Hiyaf Rasho aus Ganderkesee Iraker ist erster Flüchtling, der bei Tönjes Bäcker wird

Von Vincent Buß

Der Iraker Hiyaf Rasho macht seit August seine Bäckerlehre bei der Landbäckerei Tönjes in Ganderkesee. Foto: Vincent BußDer Iraker Hiyaf Rasho macht seit August seine Bäckerlehre bei der Landbäckerei Tönjes in Ganderkesee. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. Zum ersten Mal beginnt ein Flüchtling eine Ausbildung zum Bäcker bei der Ganderkeseer Landbäckerei Tönjes. Hiyaf Rasho floh vor drei Jahren aus dem Irak.

Eigentlich wollte Hiyaf Frisör werden. Doch wegen einer Fehlstellung der Finger war das nicht möglich. „Die Arbeit mit den Händen macht mir aber Spaß“, erklärt der 19-Jährige. Also machte der Iraker ein Praktikum bei der Landbäckerei Tönjes.

Aus dem Irak nach Deutschland

Hiyaf floh vor drei Jahren aus seiner irakischen Heimatstadt Sindschar vor dem Krieg. Zwei Wochen lang war er unterwegs – zu Fuß, in Zug, Bus oder Boot. „Es war sehr hart, gerade über dem Wasser“, berichtet der 19-Jährige. Die Reise legte er alleine zurück. Mittlerweile ist aber ein Großteil seiner Familie in Bremen. Nur sein Vater und seine Großmutter sind noch im Irak geblieben. Hiyaf wohnt in Ganderkesee in einem Flüchtlingsheim.

Seine Geschichte kann der 19-Jährige langsam, aber sehr gut verständlich erzählen. Deutsch hat der Iraker im Kurs „Fit in die Ausbildung – FidA“ der regioVHS gelernt. Dieser richtet sich an 18- bis 25-Jährige mit Migrationshintergrund, die für eine Ausbildung noch nicht gut genug Deutsch sprechen. Auch das Praktikum war Teil des Programms, das das Land Niedersachsen bezahlt. Ziel ist, dass die Teilnehmer eine Ausbildung beginnen können. „Die erste Woche im Betrieb war sehr schwierig“, erinnert sich Hiyaf. Denn er musste zusätzlich viele neue Wörter aus dem Backhandwerk lernen. Und das ohne jegliche Fachkenntnisse – weder vom Beruf noch von deutschen Backwaren.

Noch keinen besseren Lehrling gehabt

„Kein Vorwissen zu haben, ist manchmal auch gut“, erklärt Henrik Podorf, Produktionsleiter bei Tönjes. „Denn Rohdiamanten kann man schleifen.“ Unter Podorf machte Hiyaf sein Praktikum und beginnt nun seine Lehre. Der Produktionsleiter ist begeistert. In über 30 Jahren in der Produktion hat er nach eigenen Angaben noch keinen besseren Lehrling gehabt. „Einiges macht er sogar besser als die Altgesellen, neulich zum Beispiel ein Saftkornbrot.“ Und das, nachdem er erst vor zwei Monaten als Praktikant begann. Am liebsten backt Hiyaf aber Baguette.

Die Ausbildung zum Bäcker dauert drei Jahre. Hiyaf geht zwei Mal pro Woche zur Schule, wo unter anderem Fachkunde für Bäcker auf dem Plan steht. Die speziellen Arbeitszeiten schrecken ihn nicht ab. Er sagt, dass er sie sogar mag. Der Iraker wird von drei Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags arbeiten. Sonntags geht es abends um 23 Uhr los, Schluss ist dann um sechs Uhr morgens. Ab September verdienen Auszubildende bei Tönjes im ersten Lehrjahr 565 Euro brutto, im zweiten 670 und im dritten 800. Dazu kommen Nachtzuschläge.

Eine Premiere bei Tönjes

Was man für den Beruf braucht, zählt Podorf auf: Kenntnisse in Deutsch und Mathematik – insbesondere Bruchrechnung, Durchhaltevermögen vor allem wegen der Wärme in der Produktionshalle und Freude am Beruf. „Das trifft alles auf Hiyaf zu“, freut sich Podorf. Der Iraker ist ihm zufolge nicht der erste Flüchtling, der ein Praktikum bei Tönjes macht. Er ist aber der erste, der zur Ausbildung übernommen wurde.

Mit den Maschinen in der Produktionshalle von Tönjes kennt Hiyaf sich bereits gut aus. Foto: Vincent Buß

Nach der Lehre will Hiyaf in Deutschland bleiben. „Das Leben im Irak ist nicht gut “, sagtt er. Seine Heimat vermisst er allerdings schon manchmal. „Aber jeder tut das.“


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