Auffallend viele Bäume gefällt Ganderkeseer Naturschützer sehen alten Baumbestand in Gefahr

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Setzen sich weiterhin für einen kommunalen Schutz der Bäume ein: (von links) Volker Kropik und Hans Fingerhut vom Nabu sowie Dr. Michael Müller vom Fuhrenkamp-Schutzverein. Foto: Bettina Dogs-PrößlerSetzen sich weiterhin für einen kommunalen Schutz der Bäume ein: (von links) Volker Kropik und Hans Fingerhut vom Nabu sowie Dr. Michael Müller vom Fuhrenkamp-Schutzverein. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Schierbrok/Ganderkesee. Nabu und Fuhrenkamp-Schutzverein wollen in Ganderkesee zurück zu einem politischen Gremium, das sich für den Erhalt schützenswerter Bäume stark macht. Dazu müssten auch grundlegende Daten erarbeitet werden.

Die Aufhebung der gemeindlichen Baumschutzsatzung Anfang April liegt den Naturfreunden von Nabu und Fuhrenkamp- Schutzverein anhaltend schwer im Magen. „Wir können nicht akzeptieren, dass der Baumschutz auf privatem Grund gänzlich aufgehoben ist“, betonte Ganderkesees Nabu-Vorsitzender Hans Fingerhut am Montagvormittag bei einem Vor-Ort-Termin in Schierbrok.

Für strukturierten Baumschutz

Zusammen mit Vereinskollege Volker Kropik und Dr. Michael Müller, Vorsitzender des Fuhrenkamp-Schutzvereins, hatte Fingerhut zur Straße Zum Altengraben geladen, um unter den Kronen alter Eichen die Bedeutung eines strukturierten Baumschutzes für die Gemeinde zu veranschaulichen. Die auf 120 bis 140 Jahre geschätzten Bäume sind Teil des geplanten Baugebietes, das westlich des Altengrabens entstehen soll. „Wir glauben“, so Michael Müller, „wenn es bei der Freiwilligkeit bleibt, wird der Baumschutz versanden“ – und auch der alte Baumbestand am Altengraben mit Entstehen des neuen Wohngebiets über kurz oder lang verschwinden.

Zurück zu einem politischen Gremium

Um zu verhindern, dass immer mehr landschaftsprägende Bäume wie etwa Eichen oder Buchen gefällt werden, wollen Nabu und Fuhrenkamp-Schutzverein zurück zu einem politischen Gremium, das sich um den Erhalt schützenswerter Bäume kümmert. „Wir glauben nicht, dass ein freiwilliger Schutz ohne Sanktionierung ausreichen wird“, so Fingerhut. So seien nach der Aufhebung der kommunalen Baumschutzsatzung etwa schlagartig auffallend viele Bäume im Gemeindegebiet gefällt worden.

Verschlechterung absehbar

Die Vertreter von Nabu und Fuhrenkamp-Schutzverein betonen jedoch auch, bislang über keine Erfahrungen zu verfügen, durch die das Scheitern eines freiwilligen Baumschutzes vorausgesagt werden könnte. „Aber auch andersherum gibt es die nicht, was insgesamt eine unbefriedigende Grundlage ist“, so Fingerhut. Eine Verschlechterung der Situation mit allen Folgen für Umwelt und Landschaftsbild sei daher absehbar.

Was sind schützenswerte Bäume?

Die Daten über das tatsächliche Baumfällverhalten in der Gemeinde Ganderkesee soll nach Vorstellungen der Naturschützer nun ein politisches „Baumschutz-Gremium“ erfassen, das über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren beobachtet, inwieweit nach dem Wegfall der Baumschutzsatzung wieder schützenswerte Bäume gefällt werden. Darüber hinaus sollte die Gruppe generell Kriterien erarbeiten, die festlegen, was in die Kategorie schützenswerte Bäume fällt. „Es soll hierbei nicht um x-beliebige Bäume gehen, sondern um die, die das Landschaftsbild im besonderen Maße prägen und nicht mal eben durch Ausgleichspflanzungen zu ersetzen sind“, so Fingerhut.

Auf Schutzwürdigkeit überprüfen

Das Gremium würde Bäume, die gefällt werden sollen, dann auf eine mögliche Schutzwürdigkeit hin überprüfen und schließlich in einem gesonderten Baumkataster erfassen. „Ohne dabei dogmatisch zu werden“, so Müller. Aus Gründen der Sicherheit etwa sollte auch weiterhin gefällt werden dürfen. Nabu-Mann Kropik: „Wir erhoffen uns dadurch einen nachdenklicheren Umgang mit unseren Bäumen und die Bereitschaft, vor dem Fällen den Rat von Experten zu suchen.“


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