Freie Stellen in Region Oldenburg Flüchtlinge finden mehr Lehrstellen im Handwerk

Von Ole Rosenbohm

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Konzentrierte Arbeit am Motor: Torsten Schultheiss, Mechatroniker-Geselle im Wardenburger Autohaus Heinemann, mit dem neuen Azubi Rayan Bybo (rechts). 

            

              
                
                  Foto: Ole RosenbohmKonzentrierte Arbeit am Motor: Torsten Schultheiss, Mechatroniker-Geselle im Wardenburger Autohaus Heinemann, mit dem neuen Azubi Rayan Bybo (rechts). Foto: Ole Rosenbohm

Wardenburg. Gute Chancen haben auch Migranten auf einen Ausbildungsplatz im Handwerk. Doch trotz der Zuwanderer bleiben 2018 wohl 300 Lehrstellen im Bezirk der Handwerkskammer unbesetzt.

Die Zahlen für Flüchtlinge in Ausbildung gehen in die Höhe – bundesweit wie in der Region. So meldet die Handwerkskammer Oldenburg (HWK) jetzt, 180 junge Menschen aus Ländern wie Syrien, Iran, Afghanistan oder Eritrea hätten am 1. August eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb im HWK-Bezirk begonnen, 40 mehr als im vergangenen Jahr.

Insgesamt befänden sich aktuell 340 dieser Menschen in einer Handwerksausbildung. Tendenz weiter steigend, sagt die HWK voraus.

Iraker lernt Kfz-Mechatroniker

Rayan Bybo ist einer dieser neuen Azubis. Der 18-Jährige flüchtete vor drei Jahren aus dem Irak, besuchte bis zum Abschluss der zehnten Klasse zuletzt die Integrierte Gesamtschule in Wardenburg und bewarb sich dann im Autohaus Heinemann im Ort als Kfz-Mechatroniker.

Drei Probearbeitstage später stand für den Betrieb fest: „Den nehmen wir.“ Mit seinem Engagement habe er einen so positiven Eindruck gemacht, dass die Firma eigens für ihn noch einen zusätzlichen Platz freischaufelte.

Für Wolfgang Jöhnk, bei der HWK für Berufsausbildung zuständig, sind es Menschen wie Bybo, die für den Berufsmarkt besonders attraktiv sind:

„Mit ihrer Bereitschaft, etwas Besonderes zu leisten, bringen sie das mit, was Betriebe möchten.“

Das Gros der Flüchtlinge hat Sprachschwierigkeiten

Allerdings: Das Gros der Flüchtlinge hat mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen.

Speziell die Fachsprache muss auch der sonst begabte Bybo erlernen, gleichzeitig steigen die Anforderungen in der Berufsschule. Wohl auch deshalb, sagt Jöhnk, liege die Abbrecherquote unter den Flüchtlingen bei rund 35 Prozent, zehn Punkte über dem Durchschnitt. „Ein langer, steiniger Weg“, sagt Jöhnk und meint damit sowohl die schwierigen Bemühungen für die HWK, den sich immer weiter abzeichnenden Fachkräftemangel abzufedern (in diesem Jahr werden im HWK-Bezirk wohl 300 Ausbildungsplätze mangels Bewerber nicht besetzt werden) als auch die dreieinhalb Jahre Lehre für die Azubis aus Syrien oder Irak.

Bybo aber kann das schaffen, glauben die, mit denen er zu tun hat. Der 18-Jährige fühlt sich aufgenommen in Ort, Betrieb und Fußballverein, ging schon in der Heimat neun Jahre zur Schule und eignet sich Vieles schnell an, wie Ausbilder und Mechatronikermeister Jens Speckmann erkannte. Der versucht beim Defizite ausgleichen zu helfen, wenn Bybo wie oft nach der Schule im Betrieb vorbeischaut und nach Fachvokabular fragt.

Ebenfalls wichtig für seine Perspektive: Der junge Mann besitzt ein Status als Flüchtling mit Bleiberecht. „Wenn die Lehrer zu schnell reden, ist es schwierig für mich“, sagt Bybo. „Aber sonst gefällt mir die Ausbildung.

Und mit den Kollegen bin ich von Anfang an klargekommen.“ Und danach? „Dann will ich weiter in meinem Job arbeiten. Und natürlich hierbleiben.“


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