Landwirtspaar anfangs noch belächelt Hofkäserei in Hurrel gehört zu den besten Deutschlands

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Hude-Hurrel Fast alles produzieren die Haverkamps selbst. Die Milch stammt von hofeigenen Kühen, Schafen und Ziegen, das Futter wird zu 90 Prozent auf den eigenen Weiden angebaut. Das Ziel: ein authentisches Naturprodukt zu erzeugen.

Die große Auszeichnung kam 2011. Da kürte das Food-Magazin „Der Feinschmecker“ die kleine Käserei aus Hurrel zu einer der besten Käsereien aus Deutschland. Ein sensationeller Lohn für fast 20 Jahre harte Arbeit. „Ja, das war schon was“, blickt Erwin Haverkamp mit Stolz im Gesicht zurück. „Das hat uns wirklich gefreut.“

Als Erwin und Christa Haverkamp sich 1992 dazu entschlossen, in die Käsebranche einzusteigen, haben viele im Dorf sie für verrückt gehalten. Bis dato gab es Milchkühe auf dem Hof, Rinderaufzucht und Bullenmast – eben ein klassischer Bauernhof Anfang der 90er Jahre.

Mit Idee Nische besetzt

Doch als die Preise sanken und die Haverkamps vor der Entscheidung standen, wohin die Reise einmal gehen soll, wollten sie einen Weg gehen, der sie nicht zu einer Masse an Tieren führt. „Stattdessen wollten wir eine Nische füllen, die es hier bei uns so noch nicht gab.“

Beide bildeten sich fort, besuchten Kurse und lernten, sogar mit einfachsten Mitteln Käse zu produzieren. „Die ersten anderthalb Jahre haben wir nur ausprobiert und geschaut, was wie schmeckt und was nicht“, schildert Christa Haverkamp. Als Testesser hielten Freunde und Bekannte her, die schließlich den Weg mitbereiteten für die ersten Produktionen für den Verkauf.

„Vier Sorten, mehr waren das damals nicht“, erinnert sich Käserei-Chefin Haverkamp. Präsentiert auf dem Oldenburger Bauernmarkt im „kleinen Party-Pavillon“, wie Erwin Haverkamp sagt.

Heute fünf Märkte und zwei Verkaufswagen

Heute, 26 Jahre später, sind es jede Woche fünf Märkte mit zwei Verkaufswagen, mit denen die Haverkamps ihren Käse an den Mann bringen. Dazu gibt es zwei Verkaufstage ab Hof immer dienstags und samstags von 14 bis 17 Uhr direkt in Hurrel.

Aus den vier Sorten sind mittlerweile rund 50 geworden – je nach Saison und Jahreszeit. Immer wieder kommt Neues mit dazu, Altes wird aus dem Programm genommen, um abwechslungsreich zu bleiben. „Und um den Kunden nicht mit zu vielen unterschiedlichen Sorten zu überfordern.“

Fast alles produzieren die Haverkamps selbst: Die Milch stammt von hofeigenen Kühen, Schafen und Ziegen, das Futter wird zu 90 Prozent auf den eigenen Weiden angebaut.

Verzicht auf genmanipuliertes Saatgut

„Dabei verzichten wir auf genmanipuliertes Saatgut und verwenden ausschließlich hiesiges Getreide“, betont das Paar. Und auch die Größe des Anwesens ist überschaubar geblieben – getragen wird die Käserei von dem, was 70 Ostfriesische Milchschafe, 40 Milchkühe und zwölf Ziegen hergeben.

Was laut Haverkamps immer mehr Kunden honorieren. Vor allem junge Familien sind in den letzten Jahren dazugekommen, um Vollmilchquark und Schafsgouda, Klosterkäse und Bärlauchtaler einzukaufen. Aber auch immer mehr Kunden mit Unverträglichkeiten, die von Kuhmilchprodukten auf Schaf oder Ziege wechseln. „Die Zeit arbeitet hier für uns“, sagt Erwin Haverkamp. „Denn immer mehr vertragen die Lactose in der Kuhmilch nicht und steigen auf Schafs- oder Ziegenmilchprodukte um.“

Einer der besten 400 Käsereien Deutschlands

Nachdem der „Feinschmecker“ die Haverkampsche Hofkäserei zu einer der besten 400 Käsereien Deutschlands kürte, kam auch eine große Supermarktkette, um den Käse aus Hurrel weitläufiger anzubieten. Doch die Haverkamps lehnten ab, wollten lieber unabhängig bleiben und konzentrierten sich stattdessen auf neue kreative Sorten für den Marktverkauf. „Das können wir am besten und das macht uns am meisten Spaß“, sagt Käserei-Chef Haverkamp. Genau so sei ihr Käse immer auch das geblieben, was es von Anfang an sein sollte: ein authentisches Naturprodukt.


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