Stoffbeutel ersetzen Plastiktüten Ganderkeseer Geschäfte kämpfen gegen Verpackungsmüll

Von Alexandra Wolff

Thale Wiechmann, Filialleiterin von Kornkraft in Ganderkesee, packt Äpfel in einen wiederverwertbaren Fair-Trade-Beutel. Foto: Alexandra WolffThale Wiechmann, Filialleiterin von Kornkraft in Ganderkesee, packt Äpfel in einen wiederverwertbaren Fair-Trade-Beutel. Foto: Alexandra Wolff

Ganderkesee /Landkreis Oldenburg. Stoffbeutel anstatt Kunststofftüten, wiederverwertbare Behälter anstatt Folien: Die Möglichkeiten, Verpackungsmüll zu vermeiden, sind vielfältig. Der örtliche Einzelhandel setzt sie um.

Nicht nur wiederverwertbar, sondern sogar fairtrade sind die neuen Gemüsebeutel, die im Bioladen Kornkraft in Ganderkesee eingetroffen sind. „Sie fühlen sich auch viel schöner an als die grünen, die wir schon länger im Sortiment haben“, sagt Filialleiterin Thale Wiechmann im dk-Gespräch. Ansonsten liegen aber auch Papiertüten aus – neue, wie gebrauchte.

Eine Unverpacktstation gibt es in Ganderkesee nicht. In der Kornkraftfiliale in Hude können die Kunden Getreide, Müsli oder auch schokolierte Süßigkeiten in selbst mitgebrachten Gläsern oder Beutel abfüllen. Das vermeidet nicht nur Verpackungsmüll, sondern verhindert auch, dass Lebensmittel weggeworfen werden, weil jeder nur so viel einpacken muss, wie er wirklich braucht.

Brotbeutel und Sammelstelle für Taschen

Auch sonst sorgt sich der Laden in Ganderkesee darum, dass Abfall vermieden wird. Für die Eier gibt es Mehrwegboxen und wer seine Baumwolltasche vergessen hat, kann sich eine aus der Sammelstelle aussuchen. „Jeder hat doch eine ganze Sammlung dieser Beutel zu Hause“, erläutert Wiechmann. „Kunden kommen oft vorbei, um ein paar frischgewaschene Stoffbeutel hier abzugeben.“ Wer anhand seiner Stempelkarte belegen kann, dass er zehn Brote gekauft hat, bekommt einen Brotbeutel geschenkt. Zu kaufen gibt es die aber auch.

Auch Supermärkte vermeiden Müll

Dass sich ein Bioladen um Umweltbelange sorgt, mag nichts Ungewöhnliches sein. Aber auch Supermärkte wie Inkoop machen sich Gedanken darüber, wie sie Kunststoff und den damit verbundenen Müll vermeiden können. „Seit einem halben Jahr bieten wir Mehrwegboxen an, damit unsere Kunden Fisch, Käse und Fleisch aus der Frischetheke ohne Kunststoff mitnehmen können“, sagt Christian Krzefski. Als Einkaufsleiter weiß er, dass auch das Sortiment auf Müllvermeidung ausgelegt ist. Biomüllsäcke aus Stärke, die verrotten können, Putzmittel von einem Hersteller, dessen Flaschen aus wiederverwertbarem Recyclat sind und Wattestäbchen, deren Schaft nicht aus Kunststoff, sondern aus Papier besteht.

Keine „Zwangsbeglückung“

In der Buchhandlung Förster gebe es keine „Zwangsbeglückung“ – wie Inhaber Gustav Förster es nennt – mit Papiertüten. „Wir fragen die Kunden, ob sie überhaupt eine Tüte für ihr Buch brauchen“, so Förster. „Auch bei den Schulbüchern fragen wir, ob sie in eine Plastikschutzhülle sollen.“

Auch Kunden sind sensibilisiert

Überhaupt scheint das Bewusstsein in Sachen Müllvermeidung in Ganderkesees Einzelhandel angekommen zu sein. Laut Timo Vetter vom Marketingverein Gantermarkt verzichten bereits die meisten Geschäfte auf Verpackungen. „Dabei hilft aber auch das Bewusstsein der Kunden. Viele bringen eigene Tragetaschen oder Körbe mit“, lobt der erste Vorsitzende das Verhalten der Ganderkeseer. „Selbstverständlich gehört es zum Service, Tragemöglichkeiten an der Kasse vorzuhalten. Während man im Supermarkt wie selbstverständlich 20 Cent für die Tüte zahlt, wird das im inhabergeführten Einzelhandel als kostenlose Serviceleistung erwartet.“

Am 7. und 8. September veranstaltet die Industrie- und Handelskammer das „Heimatshoppen“. In erster Linie ist das eine Imagekampagne für die lokale gewerbliche Wirtschaft. Doch wer vor Ort einkaufen geht und nicht seine Waren im Internet bestellt, spart ja auch viel Verpackungsmaterial. „Wir haben letztes Jahr erstmals davon erfahren, aber 2017 nicht daran teilgenommen. Grund ist der Herbstmarkt, der bei uns eine Woche später stattfindet“, erläutert er. „‚Kaufe wo Du wohnst‘, ist wichtiger denn je. Daher werden wir am diesjährigen ‚Heimat shoppen‘ auch teilnehmen.“

Papiertüten mit Ganderkesee-Logo

Gantermarkt hat als Gemeinschaftsaktion zusammen mit der Gemeinde Papiertüten mit Ganderkesee- und Gantermarkt-Logo und dem Aufdruck „Bei mir kommt nur Gutes aus Ganderkesee in die Tüte“ und „Ganderkesee zieht mich an“ produzieren lassen. „Es gibt die Tüten in zwei Größen und es wurde eine größere Menge vorproduziert“, sagt Vetter. „Jeder Einzelhändler kann seinen Bedarf dort in Eigenregie erwerben.“

Verlosungsaktion

Ähnliche Taschen gibt es auch in Wildeshausen. „Plastik war gestern“ steht auf den Taschen der Initiative „Natürlich Wildeshausen“Und nicht nur das: Auch der wiederverwendbare „Wildeshauser Becher“ soll „To-Go-Müll“ verringern.


Im Landkreis Oldenburg lag das Aufkommen an Leichtverpackungen aus der Sammlung „Gelber Sack“ laut Kreisverwaltung im Jahr 2017 bei 4.494 Tonnen (34,7 Kilogramm je Einwohner). An Altglas fielen 2017 2.814 Tonnen an (21,7), an Papier 10.223 (79) und an Metall 492 Tonnen (3,9). Das sind insgesamt 139,3 Kilogramm pro Einwohner. In Deutschland ging die Müllmenge pro Kopf leicht von 222,2 im Jahr 2015 auf 220,5 Kilogramm in Jahr 2016 zurück. Diese Zahlen sind zur Landkreiserhebung aufgrund unterschiedlicher Berechnung nicht direkt vergleichbar.

Hinter Deutschland folgten Luxemburg mit 211,9 Kilo, Irland mit 209,1 Kilo, Italien mit 202,8 Kilo und Frankreich mit 187,2 Kilo. Schlusslicht Bulgarien produzierte mit 54,7 Kilo pro Kopf nur ein Viertel des deutschen Verpackungsmülls. mit dpa

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