Staatliche Nothilfen für Landwirte Nachweis der Ernteeinbußen für Bauern im Kreis Oldenburg schwierig

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Hohe Ernteeinbußen nach langer Trockenheit: Bund und Land wollen den Landwirten mit bis zu 340 Millionen Euro unter die Arme greifen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaHohe Ernteeinbußen nach langer Trockenheit: Bund und Land wollen den Landwirten mit bis zu 340 Millionen Euro unter die Arme greifen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Ganderkesee/Landkreis. Bauern mit schweren Einbußen wegen der wochenlangen Dürre können auf staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zählen. Das dk befragte Landwirte und den Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands nach einer ersten Einschätzung.

„Jetzt muss der Feinschliff hinterherkommen und geklärt werden, welcher landwirtschaftliche Betrieb im Landkreis Oldenburg wegen der Nothilfen überhaupt in Frage kommt.“ So hat Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands, am Mittwoch auf die Entscheidung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) reagiert, die Landwirten staatliche Nothilfen zukommen lassen will, wenn sie wegen der lang anhaltenden Trockenheit starke Ernteausbußen hinnehmen müssen. Insgesamt geht es laut Ministerin um Unterstützung in Höhe von bis zu 340 Millionen Euro von Bund und Ländern. Hilfe sollen diejenigen erhalten, in deren Betrieb mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung zerstört sind.

Jetzt müssen Detailfragen beantwortet werden

Es sei erst einmal positiv zu bewerten, dass sich die Ministerin überhaupt mit dieser Thematik befasst habe, sagt Wolff. Jetzt müsse aber zunächst in Ruhe abgewartet werden, welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Es gehe darum, viele Detailfragen zu beantworten – unter anderem beim Nachweis der Schäden. Im Verband werde alles genau beraten, anschließend würden die neuen Informationen schnell an die Landwirte weitergegeben, erklärte der Verbandsgeschäftsführer, der noch einmal auf „eine ganz schlimme Situation in diesem Jahr“ hinweist.

Futter für die Tiere fehlt

„Es ist ja schön, wenn Gelder fließen. Aber wie können wir den Nachweis über die Einbußen erbringen? Was sind 100 Prozent und was 30?“; fragt Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ganderkeseer Landvolks aus Hohenböken. Das könne jemand, der Getreide anbaut, mittels einer Waage sicherlich leichter als ein reiner Rindviehbetrieb, der ganz andere Sorgen habe. „Uns fehlt das Futter für die Tiere“, erklärt Wübbenhorst. Rindvieh benötige Raufutter, das meist auf eigener Fläche produziert werde. Wegen der langen Dürre habe es auch dort große Verluste gegeben. „Das sah auf den Feldern aus wie bei den Rasenflächen auf vielen Privatgrundstücken“, so der Landwirt. Darüber hinaus sei in der Gemeinde Ganderkesee der Getreideertrag im Schnitt um mehr als 30 Prozent zurückgegangen.

Hoffen auf Einsehen bei Bevölkerung

Geld sei zwar hilfreich, um etwas zu kaufen. Aber das Futter müsse ja auch vorhanden sein, ergänzt Volker Schmidt, Landwirt aus Landwehr und Ratsherr der Freien Wähler. Es sei selbstverständlich für den Staat, zu helfen. Er hoffe aber auch, dass die Bevölkerung, für die ja die Lebensmittel produziert würden, die Notwendigkeit der Unterstützung einsieht. Auch Schmidt schätzt seine Einbußen eigenen Angaben zufolge auf mehr als 30 Prozent. Und bei der derzeit laufenden Maisernte laufe es eher mittelprächtig.

Werden 340 Millionen Euro auch ausgezahlt?

Cord Schütte, Landwirt aus Hollen und CDU-Ratsherr, kommt laut Hochrechnung ebenfalls auf Verluste in Höhe von „locker 30 Prozent“ bei Getreide, Grünland und Mais. Er hofft, dass die 340 Millionen Euro auch tatsächlich ausgezahlt werden und dass sie auch an die richtig Betroffenen gehen. Und dass es sich nicht um ein Darlehen handelt, das zurückgezahlt werden muss. Er selbst werde sich rund ums Thema Nothilfen noch schlau machen. Im Übrigen bewerte er die Forderung des Bauernverbands, der eine Milliarde Euro an Unterstützung gefordert hatte, als „sehr unglücklich und als schlecht rübergebracht“.

Struthoff für Rücklagenbildung

Für Jürgen Struthoff, Landwirt aus Bergedorf und FDP-Ratsherr, ist diese Forderung sogar „total daneben“. Das finde auch keine gesellschaftliche Akzeptanz. Schließlich werde auch einem Handwerker, der seinen Laden schließen muss, nicht geholfen. Vielmehr sei es wichtig, dem Landwirt die Möglichkeit für steuerfreie Rücklagen zu geben. In guten Jahren dürften die Landwirte nicht sofort vom Finanzamt bestraft werden, sagt der Bergedorfer.

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In Niedersachsen wurde für dieses Jahr nach vorläufigen Ergebnissen eine Getreideernte von 4,7 Millionen Tonnen eingefahren, ein Rückgang um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus einer Mitteilung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen hervor, das mit der schlechtesten Getreideernte seit 1976 rechnet. Die Rapsernte fiel um 24 Prozent geringer aus. Von den Dürreschäden sind die Region Lüneburg, einige Kreise in Küstennähe sowie der Kreis Vechta besonders stark betroffen. Ausbleibender Niederschlag und eine zum Teil geringe Speicherkapazität des Bodens für Feuchtigkeit führten in diesen Gebieten beim Getreide zu Ertragseinbußen zwischen 30 und 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den Regionen Braunschweig und Hannover fiel ebenfalls kaum Regen, jedoch ist der Boden dort besser in der Lage, Wasser zu speichern. Hier gingen die Getreideerträge um etwa 15 bis 20 Prozentzurück.

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