Landwirte und Vieh ächzen unter Hitze Auch in Ganderkesee hohe Ernteausfälle befürchtet

Von Bettina Dogs-Prößler

Landwirt Friedhelm Blankemeyer blickt düster in die Zukunft: Der fehlende Regen trocknet die Kartoffeln aus. Foto: Bettina Dogs-PrößlerLandwirt Friedhelm Blankemeyer blickt düster in die Zukunft: Der fehlende Regen trocknet die Kartoffeln aus. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Ganderkesee. Der Mais bildet kaum Kolben, das Gras hat das Wachsen eingestellt und die Getreidekörner kommen auf nur mickrige Größen: Die Nutzpflanzen benötigen dringend Regen.

Die Aussichten: sonnig, aber nicht rosig. Zumindest, wenn es nach den Landwirten geht. Während sich die Menschen auf der einen Seite über anhaltend hohe Temperaturen freuen, blicken Ganderkesees Bauern sorgenvoll auf die Wetteraussichten. „Wir werden von der Natur gerade daran erinnert, dass nicht immer alles im Überfluss vorhanden sein wird“, sagt Friedhelm Blankemeyer aus Kühlingen.

Landwirte in Sorge

Niedersachsenweit stöhnen die Landwirte derzeit über zu trockene Felder und fehlenden Regen. „Landesweit wird die Getreideernte um rund ein Drittel niedriger ausfallen als schon im enttäuschenden Vorjahr“, prognostiziert Landvolkpräsident Albert Schulte von Brinke. Und auch Rainer Bücking vom Ortslandvolk Ganderkesee rechnet für den hiesigen Bereich mit deutlichen Ernteausfällen. „Wenn es in den nächsten drei, vier Wochen keinen Regen gibt und die Temperaturen so bleiben, werden wir 50 Prozent vom Mais verlieren“, prognostiziert er.

Bereiche, die stark unter der Hitze zu leiden haben

Zwar sei die Situation in und um Ganderkesee noch deutlich weniger dramatisch als in anderen Regionen Niedersachsens, „aber auch hier haben wir Bereiche, die stark unter der Hitze zu leiden haben“. So habe es in Schönemoor und Hengsterholz-Havekost noch weniger geregnet als in anderen Teilen Ganderkesees.

Unterschiedliche Böden sowie eine vielfältige Ausrichtung der Höfe käme den Landwirten bei der aktuellen Hitze nun zugute. „Wir hoch die Ausfälle sind, kann man jetzt noch nicht beziffern“, meint Cord Wübbenhorst, Vorsitzender vom Landvolkverband Ganderkesee. Zumal es innerhalb der Gemeinde tatsächlich auch normale Ernten gegeben habe. Wübbenhorst: „Zum Teil ist die Ernte bei uns sehr unterschiedlich ausgefallen.“

Das hat auch Rainer Bücking beobachtet. „Von ganz mies bis sehr gut hatten wir alles mit dabei“, sagt der Landwirt aus Ganderkesee. Dennoch: Auch ihm stehen die Sorgenfalten auf der Stirn. „Seit Anfang Mai hat es keinen nennenswerten Regen gegeben, das hat es in der Form schon lange nicht mehr gegeben.“ Bleibe es so heiß und trocken, „dann kann das Ganze auch bei uns dramatisch werden“. Fest steht bereits: Nicht nur die Ertragsmenge, auch die Qualität der Ernte lasse zu wünschen übrig.

Keine höheren Preise für Brot und Brötchen in Aussicht

Höhere Preise für Brot und Brötchen wie von der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast prognostiziert, erwarten die Landwirte hingegen nicht. Cord Wübbenhorst: „Die fehlende Menge gleicht der globale Markt wieder aus.“

Für Friedhelm Blankemeyer vom gleichnamigen Kartoffelhof ist die Lage trotzdem „sehr ernst“. Der Kühlinger rechnet mit bis zu einem Drittel weniger Kartoffeln und spricht bereits von einem Ausnahmejahr. „Das Gras wächst nicht, der Mais verdörrt und die Kartoffeln liegen schlapp danieder.“ Nach einem derart nassen Jahr 2017 habe niemand damit gerechnet, dass so ein Sommer folgen würde.

Landwirte kühlen Ställemit Sprühwasser

Und der macht zunehmend auch dem Vieh zu schaffen. Mit feinem Sprühwasser kühlen die Landwirte die Temperaturen in den Ställen herunter, damit die Hitze den Schweinen, Rindern und Hähnchen weniger zusetzt. Zudem sorgten auch große Ventilatoren für frische Luft. Kämen Kühe noch auf die Weide, sollten ausreichend Schattenplätze vorhanden sein, denn, so Bücking: „Kühe mögen es nicht so heiß.“ Stattdessen würden auch die sich über eine ordentliche Portion Regen freuen.


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