Ärztemangel in Ganderkesee Fachärzte fehlen, Lösungen auch

Von Biljana Neloska

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In Ganderkesee seien vor allem die langen Wartezeiten und auch die Erreichbarkeit von Ärzten ein Problem. Symbolfoto: dpaIn Ganderkesee seien vor allem die langen Wartezeiten und auch die Erreichbarkeit von Ärzten ein Problem. Symbolfoto: dpa

Ganderkesee/Landkreis. Rein rechnerisch gibt es einen Überschuss an Fachärzten im gesamten Landkreis Oldenburg. Dennoch beklagen Sozialverbände in Ganderkesee seit Jahren einen Fachärztemangel in ihrer Gemeinde. Eine Verbesserung scheint nicht in Sicht.

Zu wenig Ärzte auf dem Land – darüber wird dieser Tage wieder heftig diskutiert. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen gibt es im Landkreis Oldenburg und in Ganderkesee, zumindest im Bereich der Fachärzte, eine Überversorgung. Sprich: Zu viele Fachärzte.

Die Ganderkeseer Ortsgruppen der Sozialverbände Vdk und SoVD sehen das anders und setzen sich seit Jahren für mehr Fachärzte vor Ort ein. „Das ist in Ganderkesee leider ein immer wiederkehrendes Thema“, sagt Dieter Strodthoff, erster Vorsitzender VdK Ganderkesee. Bereits 2013 habe man mit einer gemeinsamen Unterschriftenaktion versucht, das Problem zu lösen und mehr Fachärzte zu bekommen, berichtet Gerold Porth, erster Vorsitzender SoVD Ortsverband Ganderkesee. Mehr als 1000 Unterschriften habe man gesammelt und sei damit zur Kassenärztlichen Vereinigung gegangen. Gebracht habe das nichts.

Bedarf gesetzlich geregelt

Der Grund: die so genannte Bedarfsplanung. „Die Bedarfsplanung ist im Sozialgesetzbuch V gesetzlich geregelt. Es gibt festgelegte regionale Betrachtungsräume“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Das heißt: Es ist gesetzlich genau festgelegt, wo wie viele Fachärzte praktizieren dürfen und wo nicht. Diese regionalen Betrachtungsräume bestehen aus einzelnen Städten oder einem Zusammenschluss von Städten und Gemeinden. Für niederlassungswillige Ärzte sei von Bedeutung, ob der für sie in Frage kommende Planungsbereich „offen“ oder „gesperrt“ ist.

„Aktuell gibt es Probleme bei der hausärztlichen Versorgung in der Region Delmenhorst – mit Delmenhorst, Ganderkesee, Stuhr und Weye. Hier liegt der Bedarf bei 18 Hausärzten. Die fachärztliche Versorgung ist hingegen gut“, so Haffke.

Planung und Realität

Laut Sozialverbänden sieht die Realität anders aus. „Bei der Hausarztversorgung sind wir ganz gut aufgestellt. Ich werde aber immer wieder auf die fehlenden Fachärzte angesprochen. Ein Bekannter hat sich kürzlich bei einem Kardiologen in Polen behandeln lassen, weil er hier eine Wartezeit von zweienhalb Monaten gehabt hätte. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein, dass wir von Ganderkesee nach Polen müssen, um uns behandeln zu lassen. Das ist wirklich ein Trauerspiel“, so Strodthoff.

Das Problem in Ganderkesee seien vor allem die langen Wartezeiten und auch die Erreichbarkeit von Ärzten. Gerade die älteren Leute seien nicht unbedingt immer mobil genug, um einen weiter entfernteren Facharzt erreichen zu können.

Das übergeordnete Problem ist laut Haffke, dass die Bedarfsplanung gesetzlich festgelegt sei und man nicht außerhalb dieses Modells handeln könne. „Die Bedarfsplanung spiegelt nicht die Versorgungsrealität wider und muss zwingend reformiert werden“, sagt Haffke. Diese Reformen seien auch schon geplant. Wann sie allerdings konkret auf den Weg gebracht werden können, sei noch nicht abzusehen.


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