietzahlungen für ein Haus des Angeklagten eingestellt und versuchte den 51-Jährigen mit Druck dazu zu bewegen, ein Grundstück weit unter Wert zu verkaufen. Die Anklage aber, sagte der Staatsanwalt, sah die Vorwürfe dennoch durch einen Gutachter bestätigt.

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft nicht und sprach den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Und zwar auch im Falle der Auto-Anschaffung, für den selbst die Verteidiger-Seite lediglich eine Einstellung angeregt hatte.

Ob der Angeklagte nun, wie er äußerte, „endlich“ die Zeit in der Wardenburger Firma hinter sich lassen kann, hängt von der Staatsanwaltschaft ab, die innerhalb von einer Woche entscheiden muss, ob sie per Revision die nächsthöhere Instanz, das Oberlandesgericht, anrufen will.


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