Untreuevorwurf beschäftigt mehrere Gerichte Drei Verfahren gegen Wardenburger Ex-Chef anhängig

Von Ole Rosenbohm

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Hat der ehemalige Geschäftsführer einer Firma aus Wardenburg jahrelang eingenommene Barzahlungen von Kunden in die eigene Tasche gesteckt? Symbolfoto: David Ebener/dpaHat der ehemalige Geschäftsführer einer Firma aus Wardenburg jahrelang eingenommene Barzahlungen von Kunden in die eigene Tasche gesteckt? Symbolfoto: David Ebener/dpa

Oldenburg/Wardenburg Hat der ehemalige Geschäftsführer einer Firma aus Wardenburg jahrelang eingenommene Barzahlungen von Kunden in die eigene Tasche gesteckt? Diese Frage beschäftigt zurzeit die Wirtschaftskammer des Landgerichts Oldenburg.

Die Kammer muss entscheiden, ob das ein Jahr alte Urteil des Amtsgerichtes Wildeshausen aufrecht erhalten wird, bei dem der Angeklagte wegen Untreue zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zur Einziehung von 45.800 Euro verurteilt worden ist. Enden soll der Prozess am 7. September.

Am Mittwoch, am bereits vierten Verhandlungstag, sagten Kunden der Firma aus. Alle hatten bei dem Unternehmen im fraglichen Zeitraum zwischen 2010 und 2012 Produkte in Auftrag gegeben, diese dann selbst abgeholt und bar bezahlt.

Zeugen mit Erinnerungslücken

Indes: Auf die meisten Fragen konnten die Zeugen nur bedauernd mit dem Kopf schütteln. Wer weiß schon nach sechs oder acht Jahren, wer damals von den Angestellten die 50 oder 150 Euro angenommen und wo diese Person das Geld abgelegt hat? Immerhin – ein Zeuge konnte sich an die Vorgänge erinnern, aber auch nicht an jede entscheidende Einzelheit.

Der Angeklagte bestreitet, die Gelder angenommen, in eine Kassette gesteckt und wissentlich falsch verbucht zu haben. Viele Mitarbeiter hätten das tun können, sagen er und seine Verteidiger. Er solle zerstört werden, glaubt an eine Verschwörung durch seinen ehemaligen Prokuristen, mit dem er zunächst erfolgreich zusammenarbeitete, allerdings in Streit geriet, als die Zahlen schlechter wurden.

Quittungen nicht regulär verbucht

Fakt ist: Zu den Verkaufsvorgängen wurden Quittungen ausgegeben. Diese allerdings wurden offenbar nicht regulär verbucht. Bevor am letzten Verhandlungstag Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers halten und das Gericht sein Urteil spricht, sollen Experten einer Firma für kaufmännische Software Auskunft geben, von welchem Rechner die Quittungen stammen. Beendet ist der Fall mit dem Urteil am 7. September noch nicht: Parallel zur Verhandlung in Oldenburg läuft in Bremen vor dem Landgericht ein Zivilprozess gegen den Angeklagten wegen der gleichen Sache. Und auch die Steuerbehörde wacht über den Ausgang, sie hat an jedem Verhandlungstag einen Beobachter im Gerichtssaal platziert.


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