Polizei spricht von einschlägiger Szene In Ganderkesee blüht der Drogenhandel

Von Ole Rosenbohm

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In Ganderkesee, kam am Donnerstag im Prozess gegen einen 24-Jährigen heraus, wird offenbar viel gekifft. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaIn Ganderkesee, kam am Donnerstag im Prozess gegen einen 24-Jährigen heraus, wird offenbar viel gekifft. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Ganderkesee/Delmenhorst. In Ganderkesee, kam am Donnerstag im Prozess gegen einen 24-Jährigen heraus, wird offenbar viel gekifft. Der Angeklagte soll mehr als zweieinhalb Kilo Marihuana verkauft haben.

Am Schulzentrum, vor den Bars, neben der Boule-Anlage am Tennisverein – vielfältig sind die Stellen in Ganderkesee, an denen Pakete und Tütchen mit Cannabis die Besitzer wechseln. Wie stark die Droge im Ort und im gesamten Landkreis verbreitet ist, zeigt sich derzeit in laufenden Prozessen. Von denen gibt es momentan mehr als genug.

Marihuana verkauft

Am Donnerstag etwa hatte ein 24-Jähriger aus Ganderkesee seinen Prozess vor dem Amtsgericht Delmenhorst. Sechseinhalb Monate lang soll er im Jahr 2016 Marihuana verkauft haben. Als die Polizei zur Hausdurchsuchung kam und knapp 240 Gramm mit durchschnittlichem Wirkstoffgehalt, 12,8 Prozent THC, nebst Feinwaage und vier Smartphones versteckt in Entlüftungsrohr und Farbeimer fand, will der Angeklagte seine Dealer-Laufbahn beendet haben.

Das Gericht glaubte ihm das, vor allem da er schon nach seiner Verhaftung und auch jetzt vor dem Richter umfangreich aussagte.

Aus Geldnot ins Geschäft eingestiegen

Er sei aus Geldnot ins Geschäft mit den illegalen Blüten „reingerutscht“, sei jetzt froh, mit der Sache abschließen zu können, sagte der 24-Jährige. Er habe vorher nichts mit Drogen am Hut gehabt, und jetzt erst recht nicht mehr. Ob er wirklich vor seiner jetzt vom Gericht verhandelten Kleinhändlerzeit nicht schon aktiv war, darf allerdings als unsicher gelten.

Nach einer Zeugenaussage nämlich darf man das bezweifeln, zudem hatte ihn die Polizei in früheren Jahren auf dem Kieker.

Der Zettel der Ermittler aber ist lang, nachdem bei einem verhafteten Dealer auf dessen Handy die Namen und Nummern von 80 Konsumenten, die meisten direkt aus Ganderkesee, sichergestellt wurden.

Prozesslawine steht bevor

Auf die Amtsgerichte wartet seitdem eine kleine Prozesslawine. Der Besitzer des Handys stand auch noch nicht vor dem Richter.

Der Dealer des jetzt verurteilten 24-Jährigen wird sich vor dem Landgericht Oldenburg verantworten müssen. Mutmaßlich hat er über recht große Mengen an Drogen verfügt.

Dealer des Angeklagten mit eigenem Lieferservice

Hatte der 24-Jährige ein neues Päckchen bestellt, jede Woche ungefähr hundert Gramm für 500 Euro, habe es ihm sein Händler innerhalb einer halben Stunde zum Bouleplatz am Ganderkeseer Tennisverein gebracht, sagte der Angeklagte aus.

Die Polizei stellt fest, dass in den Verfahren und Aussagen immer wieder dieselben Leute ins Spiel kommen, sie will die Szene gut kennen: „Die Kreise überschneiden sich“, sagte ein Ermittler. Konsumenten aus „gut bürgerlichen“ Familien sowie aus weniger gut situierten würden nicht nur untereinander kaufen und verkaufen. Die Kunden der hiesigen Dealer kämen sogar extra aus Hude oder Westerstede, klärte der Polizist auf.

„In Ganderkesee kifft jeder“

Und im Ort selbst scheint es kaum einen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zu geben, der nicht sehr früh Berührungen mit der Szene bekommt: „In Ganderkesee kifft jeder“, sagte der Angeklagte, der Dutzende Kunden gehabt haben muss und dessen Belastungszeuge zum Tatzeitpunkt auch erst 17 Jahre alt war.

Verurteilt wurde er für den unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in 24 Fällen. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von 22.100 Euro an, der vermutete Gewinn aus den Verkäufen an Endkunden.


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