„Auf ein Wort“ in Hude Kultusminister beantwortet Bierdeckel-Fragen

Von Biljana Neloska

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne stellte sich den Fragen der Huder Bürger. Foto: Biljana NeloskaKultusminister Grant Hendrik Tonne stellte sich den Fragen der Huder Bürger. Foto: Biljana Neloska

Hude. Probleme im Bildungssystem und wie sich diese lösen lassen – Fragen dazu beantwortete Kultusminister Grant Hendrik Tonne Donnerstagabend bei einer SPD-Veranstaltung. Einige Schulsituationen findet Tonne skurril bis irre.

Der SPD Ortsverein Hude hat den niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne eingeladen, um sich kritischen Fragen zum Bildungssystem zu stellen – hat er getan, zwei Stunden ohne Pause. Gäste der „Auf ein Wort“-Veranstaltung konnten ihre Fragen vorab auf Bierdeckel schreiben. Thematisch gebündelt, arbeitete sich der Kultusminister durch die Bierdeckel. Ein Kernpunkt vieler Fragen: Probleme bei der Inklusion.

Wechsel zur Multiprofessionalität

„Das ist eines der schwierigsten Themen, was uns auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird“, sagte Tonne. Es gebe zu wenig Fachkräfte in diesem Bereich. Man habe bereits die Studienplätze verdoppelt, um Stellen auszubauen. Doch das könne nicht die einzige Lösung sein. Man brauche einen Wechsel zur Multiprofessionalität – die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen.

Ressourcenverschleuderung

Dazu brauche man auch den Bund im Boot, das könne das Land nicht alleine machen. „Das sind momentan skurrile bis mittelmäßig irre Situationen in den Schulen“, sagte Tonne über die Schulbegleiter. Man habe eine zunehmende Anzahl Erwachsener in den Klassenräumen, die aus rechtlichen Gründen aber nur das ihnen zugeordnete Kind unterstützen dürfen. Habe ein anderes Kind gerade Bedarf, dürften sie nicht eingreifen. „Das ist so nur Ressourcenverschleuderung.“

Die Schulbegleiter sollten den Schulen zugewiesen werden, nicht den einzelnen Kindern, damit das Personal sinnvoll eingesetzt werden kann, so Tonne. Anderes großes Thema der Bierdeckel-Kollektive: Lehrermangel. „Wir ringen um jede Lehrkraft, die wir finden und einstellen können“, so Tonne. Wie könne man die Attraktivität des Lehrerberufs stärken? Bessere Bezahlung? Entlastung? Die Besoldung müsse verbessert werden. Auch die Entlastung sei notwendig und wichtig, „aber schwer umzusetzen, weil die Kräfte an vielen Stellen fehlen“. Man werde auch weiterhin Quereinsteiger benötigen, „wenn wir die Lücken einigermaßen füllen wollen“.

Absturz des Bildungsniveaus stoppen?

Wie kann man den Absturz des Bildungsniveaus stoppen? „Bevor wir feststellen, dass wir es mit einem Absturz zu tun haben, sollten wir vielleicht noch einmal genau hinschauen. An einigen Stellen gibt es Herausforderungen, aber nicht im Ansatz die Tendenz, dass hier irgendwas den Bach runtergeht. Es geht mir auf die Nerven, meine Zeit mit einer Flut an Studien über das Bildungsniveau zu verschwenden“, empörte sich Tonne. Man müsse sich von einem Quartalsdenken entfernen, sehen, was man hat und was funktioniert. Alle drei Monate übereilt Dinge zu verändern, sei nicht ratsam.


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