Strom von Fotovoltaik-Zellen Warum Trockenheit und Hitze Solaranlagen auch schaden

Von Vincent Buß

Seine Fotovoltaik-Anlagen laufen derzeit auf Hochtouren, sagt Landwirt Axel Iben aus Strudthafe. Foto: Vincent BußSeine Fotovoltaik-Anlagen laufen derzeit auf Hochtouren, sagt Landwirt Axel Iben aus Strudthafe. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee/Delmenhorst. Bei dem guten Wetter laufen die Solarzellen bestimmt einwandfrei, denken wohl viele Menschen. Warum Hitze und Trockenheit jedoch für Probleme sorgen, können Betreiber von Fotovoltaik-Anlagen erklären.

Der Strudthafer Landwirt Axel Iben freut sich über die vielen Sonnenstunden. „Im Schnitt produzieren unsere Anlagen mehr als sonst“, sagt er. „Jetzt haben wir schon fast die Gesamtproduktion von 2017 erreicht.“ Letztendlich werde der Ertrag des vergangenen Jahres wohl im August überschritten.

Was Iben vor allem zu schaffen macht: die Trockenheit. Der Staub in der Luft verdrecke die Wechselrichter, die die Energie erzeugen. Reinige er deren Filter nicht, fielen die Lüfter aus. „Ich gucke fast täglich im Überwachungssystem am Computer nach“, berichtet Iben. „Erst gestern stellte sich wieder kurzzeitig einer der großen Wechselrichter ab.“ Auf den Wind verlässt sich der Landwirt indes nicht: „Bei diesen Temperaturen kühlt der eh kaum noch.“

Der Strom, den Ibens Anlagen erzeugen, fließt vollständig ins EWE-Netz. Überproduktion ist nach Angaben des Landwirts kein Problem. Er betreibe nämlich zusätzlich eine Biogasanlage, deren Stromproduktion sich nach dem Angebot im Netz richte. Wenn die Solarzellen zuviel Strom lieferten, werde die Biogasanlage vom Netzbetreiber heruntergefahren. Um sich richtig einzustellen, benötige die Biogasanlage allerdings etwas Zeit. „Aber da in diesem Jahr recht konstant die Sonne schien, konnte die Erzeugung gut geplant werden“, erklärt Iben. Wechselten sich Sonne und Wolken ab, sei das schon schwieriger.

Bürgersolargenossenschaft klagt über Hitze

Mit der Produktion zufrieden ist auch Hans-Georg von der Decken, Vorsitzender der Bürgersolargenossenschaft Delmenhorst: „2018 ist bisher schon deutlich besser als 2017 – das war das schlechteste Jahr.“ Schon jetzt hätten die Anlagen zehn Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres geliefert. Die potenzielle Höchstleistung betrage 538.000 Kilowatt, aktuell würden rund 470.000 Kilowatt erzeugt. Das ist laut von der Decken für den Standort sehr gut.

Die Bürgersolargenossenschaft wurde 2008 von der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok und der Stadt Delmenhorst gegründet. Sie betreibt zwölf Fotovoltaik-Anlagen auf kommunalen und privaten Dächern in Delmenhorst und Ganderkesee. Die Ganderkeseer Zellen befinden sich auf dem Dach der Autolackiererei Polster.

Von der Decken klagt aber über die Hitze. „Viel Sonne ist zwar gut, hohe Temperaturen aber nicht.“ Denn dann überhitze die Technik in den Modulen. Eine so hohe Sonneneinstrahlung wie momentan wäre im Winter bei niedrigeren Temperaturen gut, erklärt der Vorsitzende. Es helfe, wenn der Wind für etwas Abkühlung sorge.

Wenn die Anlagen mehr Strom erzeugen, als benötigt wird, nimmt laut von der Decken das Ausland den Überschuss ab. Es könne aber auch Strom verloren werden. Deshalb wünscht sich Von der Decken, dass die Speichermöglichkeiten verbessert werden. Etwa die Hälfte der Anlagen der Bürgersolargenossenschaft versorge die dazugehörigen Gebäude mit Strom, sagt der Vorsitzende. Der Rest werde ins Netz eingespeist. „Unsere Anlagen mussten noch nie wegen Überproduktion abgeschaltet werden“, berichtet von der Decken.

EWE profitiert vom Wetter

Am Computer kann Iben die Produktion der Solaranlage überwachen. Foto: Vincent Buß

Das Energieversorgungsunternehmen EWE verzeichnet nach eigenen Angaben wegen der aktuellen Wetterlage eine hohe Stromproduktion durch Fotovoltaik-Anlagen. Ein Überschuss entstehe trotzdem nicht. Die erzeugte Energie kann laut der EWE noch nicht flächendeckend gespeichert werden, weshalb sie immer dahin transportiert wird, wo sie benötigt wird. Solarzellen auf Eigenheimen machen zwar den größten Anteil an allen Anlagen aus, jedoch erzeugen die gewerblichen Betreiber mehr Strom.


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