Seit zwei Jahren Ärger um Auto Komplizierter Streit um Fahrzeugzulassung in Hatten

Von Ole Rosenbohm

Streitet sich seit zwei Jahren wegen einer zurückgenommenen Zulassung für ein Fahrzeug: Autohändler Mike Kunz aus Hatten, der in seinen Händen eine eindrucksvolle Akte zu diesem Fall trägt. Foto: Ole RosenbohmStreitet sich seit zwei Jahren wegen einer zurückgenommenen Zulassung für ein Fahrzeug: Autohändler Mike Kunz aus Hatten, der in seinen Händen eine eindrucksvolle Akte zu diesem Fall trägt. Foto: Ole Rosenbohm

Hatten. Großes Hickhack um ein Fahrzeug, das ein Händler aus Hatten gekauft hatte und wieder verkaufen wollte: Seit zwei Jahren befindet er sich im Streit mit dem TÜV und den Zulassungsstellen um eine zurückgenommene Zulassung.

Mike Kunz kennt sich aus mit Autos. Muss er auch. Der Hatter kauft und verkauft mit seiner Firma NFK Nutzfahrzeuge seit fast einem Vierteljahrhundert Personenwagen und Nutzfahrzeuge. Rund um Hauptuntersuchungen, Plaketten oder Zulassungen weiß er eigentlich alles. Und doch befindet er sich mit dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) und den Zulassungsstellen seit zwei Jahren in einem komplizierten Streit um eine zurückgenommene Zulassung.

Als Erprobungsfahrezeug auf eigenem Gelände

Von einer österreichischen Firma hatte Kunz im Mai 2016 einen Mercedes Sprinter 6x6 erworben. Ein Auto mit sechs Rädern, speziell von der österreichischen Firma umgebaut, mit 17.000 Kilometern auf dem Tacho. Die Firma hatte das Fahrzeug ausschließlich als sogenanntes Erprobungsfahrzeug auf eigenem Gelände genutzt und deshalb nie zulassen müssen. Kunz sah gute Chancen für einen Weiterverkauf mit Gewinn.

Erst positives Gutachten

Anfangs lief alles glatt: Die Zulassungsstelle Wildeshausen stufte das Fahrzeug nach Konsultation des niedersächsischen Verkehrsministeriums als Gebrauchtwagen ein. Der Sprinter, berichtet Kunz, war so angemeldet, vom TÜV Nord geprüft, mit allen nötigen Hinweisen im Fahrzeugschein. Das immer wiederkehrende Wort im „Gutachten zur Erlangung einer Einzelbetriebserlaubnis“ lautet „vorschriftsmäßig“ – vorschriftsmäßig von Beschaffenheit bis Klimaanlage.

Interessent springt vor Kauf ab

Der Interessent allerdings sprang kurz vor Kauf ab. Schlimmer noch für Kunz: Er berichtete per E-Mail der Zulassungsstelle, dass das Fahrzeug „schwere, nicht sichtbare Schäden“ haben könne, die „es für den Straßenverkehr untauglich macht“, so eine Info der österreichischen Firma. Ausdrücklich gab diese auch keine Garantie für das Fahrzeug.

Nicht sichtbare Verletzungen?

Kunz bezweifelt stark, dass es bei Autos quasi innere, nicht sichtbare Verletzungen geben könne: „Sonst müsste ja jedes Auto nach einem Unfall verschrottet werden.“ Doch der TÜV Nord sprang auf die Argumentation an und zog das selber angefertigte, komplett positive Gutachten zurück und damit die gesamte Zulassung. „Ohne Prüfung des Sachverhalts“, empört sich Kunz, der seinen Wagen plötzlich wieder von der Straße nehmen musste.

Umfangreicher Schriftverkehr

Dieser verfügt inzwischen über einen eindrucksvollen Schriftverkehr. Kunz wandte sich ans Bundesministerium, die die Zuständigkeit ans Landesministerium weitergab, an den Landrat, gab selber Gutachten in Auftrag, verlor, wie er sagt, viel Zeit und Geld – und fühlt sich absolut im Recht.

TÜV entscheidet anders

Der TÜV allerdings entgegnete, erst im Nachhinein – durch die Mail des abgesprungenen Kunden – erfahren zu haben, dass es sich um ein Erprobungsfahrzeug handeln würde. Eine Begutachtung könne nicht positiv abgeschlossen werden – wegen der „nicht sichtbaren Mängel“.

Problem „Erprobungsfahrzeug“

Ob es solche gravierenden Mängel am Fahrzeug wirklich gibt, weiß der TÜV nicht, gibt Kurt Schäfer, Regionalleiter bei TÜV Nord, zu. Aber bei Erprobungsfahrzeugen sei es normal, Bauteile zu verändern. Welche, geben Hersteller wie die österreichische Firma meist gar nicht heraus, „weil die ihre Autos höchstens zur Ersatzteilgewinnung“ veräußern würden und „gar nicht wollen, dass sie in den Verkehr geraten“, sagt Schäfer. Damit sei der Zustand „nicht mehr definiert“, aktuelle Vorschriften könnten möglicherweise nicht eingehalten sein.

Zunächst von Serienfahrzeug ausgegangen

Im Fall von Kunz΄ Fahrzeug sei der TÜV zunächst von einem Serienfahrzeug ausgegangen, habe dann aber – durch die Mail des ehemaligen Interessenten – erfahren, dass es sich um ein Erprobungsfahrzeug handeln würde. „Wir haben ein Gutachten erstellt, das wir so nicht hätten erstellen dürfen“, gibt er zu. Schuld habe aber auch der Halter: Das Fahrzeug sei unter Vorgabe falscher Informationen begutachtet worden.

Fahrzeug mit Verlust verkauft

Auch für Axel Rüscher, Leiter der Zulassungsstelle Wildeshausen, ist die Entscheidung eindeutig. Allein schon, weil ein Fahrzeug möglicherweise gar nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist, wenn es etwa allein zur Geländeerprobung (um)gebaut wurde. Rüscher: „Ich möchte nicht neben einem Fahrzeug fahren, an dem Bremse oder Kühlleitung nicht so ist, wie es sein sollte und es mir deshalb um die Ohren fliegt.“ Kunz sieht das anders. Das Auto – inzwischen mit Verlust verkauft – sei einwandfrei. Er kennt sich ja aus. Er hätte gerne weitere, ähnliche Wagen erworben. Aber ohne eine Chance auf eine Zulassung? „Sie entziehen mir als Händler die Geschäftsgrundlage“, sagt Kunz.


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