21 Millionen für Psychiatriebau Wichernstift in Elmeloh wird 70 Jahre alt

Von Birgit Stamerjohanns

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Ganderkesee-Elmeloh. Das Wichernstift feiert sein 70-jähriges Bestehen. In den kommenden Jahren stehen vor allem bauliche Veränderungen an.

Das Zirkuszelt steht schon: Am Freitag, 31. August, lädt das Wichernstift in Elmeloh zur Feier des 70-jährigen Bestehens ein. Um 11 Uhr beginnt der Festakt in der Michaeliskirche, unter anderem wird der Autor Prof. Jens Weidner zum Thema Optimismus referieren. Am Nachmittag findet dann das Sommerfest auf dem Wichernstift-Gelände in Elmeloh statt. Auch der Kinderzirkus Wanjanini gibt zwei Vorstellungen.

Ein Geburtstagsgeschenk hat es schon gegeben: Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD) hatte der Einrichtung schon im Juni aus dem Krankenhausinvestitionsprogramm 21,3 Millionen Euro für den Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aussicht gestellt.

Der Kreis schließt sich

„Irgendwie schließt sich der Kreis“, findet Vorstand Wolfgang Walter mit Blick auf die Anfänge des Wichernstifts. Gut drei Jahre nach Kriegsende irrte damals die sogenannte wandernde Jugend durch das Land. Kinder und Jugendliche, die im Krieg ihre Familie verloren hatten und nun allein waren. Für sie wurde die evangelische Einrichtung gegründet, ihre Betreuung fand ab September 1948 auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Adelheide statt. 1959 zog die Einrichtung auf das Gelände des Guts Elmeloh um, wo am Freitag der runde Geburtstag gefeiert wird.

Mitarbeiter betreuen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Heute kümmern sich die Mitarbeiter erneut um unbegleitete Kriegsflüchtlinge, die ohne ihre Familien nach Deutschland gekommen sind. Sie leben in einer Wohngruppe. „Damals wie heute eine sehr herausfordernde Arbeit“, sagt Wolfgang Walter, und sein Vorstandskollege Mario Behrends ergänzt: „Diese Jugendlichen haben alle ihr Päckchen zu tragen, und die Schicksale sind teilweise extrem grausam.“

Als Jugendhilfeeinrichtung betreibt das Wichernstift auch mehrere Wohngruppen im Landkreis. Dort sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren untergebracht, die nicht bei ihren Eltern leben können. Oft sind die Eltern mit der Erziehung überfordert oder haben mit eigenen Problemen zu kämpfen. „Unser Ziel ist immer, dass sich die Familie stabilisiert und die Kinder zu ihren Eltern zurückkehren können“, so Mario Behrends.

Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie

1963 eröffnete das Wichernstift die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weil das Gebäude auf dem Gelände in Elmeloh in die Jahre gekommen ist, steht ein Neubau an: Die beiden Vorstände rechnen mit einem Baubeginn im kommenden Jahr und hoffen, dass der Klinik-Neubau im Jahr 2021 fertig sein wird. Momentan können 50 Patienten in Elmeloh behandelt werden, außerdem betreibt das Wichernstift drei Tageskliniken. „Wir wollen in Zukunft ein besonderes Augenmerk auf die Behandlung von Essstörungen legen“, sagt Mario Behrends. Nicht nur die Klinik hat großen Zulauf, auch die Förderschule für sozial und emotional auffällige Kinder ist gefragt.

Schüler sind oft aggressiv oder autistisch gestört

„Die Schülerzahlen steigen an, gerade im Grundschulbereich“, so Mario Behrends. Die Schüler sind oft aggressiv oder zeigen autistische Störungen. Sie werden in kleinen Klassen unterrichtet, in der Regel sind es acht bis zehn Schüler. Oft schaffen die Schüler ihren Haupt- oder Realschulabschluss. „Die Jugendlichen haben im Vergleich zu früheren Jahren sehr gute Perspektiven, weil sich Chancen für sie auf dem Ausbildungsmarkt ergeben“, so Mario Behrends.

Gute Nachrichten kommen zum 70-jährigen Bestehen von der Altenpflege: „Nach zwei Insolvenzen freuen wir uns nun über eine solide Finanzsituation und eine gute Nachfrage“, sagt Wolfgang Walter. 87 Bewohner leben derzeit im Wichernstift. Probleme bereitet allerdings auch in Elmeloh der Fachkräftemangel in der Altenpflege.


Dem mehr als 20 Millionen teuren Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sollen laut einer Planung von Sommer 2018 künftig 4000 statt bisher 3000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen. In diesem Jahr soll es vom Land dafür im ersten Schritt 14,2 Millionen Euro geben, so die Planung vom Juni.

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