Über die Hälfte arbeitet auswärts Immer weniger Feuerwehrleute in Ganderkesee tagsüber verfügbar

Von Thomas Deeken

Tatkräftiger Einsatz der Feuerwehr auf der Wittekindstraße: Dort prallte am Donnerstag ein Fahrzeug gegen einen Baum und überschlug sich. Der 87-jährige Fahrer, der von den Feuerwehrkräften befreit werden musste, verletzte sich laut Polizei leicht. Foto NonstopnewsTatkräftiger Einsatz der Feuerwehr auf der Wittekindstraße: Dort prallte am Donnerstag ein Fahrzeug gegen einen Baum und überschlug sich. Der 87-jährige Fahrer, der von den Feuerwehrkräften befreit werden musste, verletzte sich laut Polizei leicht. Foto Nonstopnews

Ganderkesee. Weil immer mehr Feuerwehrleute beruflich nicht mehr in ihrem eigenen Löschbezirk tätig sind, gibt es Probleme bei der Tagesverfügbarkeit. Deshalb gab es die Entscheidung, im Notfall von vornherein zwei Wehren zu alarmieren.

Hier ein Wohnungsbrand an der Urneburger Straße, da ein vermeintliches Großfeuer auf einem Getreidefeld in Falkenburg und dort ein Hilfseinsatz bei einem Verkehrsunfall am Donnerstag auf der Wittekindstraße in Ganderkesee – überall sind die Feuerwehrleute aus der Gemeinde Ganderkesee mit dabei, um zu löschen, zu retten und zu helfen. Alles freiwillig und ehrenamtlich. Das sieht für den einen oder anderen Ganderkeseer möglicherweise wie selbstverständlich aus. Ist es aber nicht. Denn schon seit Langem stehen tagsüber immer weniger Einsatzkräfte zur Verfügung. „Das ist generell ein großes Problem – vor allem in der Urlaubszeit. Bisher haben wir allerdings noch alles gut bewältigen können“, sagt Gemeindebrandmeister Bernd Lembke. Kommentar von Bookholzbergs Ortsbrandmeister Carsten Drieling: „Es geht gerade noch.“

Von vornherein zwei Wehren alarmieren

Dass bislang alles noch recht gut geklappt hat, hängt vor allem mit der Entscheidung des Gemeindebrandmeisters in Absprache mit den sechs Ortswehren Ganderkesee, Bookholzberg, Schierbrok-Schönemoor, Havekost-Hengsterholz, Falkenburg und Bergedorf aus dem vergangenen Jahr zusammen, bei Tageseinsätzen von vornherein zwei Feuerwehren zu alarmieren.. Das war beispielsweise Ende April der Fall, als rund 45 Einsatzkräfte der Feuerwehren Ganderkesee und Falkenburg nach einer Batterie-Explosion im Gewerbegebiet Westtangente gemeinsam vor Ort waren.

Probleme, wenn jemand in Bremen arbeitet

Dass es mit der Tagesverfügbarkeit zunehmend schwieriger wird, hat laut Lembke damit zu tun, dass immer mehr Feuerwehrfrauen und -männer ihren Arbeitsplatz nicht mehr im Löschbezirk haben. „Mehr als die Hälfte unserer 350 Feuerwehrleute arbeitet auswärts“, weiß der Gemeindebrandmeister. Einige von ihnen würden zwar auch in der Nachtschicht tätig sein und stünden daher tagsüber zur Verfügung. Es sei allerdings kaum möglich, im Ernstfall tagsüber schnell mal eben aus den Bereichen Bremen und Oldenburg anzureisen. Dass beispielsweise Arbeitgeber ihren Mitarbeitern nicht gerne frei geben würden, komme mal vor, sei dagegen im Endeffekt kein großes Problem.

Mit 350 Kräften gut aufgestellt

Dank der Arbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren gebe es zwar keine Nachwuchssorgen. Und auch mit den 350 aktiven Kräften sei die Feuerwehr in der Gemeinde gut aufgestellt. Aber man könne noch mehr Leute gebrauchen, die auch in der Gemeinde arbeiten, „die tagsüber dann auch abkömmlich sind“, so Lembke. Sollte sich die Entwicklung jedoch weiterhin so fortsetzen wie bisher, „läuft das auf hauptamtliche Kräfte in der Gemeinde hinaus“, prophezeit Drieling. Konkret sei das allerdings noch kein Thema. Er wünsche sich, dass Unternehmen und die Verwaltung auch daran denken, bei Einstellungen Feuerwehrleute zu berücksichtigen.

Früher mehr Landwirte und Handwerker im Ort

Früher habe es deutlich mehr Landwirte und Handwerker vor Ort gegeben, die zur Feuerwehr gehörten, weiß auch Ortsbrandmeister Bernd Seemann von der Ortswehr Schierbrok-Schönemoor. „Eine Gruppe mit neun Leuten kriegen wir immer zusammen. Eine zweite würde dann möglicherweise später dazukommen. Das kommt aber ganz auf das Szenario, auf das Ausmaß, an“, informiert Seemann, der aber auch weiß: Wenn es eng wird, helfen die benachbarten Ortswehren einschließlich der Delmenhorster. Die guten alten Zeiten, als im Bookholzberger Kalksandsteinwerk gleich 15 Feuerwehrleute und bei Atlas in Ganderkesee zehn Kräfte schnell am Einsatzort waren, scheinen allerdings vorbei zu sein.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN