Ehrenamtliche Fahrer gesucht Mit dem Ganderkeseer Bürgerbus sogar zur Bandscheiben-OP

Von Birgit Stamerjohanns

Für ihn ist nach 13 Jahren hinterm Steuer nun Schluss: Der Ehrenamtliche Helmut Dehne während seiner letzten Schicht als Fahrer im Bürgerbus. Foto: Birgit StamerjohannsFür ihn ist nach 13 Jahren hinterm Steuer nun Schluss: Der Ehrenamtliche Helmut Dehne während seiner letzten Schicht als Fahrer im Bürgerbus. Foto: Birgit Stamerjohanns

Ganderkesee Seit 13 Jahren gibt es den Bürgerbus in der Gemeinde Ganderkesee. Genau so lange ist Helmut Dehne ehrenamtlicher Bürgerbus-Fahrer.

Zwei Dinge gibt es, die Helmut Dehnes Zeitplan sehr leicht durcheinanderbringen: Rollatoren und Barzahler. Beide brauchen ihre Zeit: Die einen, weil sie sich nicht mehr so gut bewegen können. Die anderen, weil sie erst das passende Kleingeld zusammensuchen. „Da darf man sich trotzdem keinen Stress machen“, sagt der Bürgerbusfahrer. Er muss zwar seinen Fahrplan einhalten, aber trotzdem hilft er jedem gehbehinderten Fahrgast persönlich in den Bus und trägt den Rollator. Kommt ein Rollstuhlfahrer, fährt Dehne die Rampe aus.

Seit 13 Jahren gibt es den Bürgerbus

Seit 13 Jahren gibt es den Bürgerbus in der Gemeinde Ganderkesee, und genauso lange ist Helmut Dehne ehrenamtlicher Bürgerbus-Fahrer. Jetzt endete diese Ära mit seiner letzten Tour. Der 74-jährige hört auf – aus Altersgründen. „Es hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt der Delmenhorster, während er den Bus durch Heide steuert. Die Fahrgäste seien immer freundlich, Probleme, Rüpeleien oder Streit hat Helmut Dehne in all den Jahren hinterm Bürgerbus-Steuer nicht erlebt. Die kleine Trinkgeld-Kasse neben seinem Fahrersitz blieb nie leer. „Vor allem Ältere sind dankbar, dass es den Bürgerbus gibt, viele wären sonst überhaupt nicht mehr mobil.“

Viele Stammkunden im Bus

Helmut Dehne steuert die Haltestelle Tannenweg an, eine Frau wartet schon. „Das ist eine Stammkundin, die fährt häufig mit“, sagt der Busfahrer und öffnet die Tür für Vera Reissig. Sie besucht mehrmals in der Woche ihre Tochter in Heide, wohnt selbst an der Welsestraße in Delmenhorst.

„Wenn es den Bus nicht gäbe, müsste ich sehr weit zu Fuß laufen, und das kann ich nicht mehr“, sagt Vera Reissig. Heute möchte sie aber nicht nach Hause, sondern zum Busbahnhof nach Delmenhorst. Der ZOB ist die Start- beziehungsweise Endhaltestelle der Linien 221 und 222. Die dritte Linie, die 223, pendelt zwischen Rethorn und Bookholzberg.

Am Delmenhorster ZOB hat Helmut Dehne 10 Minuten Pause, bevor er die Runde durch Elmeloh, Schierbrok, Stenum und Rethorn macht. Jacqueline Zumbusch freut sich, dass sie nach der Zugfahrt von Oldenburg in einen Bus umsteigen kann.

Dabei ist der Anlass ihrer Reise eher unerfreulich: Die junge Frau muss in die Klinik nach Stenum, sie bekommt eine neue Bandscheibe. „Dass es hier eine Busverbindung direkt zur Klinik gibt, ist super“, sagt die Oldenburgerin, während sie Koffer und Reisetasche in den Bus wuchtet. Sie hatte sich bereits auf eine Taxifahrt eingestellt. „Unsere Zielgruppe sind ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind“, erklärt Hanna Otter-Sandstedt, die Vorsitzende des Vereins, der die Bürgerbusse betreibt. Aber auch Berufspendler und junge Eltern mit Kinderwagen nutzen das Angebot in der Gemeinde Ganderkesee, um zum Beispiel nach Delmenhorst zu kommen.

Weitere Fahrer dringend gesucht

39 Ehrenamtliche steuern die Busse, jeder hat zwei Mal im Monat an einem Vormittag oder Nachmittag Dienst. Viele Fahrer sind allerdings – wie Helmut Dehne – schon älter. „Wir wünschen uns Nachwuchs und haben immer Bedarf an Ehrenamtlichen“, betont Hanna Otter-Sandstedt. Um die Bürgerbusse zu lenken, reicht ein normaler Auto-Führerschein, allerdings benötigen die Fahrer zusätzlich einen Personenbeförderungsschein.


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