Prozess gegen Ganderkeseer Angeklagter gesteht, das Urteil bleibt aus

Von Biljana Neloska

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Ganderkesee/Delmenhorst Ein Mann aus Ganderkesee stand Mittwochmorgen wegen Drogenbesitzes vor Gericht. Obwohl der Angeklagte geständig war, wurde kein Urteil gesprochen.

Die Verhandlung im Amtsgericht Delmenhorst gegen einen 27-jährigen Mann aus Ganderkesee endete vorzeitig ohne Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat neue Beweisanträge gestellt.

Der 27-Jährige ist wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Laut Anklageschrift wurden im Keller des Angeklagten im April 2015 123,74 Gramm Cannabis und 1,2 Gramm Marihuana gefunden. „Die Tat als solche wird eingestanden“, sagte der Verteidiger zu Prozessbeginn. Sein Mandant habe zur Tatzeit erhebliche gesundheitliche Probleme wie Gelenkschmerzen und Depressionen gehabt. Die aufgefundenen Drogen seien für den Eigenkonsum bestimmt gewesen und hätten dem Angeklagten geholfen, seine Schmerzen und Depressionen zu lindern.

„Nicht so mit dem grünen Daumen“

„Damals habe ich meinen Job verloren, und meine Freundin hat mich verlassen. Ich habe versucht, mir selbst etwas anzubauen, aber ich habe es, wie man so sagt, nicht so mit dem grünen Daumen“, sagte der 27-Jährige. Er habe zur Tatzeit aber einen geregelten Tagesablauf gehabt und das Cannabis rationiert, „damit ich das nicht alles wegrauche“. Konsumiert habe er damals zwei bis drei Cannabis-Zigaretten am Tag.

Zur Tatzeit sei dem Angeklagten Blut abgenommen worden. Laut einem Polizeivermerk, der vor Gericht verlesen wurde, ergaben die Blutwerte einen exzessiven Konsum. „Behördliche Sachverständige können Gutachten erstellen. Ein Polizeivermerk in medizinischem Tonfall ist nicht dasselbe“, warf die Verteidigung ein.

Der Staatsanwalt brachte daraufhin den THC-Gehalt der gefundenen Drogen an, der „für einen Laien gar nicht so übel“ sei. Diese Einschätzung sei völlig spekulativ, entgegnete die Verteidigung. Ferner führte der Staatsanwalt weitere Wohnungsdurchsuchungen an, die es nach April 2015 gegeben haben soll. Demnach habe der Angeklagte weiter Cannabis-Pflanzen aufgezogen und auch verkauft. Das sei allerdings Gegenstand einer anderen Verhandlung, die dem Angeklagten vor dem Landgericht noch bevorstehe.

Einsatzbeamte sollen aussagen

„Das muss hier einfließen. Es geht um die Sozialprognose des Angeklagten. Kann ich davon ausgehen, dass sich dieser zukünftig rechtstreu verhalten wird oder nicht?“, so der Staatsanwalt und stellte neue Beweisanträge. Unter anderem sollen die Einsatzbeamten aussagen, die die Wohnung des Angeklagten durchsucht haben. „Sie verwischen hier völlig die Grenzen und streuen Gerüchte, die vorab schön in der Öffentlichkeit breit getreten werden“, empörte sich der Verteidiger. Das Gericht hat die Verhandlung bis auf Weiteres ausgesetzt.


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