Wirtschaft in Ganderkesee Aus nach 67 Jahren für Tischlerei Reisch

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Aus für einen alteingesessenen Handwerksbetrieb: In der Tischlerei Reisch sind die letzten Aufträge abgearbeitet. Foto: Reiner HaaseAus für einen alteingesessenen Handwerksbetrieb: In der Tischlerei Reisch sind die letzten Aufträge abgearbeitet. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Franz und Ursula Reisch geben ihre Tischlerei in Ganderkesee auf. Sie haben lange, aber ohne Erfolg nach einem Nachfolger für den gut situierten Betrieb gesucht.

In der Tischlerei Reisch ist das letzte Kapitel der Firmengeschichte geschrieben. In der Werkstatt ist der Betrieb allmählich zum Stillstand gekommen, und im Büro arbeiten die Inhaber Franz und Ursula Reisch nur noch die Formalitäten einer Firmenschließung ab. „Das ist das Schwierigste, was wir bisher gemacht haben“, bekennt Ursula Reisch.

Geplanter Rückzug

„Wir haben unseren Rückzug gewollt und geplant“, erklärt Franz Reisch. Mit einer Ausnahme: Die beabsichtigte Übergabe an einen Nachfolger gibt es nicht. „Wir haben jahrelang alles Mögliche versucht, über Fachzeitschriften, in der Meisterschule und in der Handwerkskammer informiert. Es gab einige Interessenten, aber sie sind letztlich doch abgesprungen“, so Reisch. Bis zuletzt sei auch versucht worden, in der eigenen Belegschaft einen Nachfolger zu finden. Dafür sei sogar ein Unternehmensberater ins Haus geholt worden.

Gut laufender Betrieb

Das Scheitern ist für Franz Reisch „schlecht nachvollziehbar“, zumal die Voraussetzungen stimmten. „Gute Mitarbeiter, gute Kunden, auch aus der Industrie, gute Aufträge, aber niemand , der den Zehn-Mitarbeiter-Betrieb fortführen wollte“, resümiert der Tischlermeister. Seine Frau sieht in der wirtschaftlichen Lage eine mögliche Erklärung: „Die Konjunktur läuft. Sichere Jobs halten vom Schritt in die Selbstständigkeit ab.“ Nun obliegt es der Firma Holzzauber, die letzten Aufträge abzuarbeiten, die die Firma Reisch angenommen hat. Zwei Mitarbeiter des Hatter Betriebs haben das Handwerk in Reischs Werkstatt erlernt.

Unterstützung angeboten

Franz und Ursula Reisch sind überzeugt, dass das Aus ihrer Firma nicht zum Härtefall für die Belegschaft geworden ist. „Wir haben die Karten frühzeitig offengelegt. Wir haben Unterstützung angeboten. Niemand hat sie angefordert. Ein Auszubildender hat den Abschluss geschafft und wollte sich sowieso einen anderen Betrieb suchen, und der zweite wollte sich beruflich neu orientieren“, berichtet Franz Reisch.

Offene Zukunft

Franz Reischs Vater, ebenfalls Franz mit Vornamen, hat die Firma 1951 gegründet und 30 Jahre lang in Immer in gepachteten Räumen geleitet. Als Franz Reisch junior das Unternehmen vor 37 Jahren übernahm, folgte alsbald der Umzug nach Ganderkesee, Am Steinacker. Zwischenzeitlich wurde hier die Werkstatt erweitert. „Wir sind offen für alles“, lautet die Antwort auf die Frage, was aus dem Firmengebäude nun wird. Auch die Hoffnung, dass sich doch noch ein interessierter Tischler meldet, ist noch nicht ganz erloschen.

Barrierefreiheit bleibt Thema

Und was wird aus den Schauräumen für barrierefreies Wohnen im Wohnhaus der Reischs an der Grüppenbührener Straße gleich gegenüber der Betriebsstätte? – „Die haben wir von vorneherein so geplant, dass sie bewohnbar sind“, erläutert Ursula Reisch. Die Wohnung könnte also über kurz oder lang vermietet werden. Die Kenntnisse und Erfahrungen, die in Fortbildungen zum barrierefreien Leben und bei Gruppenführungen durch die Räume gesammelt wurden, sollen nicht einfach verfallen. „Sie könnten in ein Ehrenamt führen“, sagt Ursula Reisch.

Zeit für Enkel und Rad

Auf jeden Fall soll mehr Zeit im Fahrradsattel verbracht werden. „Und unseren ersten Enkel haben wir auch gerade hinzugewonnen“, ergänzt Franz Reisch.


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