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„Runder Tisch Natur“ zieht gute Bilanz Ganderkesee Vorreiter beim Insektenschutz

Von Birgit Stamerjohanns

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Ganderkesee. Wie wertvoll Blühstreifen als Lebensraum für Insekten sind, haben viele Akteure zum Ausklang des Blühstreifenprogramms am Montag in Ganderkesee betont. Landwirte berichteten von Schutzmaßnahmen im Wert von 30000 Euro.

„Unsere Gemeinde ist unser Zuhause, unser einziges Zuhause. Wo sollen wir hingehen, wenn wir es zerstören?“ Mit diesen Worten – angelehnt an ein Zitat des Dalai Lama – hat Bürgermeisterin Alice Gerken die Mitglieder des „Runden Tisch Natur“ am Montagabend im Rathaus begrüßt. Den Anwesenden allerdings dürfte hinlänglich bekannt sein, wie wichtig Umwelt- und Naturschutz sind. Seit mehreren Jahren treffen sich die Landwirte, Jäger, Umweltschützer und Gemeindevertreter regelmäßig, um den Naturschutz in Ganderkesee voranzutreiben. Unter anderem setzen sie sich für das sogenannte Blühstreifenprogramm ein.

Ackerlandstreifen für Insekten ein Fest

Die Idee ist denkbar einfach: Die Landwirte lassen an den Rändern ihrer Ackerflächen einen Grünstreifen als Lebensraum für Insekten stehen. „Diese Ackerlandstreifen sind ein Fest für Insekten, oft siedeln sich auch andere Tiere wie Fasane oder Rebhühner an“, erklärt Dr. Klaus Handke vom Fuhrenkamp-Schutzverein. Viele Ganderkeseer Landwirte lassen auch an Wallhecken und Grabenrändern zwei bis drei Meter Grünstreifen stehen. „Das hilft vor allem Insekten wie Bienen und Schmetterlingen, deren Bestände bedroht sind“, so Dr. Klaus Handke. Oft würden allein Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat für das Insektensterben verantwortlich gemacht. Aber mindestens ebenso gefährlich sei, dass der Lebensraum für die Tiere immer weiter zurückgeht.

Private Gartenbesitzer auch gefordert

Allerdings sind sich die Mitglieder des Runden Tischs auch einig, dass nicht nur die Landwirte beim Insektenschutz in der Pflicht sind. Auch private Gartenbesitzer können einiges dafür tun, dass Biene, Hummel und Schmetterling mehr Lebensraum bekommen. „Viele Menschen haben den Bezug zur Natur verloren“, beklagen Landwirte und Umweltschützer gleichermaßen. Gepflasterte Vorgärten, immergrüne Hecken, Kies und kurz gemähter Rasen mögen pflegeleicht sein, locken aber keine Tiere an. „Da hilft es dann auch nicht, ein Insektenhotel aufzustellen, da zieht niemand ein!“, so Dr. Klaus Handke. Um mehr Insektenfutter in die Gärten zu bringen, hat der „Runde Tisch Natur“ kleine Tüten mit Saatgut-Mischungen produzieren lassen. Sie verwandeln ein bis zwei Quadratmeter in eine blühende Bienenweide.

„Einmalig im Landkreis“

Die Mitglieder des Runden Tischs wollen ihre Arbeit auf jeden Fall fortsetzen. „Was wir hier geschaffen haben, ist ziemlich einmalig im Landkreis Oldenburg“, so Landwirt Onno Osterloh, „die Schutzmaßnahmen der Landwirte haben einen Gegenwert von rund 30000 Euro.“ Daher wünscht sich Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Landvolks Ganderkesee, eine Aufwandsentschädigung für die Landwirte, wie es sie beispielsweise in Hude gibt.

Gewerbegebiete im Fokus

Künftig will sich der „Runde Tisch Natur“ verstärkt mit den Gewerbegebieten in der Gemeinde Ganderkesee befassen: Auch sie könnten für Naturschutzmaßnahmen genutzt werden, meinen die Akteure. Wo oft noch kurz geschorener Rasen zu sehen ist, könnten Blumenwiesen stehen, und auch viele Dachflächen bieten sich für eine Begrünung an.


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